Über das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz wird in den Sozialen Medien lebhaft diskutiert. Längst haben die Sozialen Medien einen erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung, das wissen wir nicht erst seit den US-Präsidentschaftswahlen. Die AfD macht besonders intensiv Gebrauch von den Möglichkeiten, sich hier Gehör zu verschaffen. Doch nun ist ein Coup gelungen: Die Satiriker von „Die Partei“ haben 31 Facebook-Gruppen der AfD übernommen und mit eigenen Inhalten befüllt, etwa einem Satirevideo.

Wer auf besondere technische Kniffe hofft oder mit Hinweisen rechnet, dass Moskau dafür verantwortlich sein könnte, den muss ich enttäuschen – es war viel einfacher. Wenn auch zeitaufwändiger. Denn die Mitglieder der „Partei“ haben sich wochen- und monatelang in den Gruppen getummelt und sich als Sympathisanten ausgegeben. Irgendwann haben sie gefragt, ob sie nicht beim Administrieren und Verwalten der Gruppen behilflich sein können.

Vor einigen Tagen ist genau das passiert: Die Hauptadministratoren haben sich Entlastung versprochen und einige Leute aus der Partei zu Administratoren gemacht. Als Administrator kann man so ziemlich alles machen. Darum wurden die bis dahin geschlossenen Gruppen dann öffentlich, teilweise wurden sie umbenannt – und es wurden auch Inhalte eingestellt, etwa ein Video, in dem die Übernahme erklärt wird. Ein Zitat: „Ab sofort werden sie nicht mehr von Bots verarscht, sondern von echten Menschen.“ Den Coup kann man wohl nur als gelungen bezeichnen.

Bots kommentieren unermüdlich

„Bots“ sind ein wichtiges Stichwort: Es heißt immer wieder, Bots würden im Wahlkämpfen – ob in den USA, in der Ukraine oder jetzt bei uns – eine Rolle spielen. Bots sind Computerprogramme, oft mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet. Sie fluten Bereiche im Internet, in denen diskutiert wird, mit Meinungen, oft mit Falschmeldungen und Falschaussagen – und das vollkommen automatisch.

Die Software sucht dann zum Beispiel auf Twitter nach bestimmten Stichwörtern, etwa #Flüchtlinge oder #wirschaffendas, und posten dort automatisch immer wieder dieselben Aussagen. Manche Bots sind sogar so weit entwickelt, dass sie eine gewisse Form von Dialog herstellen können. Sie reagieren auf Antworten und wirken dadurch menschlich.

Da solche Bots unermüdlich und rund um die Uhr arbeiten, verändern sie natürlich das Meinungsbild im Netz. Solche Bots sind offensichtlich auch bei Facebook zum Einsatz gekommen: Dann werden Fake-Profile angelegt, mit Fotos zwar, aber es stecken keine echten Menschen dahinter. Es werden Tausende von Freundschaftsanfragen verschickt. Wer sie annimmt, wird automatisch mit Meldungen und Agitation in der Timeline geflutet. Eine sehr effektive Methode, um News zu verteilen.

Fake-Profile erkennen

Viele fragen sich: Wie lassen sich solche Bots und Fake-Profile denn erkennen? Leider ist das nicht immer ganz einfach, weil solche Programme mittlerweile sehr geschickt vorgehen. Man kann im Zweifel natürlich versuchen herauszufinden, wer hinter einem Konto steckt. Außerdem empfiehlt es sich nachzuschauen, welche Art von Postings und Kommentaren von einem Konto verschickt werden.

Sind es immer wieder dieselben, spricht das für sich. Bei Facebook kann man versuchen herauszufinden, ob es auch persönliche Nachrichten oder Bilder gibt. Fehlt es daran völlig, ist das häufig ein Indiz dafür, dass man es mit einem Fake-Profil und/oder Bot zu tun hat. In einem solchen Fall sollte man die Freundschaft, sollte sie bereits bestehen, unverzüglich wieder aufheben.

Konkrete Hackangriffe

Es wird ja auch immer wieder ganz gezielt versucht, Server, Rechner und Webseiten zu hacken. Im Bundestag vor zwei Jahren. Und jetzt die Webseite von Julia Klöckner. Das Kapern von Webseiten und auch Twitter-Accounts oder Facebook-Konten gibt es immer wieder. Wer Zugang dazu bekommt, kann natürlich die perfekte Verwirrung stiften. Man stelle sich vor, mit Julia Klöckner als Absenderin würde eine Zusammenarbeit mit der AfD in Aussicht gestellt oder eine gewagte These zu einem wichtigen politischen Thema veröffentlicht…

Im aktuellen Fall die Webseite Julia Klöckners betreffend, sieht es wohl so aus, dass die Verursacher der Hackangriffe in Russland sitzen – was leider nicht weiter ungewöhnlich ist. Man muss leider jederzeit damit rechnen, dass solche Angriffe mal erfolgreich sind und entsprechenden Wirbel verursachen. Es gibt natürlich auch „stille“ Angriffe.

Da geht es eher darum, Informationen zu besorgen. Wer Zugriff auf Mails oder Server mit Dokumenten hat, kann vertrauliche Informationen stehlen – und sie leaken, also veröffentlichen. So war es im US-Wahlkampf bei Hillary Clinton. Auch das verändert das Meinungsbild.