Donald Trump hat die Präsidentschafts-Wahlen in USA gewonnen – und das ganz sicher nicht, indem er immer die Wahrheit gesagt hat Im Gegenteil. Kritiker sagen jetzt: Die Sozialen Netzwerke sind schuld, denn Facebook und Co. haben Donald Trump geholfen, seine Lügen zu verbreiten. Aber stimmt das – und was können die Sozialen Netzwerke künftig dagegen unternehmen?

Facebook publiziert praktisch nichts selbst, sondern versteht sich selbst als Sprach-Rohr für seine Nutzer. Aber eben als Sprach-Rohr für jeden – und genau das ist das Problem. Der ursprünglich sympathische Gedanke, dass im Internet jeder eine Stimme hat, dass jeder seine Meinung sagen kann, wird zunehmend ein Problem – eben, weil nun eben tatsächlich jeder seine Meinung sagen kann, unabhängig davon, ob es mit der Wahrheit etwas zu tun hat, ob es Hetze ist, Verharmlosung oder einfach nur Unsinn.

Facebook; Rechte: Pixabay

Strukturell ist ein Posting von BBC oder WDR genauso wertvoll und wichtig wie ein Posting von einer Privat-Person, ob Wahrheit oder Lüge. Die, die Lügen verbreiten wollen, haben es in den Sozialen Netzwerken sogar besonders leicht: Unsinn und Lügen verbreiten sich rasend schnell, weil sie interessant klingen und geliked werden. Weil Facebook nichts oder kaum etwas dagegen unternimmt, ist die Kritik berechtigt. Facebook hilft bei der Verbreitung von Falsch-Meldungen.

Wie ernst wird Facebook genommen?

Sehr ernst, das darf man wirklich nicht unterschätzen. Facebook hat 1,7 Milliarden Nutzer weltweit und ist für viele eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Nachrichten-Quelle. Wer sich ausschließlich bei Facebook informiert, kann also leicht manipuliert und Fehl-Informiert werden, weil jeder Nachrichten und Meldungen auf Facebook publizieren kann – und Facebook verteilt sie so bereitwillig wie emsig.

Immer öfter wird der Facebook-User nicht mal mehr auf Webseiten gelenkt, sondern im Facebook-Netzwerk gehalten. Stichwort: Instant Articles. Da die Seriosität von Nachrichten oder Quellen zu überprüfen, ist kaum möglich.

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Welche Meldungen Donald Trump geholfen haben

Da gibt es viele. Zum einen wurden die Behaupten und auch Lügen von Donald Trump vor allem in den Sozialen Netzwerken verteilt. Klassische Medien prüfen Aussagen und verbreiten nicht einfach alles. In Sozialen Netzwerken wird einfach alles verteilt.

Darum hat Donald Trump auch immer wieder auf Online-Dienste und Internet verwiesen. Es gab auch Meldungen, der Papst hätte zur Wahl von Donald Trump aufgerufen. Eine Meldung, die sich in keiner seriösen Zeitung wiederfinden würde – es aber mühelos in die Sozialen Netzwerke schaffen. Wer glaubt, dass so etwas keine Wirkung entfaltet, ist naiv.

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Wie Facebook reagiert

Mark Zuckerberg sagte kürzlich wörtlich, er denke, der Gedanke sei „ziemlich verrückt, dass Falsch-Meldungen bei Facebook und Co. die Wahl auf irgend eine Weise beeinflusst hätte“. Eine alarmierende Aussage, denn entweder ist Mark Zuckerberg unfassbar naiv – oder unglaublich dreist. Denn ein Medium, das 1,7 Milliarden Menschen erreicht, hat selbstverständlich Einfluss auf die politische Meinungs-Bildung.

Etwas anderes anzunehmen ist regelrecht absurd. Doch Mark Zuckerberg verfolgt damit eine Taktik: Er will nicht, dass Facebook als Medium wahrgenommen wird, weil das Verantwortung nach sich ziehen würde. Eine Verantwortung, die er nicht will, da es dann anstrengend wird: Dann müsste Facebook für die Inhalte gerade stehen und überwachen, und das ist aufwändig und teuer.

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Doch einige Mitarbeiter bei Facebook wollen nicht untätig sein, sie widersprechen ihrem Chef – und versuchen, Algorithmen zu entwickeln, die Fake-Meldungen enttarnen sollen.

Algorithmen sollen alles regeln

Keine einfache Aufgabe, denn die Algorithmen müssten Quelle und Herkunft überprüfen und sogar auch den Inhalt bewerten. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz gibt es jedoch große Fortschritte: Es ist zumindest denkbar, dass Software diese Aufgabe meistert. Passieren muss auf jeden Fall etwas.

Absolut. Das fängt schon mal damit an, dass wir idealerweise keine offensichtlichen Falsch-Meldungen liken, teilen oder auch nur zur Kenntnis nehmen, denn das spült den Unsinn nach oben. Darüber hinaus könnten wie die Quelle prüfen, das Impressum checken, Nachrichten googeln und einiges mehr.

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Das allerdings sind Empfehlungen, die die Verantwortung auf die User übertragen, was ich unzulässig finde – und eine Zumutung. Diese Aufgaben, also Quelle prüfen, gegenchecken etc. sind klassische Aufgaben von Journalisten. Ein Argument, mehr und konkret journalistische Inhalte zu nutzen.

Die Filterblase: Der Edgerank

Facebook hat einen Algorithmus im Einsatz, der so genannte „Edgerank„, der entscheidet, was in unserer Time-Line auftaucht und was nicht. Das wissen viele gar nicht: Nicht alles, was Freunde und abonnierte Seiten veröffentlichen, bekommen wir zu Gesicht. In Wahrheit sogar nur einen Bruchteil, da der Edgerank mehr filtert als durchlässt.

Was relevant ist und was nicht, entscheidet der Algorithmus – und da spielen über 200 Faktoren eine Rolle, unter anderem, wie gut ich jemanden kenne, der etwas postet, wie hoch der Grad der Interaktion ist (kommentiere ich, like ich, kommentiert der andere meine Beiträge…) und last not least, was thematisch passt.

Je besser ich jemanden kenne, je mehr Interaktion es gibt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Post in meiner Time-Line auftaucht. Aber transparent ist das alles nicht. Facebook hat eine derart große Bedeutung, dass es nicht sein kann, dass das alles intransparent abläuft.