Forscher haben eine Methode weiter entwickelt, die von jedem User, von jeder Hardware einen digitalen Fingerabdruck macht – und uns so leichter identifizierbar macht. Fingerprinting wird das genannt. Normalerweise erkennen uns Onlineshops und Werbebetreiber mit Hilfe von Cookies wieder. Wozu braucht es überhaupt eine neue Methode?

Cookies sind ein Verfahren, das es schon ziemlich lange gibt. Da speichert eine Webseite in einer kleinen Systemdatei auf der Festplatte des Rechners oder im Speicher des Smartphones Infohäppchen, etwa die Kundennr. Oder wofür man sich interessiert. Bei, nächsten Besuch bekommt die Webseite die Infos direkt zur Verfügung gestellt – der Benutzer wird wiedererkannt. Das dient durchaus auch dem Komfort, etwa, damit der Onlineshop einen direkt wiedererkennt. Auch Warenkorb-Funktionen, also wenn man online einkauft, funktionieren in der Regel über Cookies.

Doch da die Werbeindustrie auch Cookies nutzt, um uns beim Surfen zu beobachten und auszuspionieren, haben Cookies einen schlechten Ruf. Viele Benutzer blockieren oder löschen Cookies – und machen die Betreiber so gewissermaßen blind. Deshalb ist man auf der Suche nach einem Nachfolger für Cookies. Der digitale Fingerabdruck ist so ein Nachfolger.

Wie funktioniert Fingerprinting?

Beim Fingerprinting wird nichts auf dem Rechner oder im Smartphone gespeichert. Stattdessen werden eine Menge Daten vom Browser abgerufen, die jeder Browser unbemerkt verrät. Daten, wie: Welches Betriebssystem nutze ich, welche Software inst installiert, welche Schriftarten sind vorhanden, welche Sprache ist im Einsatz, welche Bildschirmauflösung verwende ich – und vieles andere mehr.

Eine Menge Daten. Jede einzelne Information allein sagt nicht viel aus – zusammengetragen geben sie ein individuelles Profil, weil jeder Rechner, jedes Smartphone anders konfiguriert ist. Diese Abfragen erfolgen unbemerkt im Hintergrund und funktionieren blitzschnell.

Außerdem werden kleine Grafiken auf dem Gerät erzeugt. Die Art und Weise, wie und wie schnell das passiert, lässt ebenfalls Rückschlüsse auf Hardware und Konfiguration zu. Wirft man alle Daten in einen Topf, entsteht ein Fingerabdruck, der nahezu einzigartig ist. Wer das mal ausprobieren möchte: Hier gibt es ein Onlineangebot, das einen digitalen Fingerabdruck erstellt – und anzeigt.

Auf diese Weise kann man einen Benutzer mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,25 Prozent wiedererkennen, selbst wenn sich etwas an der Konfiguration ändert. Selbst wenn man beim nächsten Mal einen anderen Browser benutzt – bei Cookies ein K.O.-Kriterium –, lässt sich ein Benutzer mit einer Wahrscheinlichkeit von über 83% wiedererkennen.

Neue Methode für Behörden?

Weniger. Digitale Fingerabdrücke können von Web-Servern erstellt werden. Ein Onlineshop kann das – oder ein Werbenetzwerk. Ein Werbenetzwerk könnte auf diese Weise ein Nutzungsprofil eines Nutzers erstellen, weil er auf jeder Webseite, die mit dem Werbenetzwerk kooperiert, erkennt und beobachtet werden kann. Doch für gezielte Fahndungsmaßnahmen eignet sich dieses Verfahren nicht,

Wehren gegen Fingerabdruck

Es ist schwieriger, sich gegen das Fingerprinting zu wehren als gegen Cookies, aber: Es geht durchaus. Es ist allerdings mit Aufwand verbunden. Die Forscher empfehlen, einen Tor-Browser zu benutzen. Das ist ein spezieller Browser, der deutlich weniger Daten verrät als normale Browser. Darüber hinaus hilft es, Skripte im Browser abzuschalten. Wer lieber mit seinem Standard-Browser surft, kann Plugins (Erweiterungen) wie CanvasBlocker verwenden.

Diese Erweiterung blockiert verschiedene Funktionen und Daten, die beim Fingerprinting genutzt werden. Auf diese Weise wird das Erstellen von digitalen Fingerabdrücken erschwert oder komplett verhindert. Allerdings kann das auch die Funktionsfähigkeit mancher Webseiten beeinträchtigen. Deshalb kann der Benutzer entscheiden, wo er welche Einschränkungen möchte. Das setzt wieder etwas mehr Mühe voraus, ist aber zumindest möglich.

Eine Methode mit Zukunft?

Davon bin ich überzeugt, denn gerade die Werbeindustrie hat ein großes Interesse daran, die Nutzer zu identifizieren. Die zunehmende Neigung der Menschen, Cookies zu blockieren oder zu erschweren, macht der Werbeindustrie das Leben schwer. Die neue Methode erhöht die Erkennungsrate entscheidend – und wird deshalb auch ganz sicher zum Einsatz kommen.

Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Der Einsatz von Cookies ist geregelt. Fingerprinting ist aber ein anderes Verfahren. Es muss Informationspflichten geben: Wer durch Fingerprinting identifiziert wird, sollte davon wissen – und ggf. widersprechen können.