Eigentlich ist Instagram eine Foto-Plattform. Doch immer mehr Jugendliche nutzen den Bilderdienst, um sich über aktuelle Themen auszutauschen. Eine ganz neue Kultur ist  gestartet: Über sogenannte Flop-Accounts werden aktuelle Themen zur Diskussion gestellt. Meist gibt es mehrere Moderatoren.

Facebook? Nur was für alte Leute. Seitdem auch Lehrer, Eltern und Großeltern in Facebook sind, gilt Mark Zuckerbergs Netzwerk nicht mehr unbedingt als „the place to be“. Andere Netzwerke sind populärer. Snapchat natürlich. Aber auch Instagram. Nun kennen wir alle Instagram als Foto-Plattform: Hier sehen wir, wie toll das Leben der anderen ist. Lecker Essen. Schöner Cocktail. Neues Kleid. Städtereise. Wellness. Sowas halt.

Instagram als Infoquelle

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Teens das Instagram-Netzwerk für andere Dinge nutzen – nämlich für Debatten und zum Diskurs? Ich war jedenfalls überrascht, dass immer mehr Jugendliche sich in Instagram über sogenannte Flop-Accounts informieren und schlau machen, etwa hier, hier oder hier. Sie diskutieren hier ernsthaft und intensiv relevante Themen. Und mit relevant meine ich nicht die Features der neuen X-Box, den Geschmack spezieller Colasorten oder die neusten Trick-Filter von Snapchat.

Nein, es sind vor allem ernsthafte Themen wie Waffenkontrolle, Einwanderung, Vergewaltigung, Sex in der Jugend oder Präsident Trump, mit denen sich die User/innen beschäftigen. Aber auch die Ausbrüche von YouTubern, Breaking News oder was im Netz gerade viral geht, wird aufgegriffen. Solche Themen werden in den Flop-Accounts auf Instagram tatsächlich diskutiert. Betreut werden die jeweiligen Flop-Accounts von mehreren Jugendlichen, die ein Auge darauf haben, dass nichts aus dem Ruder läuft.

Flop-Accounts auf Instagram: Moderatoren wählen Themen aus

Treffpunkt: Unter sich bleiben

Es gibt eine Menge guter Gründe, wieso sich die Jugendlichen in Instagram treffen. Dort gibt es – noch – nicht so viele „Trolls“, also Verrückte, die mit ihren verdrehten Kommentaren alles aufmischen, so wie bei Twitter, Facebook oder Reddit längst üblich. Außerdem werden Jugendliche in vielen Foren nicht ernst genommen. Last not least sind viele reguläre Foren überflutet von Nachrichten, die Spam-Bots einspeisen.

Also schaffen sich die Jugendlichen eine eigene Diskussionskultur. Aber wieso „Flop“-Account? Weil es vor allem darum geht, über „Flops“ zu sprechen. Wenn zum Beispiel der Präsident etwas twittert oder sagt, das – sagen wir mal – anfechtbar ist. Oder wenn ein YouTuber sich rassistisch äußert. Oder überhaupt alles, was Jugendliche als unangemessen oder falsch empfinden (könnten) – und in den traditionellen Medien nicht auftaucht. So was landet in Flop-Accounts – als Text, mit Fotos, Videos, Screenshots oder Links.