Dass Google den Standort seiner Nutzer kennt, dürfte auf der Hand liegen. Doch die Realität ist noch drastischer: Google und andere Tech-Giganten erfassen und speichern eure Standortdaten selbst dann, wenn ihr den „Standortverlauf“ explizit abgeschaltet habt. 2026 ist diese Praxis noch perfider geworden – und betrifft längst nicht nur Android-Nutzer.
Wir alle haben unser Smartphone fast immer mit dabei. Nicht wenige Kritiker nennen das Smartphone auch „Überwachungsapparat“ oder „Abhörwanze“, weil das Smartphone nicht nur zu jeder Zeit den aktuellen Standort kennt, sondern auch den großen Onlinediensten Google, Apple, Meta oder TikTok mitteilt. Die können präzise Bewegungsprofile erstellen.
Sie wissen besser als wir selbst, wann wir wo waren – und wie lange. Und mit wem. Besonders wissgebierig in dieser Hinsicht ist nach wie vor Google. Denn selbst, wenn Android-Benutzer den „Standortverlauf“ in ihrem Handy deaktivieren, also eigentlich die Überwachung abschalten, bleibt Google genau im Bild, wo die User sind. Das belegen nicht nur ältere Studien, sondern auch aktuelle Untersuchungen von 2025.

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Google merkt sich ständig den Standort – trotz EU-Regulierung
Trotz Digital Services Act (DSA) und verschärfter DSGVO-Durchsetzung speichert Google weiterhin massenhaft Standortdaten. In den Nutzungsbedingungen von Google ist zwar erwähnt, dass der Aufenthaltsort ausgewertet wird – wer nach Pizzarestaurants sucht, profitiert davon, da dann Restaurants aus der näheren Umgebung gezeigt werden. Was den meisten jedoch nicht bewusst ist: Android-Smartphones übertragen praktisch ununterbrochen den Aufenthaltsort an die Google-Zentrale.
Wer mag, kann nachschauen, wo er vor zwei Jahren Silvester verbracht hat, wo Ostereier gesucht wurden und wie lange er in welchen Shops gewesen ist. Wird alles getrackt – und lässt sich im Google-Standortverlauf anschauen. Praktisch, wenn man wissen möchte, wo man sein Auto geparkt hat.
Doch was die meisten eher nicht vermuten: Wer den „Standortverlauf“ als Option deaktiviert, geht wohl davon aus, dass keine Bewegungsdaten mehr gespeichert und ausgewertet werden. Doch das ist ein Trugschluss. Google bekommt nach wie vor jede Menge Daten über euren Aufenthaltsort.

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Tracking auch ohne Standortverlauf – jetzt noch raffinierter
Ihr schaltet das Standort-Tracking ab – und Google weiß trotzdem, wo ihr seid oder wart? Wie das?
2026 ist das System noch ausgefeilter geworden: Sobald eine Google-Funktion genutzt wird – etwa Google Maps, Google-Suche, Google Assistant, Bard (Googles KI-Assistent), die Kamera-App mit Google Lens oder auch nur ein Video auf YouTube angeschaut wird – erhält Google neben vielen anderen Informationen automatisch auch den aktuellen Standort.
Neu dazugekommen sind auch indirekte Methoden: Google analysiert WLAN-Netzwerke in der Umgebung, Bluetooth-Beacons in Geschäften und sogar die Signalstärke zu Mobilfunkmasten. Selbst wenn GPS abgeschaltet ist, kann Google euren ungefähren Standort ermitteln.
Das könnt ihr euch sogar selbst im Google-Dashboard anschauen – dort seht ihr, nach welchen Begriffen ihr gesucht habt oder welche Videos gestartet wurden, mit genauen Angaben, WO dieser Dienst genutzt wurde. Wer regelmäßig Google-Dienste nutzt, bewusst oder unbewusst, versorgt Google auf diese Weise mit reichlich Daten.

