Fake: Der Turbo für Postings und Tweets

von | 17.03.2018 | Social Networks

Warum verbreiten sich Fake-News eigentlich so rasant? Weil sie Unterhaltungswert haben – und aufwühlen. Ich will keine Fake-News verbreiten, aber so etwas ähnliches: Was, wenn ich behaupte, ich würde Internetminister unter Donald Trump?

Seit der jüngsten Studie des ehrwürdigen MIT (ich habe hier darüber berichtet) wissen wir: Fake-News verbreiten sich sechs Mal schneller und erreichen bis zu 100 Mal mehr Leser. Ich wollte wissen, ob das stimmt – und habe mir ein Experiment ausgedacht. Ich habe einfach das folgende Foto erstellt (mit ein bisschen Getrickse), das US-Präsident Donald Trump zeigt, wie er mich zum „Secretary of the Internet“ macht, also quasi zum Internet-Minister. Absurd genug, dachte ich, um als Fake-News zu gelten.

Der Effekt ist eingetreten: Rasant verbreitet

Nein, ich möchte den Posten nicht. Nein, ich traue ihn mir auch nicht zu. Aber ich finde den Gedanken witzig: Einfach eine steile Behauptung aufstellen, sogar ein „Dokument“ mitliefern (das Foto) und diese „News“ in die Welt hauen.

So funktionieren Fake-News schließlich. Ich habe die Meldung auf Facebook und Twitter veröffentlicht. Und siehe da: Das Feedback war riesig (für meine Verhältnisse). So viele Kommentare hatte ich selten, so viele Likes und Retweets noch nie, wenn ich mich recht entsinne.

279 Likes, 153 Retweets – enorm. Auf Facebook 189 Likes und 85 Mal geteilt. Mit einem Foto, das nur wenige Minuten Arbeit gekostet hat. Und einer Nachricht, die absoluter Schwachsinn ist. Natürlich: Die meisten wussten, dass ich einen Spaß mache, dass ich ein Experiment durchführe- Schließlich will ich als Journalist keine echten Fake-News in die Welt posaunen.

Aber ich wollte die Hebelwirkung testen: Was ist angesichts der eigenen Reichweite möglich? Und da muss ich sagen: Die Eckwerte der Wissenschaftler stimmen. Die Nachricht hat etwa zehn Mal mehr Menschen erreicht als meinen Nachrichten das sonst gelingt – und das deutlich schneller.

Fake-News verbreiten sich deutlich schneller als andere Nachrichten

Soziale Netzwerke sind schädlich

Welchen Schluss kann man daraus ziehen? Eigentlich nur einen: Sogenannte „Soziale Netzwerke“ sind schädlich für die Gesellschaft. Denn sie beschleunigen – eindrucksvoll belegt! – das Falsche und Unwahre, während sie gleichzeitig das Richtige und Wahre ausbremsen. Die Netzwerke profitieren sogar von Fake-News und der Aufregung darum: Bringt Traffic – und damit Umsatz. Deshalb ist nicht damit zu rechnen, dass sich das jemals fundamental ändert.

 

 

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