Wer eine E-Mail schreibt, vertraut in der Regel darauf, dass zumindest sein Mail-Provider diskret damit umgeht. Doch dieses Vertrauen könnte unbegründet sein: Wie es aussieht, hat der amerikanische Onlinedienst Yahoo im großen Still Mail-Postfächer durchsucht – im Auftrag von US-Behörden.

Yahoo hat offensichtlich das Vertrauen der User missbraucht: Wie tagesschau.de und andere Medien übereinstimmend berichten, haben die Yahoo-Techniker auf Anordnung der Behörden hunderte Millionen Postfächer ihrer Kunden nach einer bestimmten Zeichenkette durchsucht. Bedeutet: Die Behörden wussten nicht, nach wem sie suchen, sie wussten bestenfalls wonach – und haben Yaii die Arbeit machen lassen.

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Vollständige Überwachung à la Orwell

Das wäre in etwa so, als würde man mal eben in jedem Haushalt eine Hausdurchsuchung durchführen, weil man eine Tatwaffe sucht, aber nicht genau weiß, wen man mit der Hausdurchsuchung behelligen soll. Motto: Irgendwo wird man schon fündig …

Yahoo hat sogar extra ein Programm geschrieben, das den Suchauftrag durchführt und die Postfächer offensichtlich aller Kunden durchleuchtet. Man könnte es auch so sagen: Der gesamte E-Mail-Verkehr wurde überwacht. Rückwirkend. Das hat nun endgültig Orwell’sche Ausmaße.

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Der Fall belegt mal wieder eindrucksvoll: Was technisch möglich ist, das wird auch gemacht. Und was einmal gemacht wird, das wird garantiert auch wieder getan – und noch ein bisschen mehr. Schließlich ist die Grenze schon einmal überschritten worden. Man muss daher davon ausgehen, dass es sich um keinen Einzelfall handelt. Yahoo selbst redet sich raus, man habe lediglich geltendes US-Recht angewendet. Google und Microsoft hingegen lehnen bislang jede Stellungnahme ab.

Besser keine Mail-Postfächer in den USA

Man muss wohl davon ausgehen, dass andere E-Mail-Dienste ähnlich verfahren haben oder hätten. Andernfalls würden sie nicht schweigen, sondern sich empören – schließlich wäre das eine willkommene Möglichkeit, sich zu profilieren. Skandalös genug, dass es US-Gesetze gibt, die einen derart schweren Eingriff in die Privatsphäre hunderter Millionen Menschen erlauben – und die Behörden von solch folgenreichen Möglichkeiten auch hemmungslos Gebrauch machen.

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Allerdings tragen auch solche E-Mail-Dienste eine Schuld: Wenn sie doch wissen, dass derartige Eingriffe möglich sind und auch praktiziert werden, so sollte das doch genug Motivation sein, endlich mal sichere E-Mail-Postfächer anzubieten – und ein sichere Verschlüsselung bei der Übertragung.

Gerade erst hat Stiftung Warentest die Sicherheit von E-Mail-Providern unter die Lupe genommen und insbesondere den US-Diensten schlechte Noten ausgestellt. Deutsche Anbieter wie mailbox.org oder Posteo schneiden deutlich besser ab. Hier stehen die Server in Deutschland und es werden diverse moderne Technologien verwendet, um ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten.

Das kostet zwar einen kleinen Obolus, aber dafür ist man wenigstens auf der sicheren Seite. Sollte sich herausstellen, dass auch Google und Microsoft auf Anweisung von FBI und NSA E-Mail-Postfächer durchsuchen, spätestens dann sollten sich diese deutschen Anbieter vor Neuaufträgen nicht retten können.