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Nicht nur Android-Nutzer betroffen – Problem hat sich ausgeweitet
Android-Nutzer sind nach wie vor am stärksten betroffen, da Android von Google kommt und alle Google-Dienste hier tief im Betriebssystem verankert sind. Das sind mittlerweile über 2,5 Milliarden Menschen weltweit. Doch auch iPhone-Nutzer sind längst nicht sicher.
Sobald ihr Google-Dienste auf dem iPhone nutzt – Google-Suche, Chrome-Browser, Google Maps, YouTube oder Gmail – liefert ihr Standortdaten an Google. Selbst Safari-Nutzer sind betroffen, wenn sie Google als Standardsuchmaschine verwenden.
Besonders kritisch: Viele Apps von Drittanbietern nutzen Google-Services im Hintergrund – Google Analytics, Google Firebase oder Google Maps APIs. Dadurch werden Standortdaten übertragen, ohne dass ihr es merkt.

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So schaltet ihr das Tracking wirklich ab – Update 2026
Es reicht definitiv nicht, nur den „Standortverlauf“ abzuschalten. Das verhindert lediglich, dass ihr selbst sehen könnt, wann ihr wo gewesen seid. Wer wirklich verhindern möchte, dass Google die Standortdaten verarbeitet, muss mehrere Einstellungen ändern:
Bei Google:
1. Geht zu Google-Konto > Daten und Datenschutz > Web- und App-Aktivitäten – dort deaktivieren
2. Standortverlauf komplett ausschalten
3. Werbeanzeigen-Personalisierung deaktivieren
4. In der Google Maps App > Einstellungen > Persönliche Inhalte alle Optionen ausschalten
Bei Android zusätzlich:
– Einstellungen > Standort > Erweitert > Google-Standortgenauigkeit ausschalten
– Google Play Services > Berechtigungen überprüfen
Bereits gesammelte Daten löschen:
Ruft „Meine Aktivitäten“ auf und klickt links auf „Aktivitäten löschen nach“. Ihr könnt auch automatische Löschung nach 3, 18 oder 36 Monaten einstellen.
Die anderen Datensammler: Meta, Apple, TikTok und Co.
2026 sammeln mehr Anbieter denn je Standortdaten. Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp) ist nach wie vor besonders aufdringlich. TikTok hat sich als neuer Großsammler etabliert – besonders bei jüngeren Nutzern.
Apple vermarktet sich als datenschutzfreundlich, sammelt aber ebenfalls massenhaft Standortdaten über Apple Maps, Siri, den App Store und iCloud. Microsoft tut dies über Bing, LinkedIn und Windows-Telemetrie.
Besonders perfide: Viele dieser Dienste teilen Standortdaten untereinander oder verkaufen sie an Datenbroker. Ein komplettes Bewegungsprofil entsteht so aus vielen Quellen.
Warum Standortdaten so wertvoll sind
Standortdaten gelten als das „neue Öl“ der Datenökonomie. Sie verraten nicht nur, wo ihr seid, sondern auch:
– Eure Interessen und Hobbys (Fitnessstudio, Restaurants, Geschäfte)
– Euren Wohlstand (teure vs. günstige Gegenden)
– Gesundheitszustand (Arztbesuche, Apotheken)
– Politische Einstellung (Wahlkampfveranstaltungen, Demos)
– Soziale Kontakte (wer sich gleichzeitig am selben Ort aufhält)
Diese Informationen sind für Werbetreibende, Versicherungen und sogar Geheimdienste extrem wertvoll. Ein einziger Standortdatensatz kann für mehrere Cent verkauft werden – bei Millionen Nutzern ein Milliardengeschäft.
Der Schutz eurer Standortdaten ist deshalb nicht nur eine Frage der Privatsphäre, sondern auch des Geldbeutels – schließlich profitiert ihr nicht von diesem lukrativen Handel mit euren Daten.
Zuletzt aktualisiert am 08.03.2026
