Facebook und seine PR-Kampagne

Facebook und seine PR-Kampagne

In den letzten Tagen hat Facebook in vielen deutschen Zeitungen ganzseitige Anzeigen geschaltet. Um sein Image aufzupolieren, um Vertrauen zurückzugewinnen, um uns zu sagen: Wir sind doch gar nicht so – wir sind die Guten. Eine aufwändige und auch eine teure Kampagne.

Es kommt nicht oft vor, dass sich digitale Medien auf Papiermedien einlassen – in dem Fall, um was fürs Image zu tun. Aber was steckt genau dahinter, was weiß Facebook tatsächlich über uns, was können wir wieder löschen – und klappt das auch?

Mit solchen PR-Videos will Facebook Vertrauen zurück gewinnen. Versehentlich etwas gepostet? Oder irgendetwas veröffentlicht, was man später bereut? Lässt sich alles jederzeit wieder löschen – so die Botschaft der kurzen Spots. In dieselbe Richtung gehen die ganzseitigen Anzeigen, die Facebook derzeit in vielen Tageszeitungen schaltet.

Eine millionenschwere PR-Kampagne. Anzeigen in Zeitungen, Werbespots im Fernsehen: Es ist ein ungewöhnlicher Weg, den Facebook da gerade beschreitet. In den klassischen Medien Präsenz zeigen, das ist nicht unbedingt üblich bei den Vertretern der so genannten Neuen Medien, wozu Facebook ja zweifellos gehört.

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Besser, aber noch nicht gut

Offensichtlich bringt es etwas, dass die Kritik an Facebook immer lauter wird. Das Vertrauen schwindet. Facebook muss umdenken, dem Benutzer mehr Möglichkeiten zur Kontrolle geben. „Mach Facebook zu Deinem Facebook“ lautet der Slogan der Kampagne. Was Facebook vermitteln möchte: Wir haben angeblich die vollkommene Kontrolle über unsere Daten und alles, was wir veröffentlichen.

Ja: Es ist besser geworden. Mittlerweile kann man zum Beispiel eine Menge einstellen in den Untiefen der Privatsphäreeinstellungen. Das ist zwar längst nicht so komfortabel und übersichtlich wie bei Google. Die machen das meiner Ansicht nach deutlich besser. Doch immerhin: Ich kann bestimmen, wer, was zu sehen bekommt.

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Das war auch nicht immer so und ist erst nach und nach gekommen, weil der Druck zugenommen hat. Neues Thema ist nun also, dass man wieder löschen kann, was man versehentlich gepostet hat. Postings, Fotos, Videos: Kann man wieder entfernen, wenn man nicht mehr dazu steht. Behauptet die Kampagne.

Was wir löschen können und was nicht

„Posts, Kommentare und Fotos kannst Du jederzeit löschen“, heißt es bei Facebook. Stimmt: Mittlerweile hat man die Möglichkeit, Texte oder Fotos zu löschen, wenn man nicht mehr dahinter steht. Das geht vergleichsweise einfach und funktioniert in der Regel auch. Manchmal reicht es, die Zielgruppe zu ändern: „Nur ich“. Dann sieht es niemand außer einem selbst.

Problematisch wird es bei Chats. Denn wenn ich mit anderen Personen chatte, auf dem Tischrechner in Facebook, auf dem Smartphone mit dem Facebook Messenger, dann gehört mir der Chatverlauf nicht. Ich teile ihn mit der Person, mit der ich kommuniziert habe. Chats lassen sich daher zwar löschen, die anderen können die Inhalte aber nach wie vor sehen.

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Was Facebook über uns weiß

Posts, Fotos und Kommentare kann man also löschen – das ist aber auch schon alles. Das meiste kann man nicht löschen. Chats sind nur ein Beispiel. Vor allem aber kann man all die Daten nicht löscht, die Facebook über einen sammelt. Man erfährt nicht mal, welche Daten das sind.

Und bitte nicht vergessen: WhatsApp gehört ebenso zum Facebook Imperium wie der Bilderdienst Instagram. Auch wer hier unterwegs ist, versorgt Facebook also intensiv mit Daten. Das verrät Facebook seinen Nutzern nicht.

Facebook; Rechte: Pixabay

Daten transparent machen

Wenn Facebook wirklich unser Vertrauen will, sollte das Unternehmen diese Daten transparent machen – und uns die Möglichkeit geben, darauf Einfluss zu nehmen. Wir sollten bestimmen können, welche Daten gesammelt werden und was mit den Daten passiert. Eine gesetzliche Regelung wäre mehr als angebracht – aber wer hält Unternehmen wie Google, Facebook oder Microsoft davon ab, mit gutem Beispiel voranzugehen? Das wäre eine vertrauensbildende Maßnahme, die mich überzeugen würde.

Außerdem könnte auch alles einfacher sein. Kaum einer findet sich in den Privatsphäreeinstellungen zurecht. Sie sind nicht besonders übersichtlich. Allzu große Anstrengungen unternimmt Facebook nicht, das alles benutzerfreundlich zu gestalten. Auch das Einrichten von geheimen, geschlossenen Gruppen: Eher schwierig, sogar für erfahrene Nutzer.

Umgekehrt löscht Facebook immer wieder, was dem Unternehmen nicht passt. Kunstwerke. Prämierte Kriegsfotos. Kritische Postings. Facebook ist mit einer Allmacht ausgestattet, die immer mehr Leute stört.

Wichtiger als eine teure PR-Kampagne wäre daher ein Richtungswechsel: Mehr Transparenz, mehr Mitbestimmungsrechte für die User – und keine Willkür mehr was erlaubt ist und was nicht auf Facebook. Das ist meine Meinung.

 

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