Google hat seinem Chrome-Browser einen eigenen Werbefilter spendiert. Ab Version 64 unterdrückt Chrome besonders lästige Werbeformate – alle anderen lässt er aber durch. Doch sie kommt ein Konzern wie Google dazu, der Milliarden von Dollar mit Werbung verdient, Werbung zu unterdrücken? Die Sache hat – natürlich! – Kalkül.

Im Web ist alles umsonst. Richtig? Falsch: Wir wissen längst, es ist die liebe Werbung, die das Meiste im Netz finanziert. Außer die Onlineinhalte der ÖR: Die sind werbefrei und kostenlos, finanziert durch Ihre Gebühren. Doch ansonsten: Werbung wohin das Auge blickt.

Doch es gibt Unterschiede. Es gibt diskrete Werbung, die lässt man sich noch gefallen. Und es gibt aufdringliche Werbung – die will man am besten sofort los werden. Mit einem Werbefilter wie AdBlock. Doch ausgerechnet Google hat nun in seinem Browser Chrome einen eigenen Werbefilter eingebaut.

Reklame, Reklame, Reklame

Reklame gehört zu unserem Leben dazu. Und an manchen Orten – wie zum Beispiel hier am berühmten Times Square – ist Werbung sogar Kult. Solche Werbung für Angeklickt? Jederzeit gerne, oder? Doch im Web ist Werbung häufig weniger diskret. Ob beim Surfen im Web, beim Videos anschauen oder Spielen: Ständig drängelt sich Werbung in den Vordergrund und nervt.

Googles Web-Browser Chrome will die Werberüpel nun automatisch herausfiltern. Es gibt eine neue Version, für alle Betriebssysteme und Geräte, ob Windows, Mac, Linux, Android oder iOS. Wer bereits die neueste Version im Einsatz hat –Versionsnummer 64 oder größer – kann sich über einen serienmäßig eingebauten Werbefilter freuen.

Eingebauter Werbefilter

Der Werbefilter ist automatisch aktiv. Chrome unterdrückt zwölf besonders nervige Werbeformate. Zum Beispiel PopUp-Werbung. Blinkende Werbung. Oder Videos, die automatisch abspielen, wenn man die Webseite ansteuert. Ebenso Werbung, die man nicht wegklicken kann. Oder Werbung, die das gesamte Display im Smartphone ausfüllt.

Welche Werbung Menschen als lästig empfinden und welche nicht, hat die „Coalition for Better Ads“ herausgefunden. Eine Initiative, der Google, Microsoft, aber auch Washington Post und Axel Springer Verlag angehören. 40.000 Probanden haben Webseiten und Anzeigenformate begutachtet – und verraten, welche Werbeformate sie in Ordnung und welche nervig finden.

Aber ausgerechnet die Onlineausgabe der WELT aus dem Axel Springer Verlag, der zum Better Ads Konsortium gehört, hat auf seiner Webseite nach wie vor automatisch startende Quängelvideos – die von Google Chrome nicht gefiltert werden. Warum? Weil man den Ton abschalten kann – und sich die Webseite das merkt. Zappelnde Bilder hat man aber trotzdem.

Eingebauter Werbefilter

Das zeigt: Google geht es keineswegs um eine werbefreie Onlinewelt, sondern darum, möglichst viele Anzeigen zu verkaufen. Das gelingt am besten, wenn sich die User nicht genervt fühlen. Denn auch das hat man festgestellt: 69% aller User, die den bekannten AdBlocker installieren, haben unmittelbar vorher nervige Werbung gesehen – und haben sich gesagt: „Schluss!“

[02:00] Wer AdBlock installiert, sieht gar keine Werbung mehr. Auf keiner Seite. Das ist natürlich ein Albtraum für Google und alle anderen, die mit Werbung Geld verdienen wollen oder müssen. Deshalb verzichtet Google lieber auf ein paar Werbeformate wie PopUps oder blinkende Werbung – kann aber ansonsten weiter fleißig Werbung verkaufen. Nicht nur auf Google-Seiten, sondern überall im Netz.

Google Chrome ist ein Kompromiss: Besonders nervige Werbung verschwindet, während dezente Werbung weiterhin erscheint. Webseiten müssen so nicht auf Werbeeinnahmen verzichten.

Problematisch ist, dass Google seine Marktmacht ausnutzt und nahezu alleine bestimmt, welche Werbung in Ordnung geht und welche nicht.