Lufthansa und seine Trödel-Währung Miles&More

von | 23.06.2018 | Digital

Wer geschäftlich mal öfter unterwegs ist, bemerkt schnell, wo die Stärken und Schwächen der verschiedenen Reisemittel liegen. Die Bahn bekommt viel Kritik ab – die Lufthansa weniger. Obwohl der erfolgsverwöhnte Carrier eine Menge Mist baut. So war es zum Beispiel für uns Passagiere keine besonders tolle Idee, mit Germanwings und später Eurowings aufzutrumpfen. Heute, 2026, ist das Chaos um die verschiedenen Marken zwar etwas geordneter, aber Eurowings bleibt ein kostenbewusster Ableger mit reduzierten Services.

Das soll heute auch gar nicht Thema sein. Thema soll vielmehr Miles&More sein, das Vielfliegerprogramm von Lufthansa. Das mittlerweile zur Star Alliance gehörende Programm hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt – leider nicht nur zum Guten der Kunden. Während früher noch großzügig Meilen verteilt wurden, ist das System heute deutlich restriktiver geworden.

Eurowings-Flüge werden zwar noch mit Meilen belohnt, aber die Gutschrift-Raten sind weiter gesunken. Und das größte Problem bleibt bestehen: die Bearbeitungszeit. Ich habe in den letzten Jahren mehrere Flüge mit verschiedenen Star Alliance Partnern absolviert. Obwohl bei der Buchung meine Miles&More-Nummer korrekt angegeben wurde, erfolgt längst nicht immer eine automatische Gutschrift. Oft muss man über das Portal oder die Miles&More App nachträglich die Gutschrift einfordern.

Smartphone über den Wolken

Gutschrift dauert immer noch Monate

Das Traurige: Auch 2026 hat sich an den Bearbeitungszeiten kaum etwas geändert. Während Fintech-Apps wie Revolut oder N26 Transaktionen in Echtzeit verarbeiten, braucht Miles&More oft noch Wochen bis Monate für eine simple Meilengutschrift. Bei Partnerflügen mit kleineren Airlines kann es sogar noch länger dauern.

Zum Vergleich: Wenn ich heute mit Uber fahre und per App bezahle, oder bei einem Miles&More Partner wie Shell tanke, sind die Meilen meist innerhalb weniger Stunden auf dem Konto. Fliege ich aber mit der oft überteuerten Lufthansa oder ihren Töchtern, herrscht digitale Steinzeit.

Veraltete IT-Infrastruktur bei einer Tech-Airline?

Ich frage mich in solchen Situationen, was der Grund ist. Schikane? Veraltete Systeme? Dabei rühmt sich Lufthansa gerne mit ihrer digitalen Transformation und KI-Initiativen. Der Konzern investiert Millionen in neue Technologien, automatisierte Check-in-Prozesse und sogar in Blockchain-basierte Lösungen für Frachtlogistik. Aber eine simple Meilengutschrift überfordert das System?

Wir leben 2026 in einer Zeit, in der KI-Systeme komplexe Probleme in Sekunden lösen, wo Kryptowährungen rund um die Uhr global transferiert werden und wo Hochfrequenzhandel in Millisekunden abläuft. Aber die Lufthansa schafft es nicht, ihren Kunden zeitnah ihre verdienten Meilen gutzuschreiben?

Das größere Problem: Vertrauen

Dabei ist Miles&More längst mehr als nur ein Bonusprogramm. Es ist ein wichtiger Kundenbindungsmechanismus und für viele Geschäftsreisende ein entscheidender Faktor bei der Airline-Wahl. Star Alliance Partner wie Singapore Airlines oder Swiss schaffen es teilweise besser, Meilen zeitnah zu verbuchen als die deutsche Muttergesellschaft selbst.

Ich weiß, es gibt wichtigere Themen im Leben. Doch es sind solche vermeintlichen Kleinigkeiten, die Rückschlüsse auf die Unternehmenskultur zulassen. Wenn es einem Konzern wie der Lufthansa nicht möglich ist, solche digitalen Grundlagen zu beherrschen, wie steht es dann um komplexere Systeme? Um Wartungsplanungen, Sicherheitschecks oder Crew-Management?

Die Konkurrenz macht es vor

Interessant ist der Blick auf die Konkurrenz: Emirates Skywards oder British Airways Executive Club schaffen es meist, Meilen binnen weniger Tage zu verbuchen. Selbst kleinere Airlines haben ihre digitalen Hausaufgaben oft besser gemacht als der deutsche Flagcarrier.

Das Problem ist hausgemacht. Miles&More läuft noch immer auf Legacy-Systemen aus den 90er Jahren, die mit modernen APIs und Echtzeit-Datenverarbeitung überfordert sind. Während andere Branchen ihre IT-Infrastruktur längst modernisiert haben, hängt die Airline-Branche oft Jahre hinterher.

Was Kunden tun können

Bis sich etwas ändert, bleibt nur: Belege aufbewahren, regelmäßig das Miles&More Konto checken und bei fehlenden Meilen proaktiv nachfassen. Die Miles&More App wurde zwar überarbeitet, aber die dahinterliegenden Systeme blieben größtenteils unverändert.

Immerhin: Die Meilen verfallen mittlerweile nicht mehr so schnell, und es gibt mehr Einlösemöglichkeiten als früher. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein Milliardenkonzern bei digitalen Basics versagt, die andere längst gelöst haben.

Zuletzt aktualisiert am 09.03.2026