Am 15. September 1997 ist die Suchmaschine Google offiziell ans Netz gegangen. Unter der auch heute noch bekannten und üblichen Adresse www.google.com. Seit 20 Jahren also können wir alle „googeln“. Vorher war die von Larry Page und Sergey Brin an der Stanford University entwickelte Suchmaschine nur Eingeweihten zugänglich, die mit dem Projekt zu tun hatten.

Die meisten von uns googeln täglich – und sind dankbar für die präsentierten Resultate. Rund 90 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland gehen an Google. Alle Achtung. Man kann es auch so sehen: Die User stimmen täglich mit den Fingern ab. Sie könnten ja auch eine andere Suchmaschine ansteuern. Genug Alternativen gibt es jedenfalls. Tun sie aber nicht.

Wir haben also alle selbst dazu beigetragen, dass aus der einstigen kleinen Suchmaschine von zwei Studenten innerhalb von nur zwei Jahrzehnten einer der mächtigsten Konzerne der Welt geworden ist. Und einer der reichsten.

Ich übertreibe nicht: Die Marke Google ist mittlerweile über 110 Milliarden Dollar wert. Etwa so viel wie Apple. 110 Milliarden Dollar. Und das, weil Google längst mehr ist als nur eine Suchmaschine. Google ist ein Medienkonzern. Ein Fernsehsender im Netz. Ein Gerätehersteller. Ein Smartphone-Bauer.

Anbieter des erfolgreichsten mobilen Betriebssystems der Welt. Ein Werbenetzwerk und Vermarkter. Autobauer. Hersteller von Smart Home Geräten – selbst in der Medizin und der Genforschung mischt der Konzern mit. Fast überall hat Google heute seine Finger drin. Zumindest in den Bereichen, die finanziell attraktiv erscheinen.

Interessant sind für Google vor allem all jene Bereiche, in denen Daten anfallen. Niemand kann so effizient und effektiv Daten erheben, speichern und auswerten wie Google. Da Daten bekanntlich der Rohstoff des 21. Jahrhunderts sind, macht das Google nicht nur zu einem der wertvollsten, sondern auch zu einem der mächtigsten Konzerne der Welt.

Niemand, wirklich niemand weiß, über welche „Schätze“ Google verfügt, welche Datenberge der Konzern angehäuft hat – und noch anhäufen wird. Und vor allem: Was mit den Daten passiert. Heute. Und in Zukunft. Da Google in nahezu jeden Bereich unseres Lebens vordringt, weiß Google immer mehr über uns. Weil unser Smartphone uns verrät. Und der Browser in unserem Rechner. Der vernetzte Rauchmelder. Das Youtube-Konto. Der Online-Kartendienst. Der Sprachassistent, mit dem wir sprechen, zu Hause oder unterwegs, erst recht. Google ist überall – und oft merken wir es nicht einmal.

Wenn man sich das mal vor Augen führt, bekommt man es mit der Angst zu tun. Die Möglichkeiten scheinen unendlich – und niemand ist da, der den Datenfluss kontrolliert oder reglementiert. Die Daten lagern in den USA und werden womöglich mit den US-Geheimdiensten geteilt, aber wir Europäer haben praktisch keinen Einfluss.

Google hat sich zwar das Motto „Don’t be evil“ verordnet. Tue nichts Böses. Aber das bedeutet rein gar nichts. US-Konzerne machen ihre eigenen Regeln. Und alle müssen oder sollen danach spielen.

Wir können uns freuen, dass es seit 20 Jahren die Suchmaschine Google gibt. Was daraus geworden ist, gibt nicht unbedingt Anlass zur ungeteilten Freude, sondern zur erheblichen Sorge. Wird Zeit, dass wir daraus Konsequenzen ziehen. Wir als Nutzer sollten genauer darauf achten, welche Dienste wir nutzen – und wem wir welche Daten anvertrauen.

Und die Politik, die endlich Schluss damit machen muss, dass Onlinekonzerne nach eigenen Regeln spielen. Wir brauchen mehr Rechte – damit wir endlich selbst bestimmen können, was Onlinekonzerne über uns wissen dürfen und was sie im Zweifel auch wieder vergessen müssen. Also einen Datenschutz, der seinen Namen verdient.