Die Bundesnetzagentur ist dafür verantwortlich, die Spielregeln für das neue Mobilfunknetz 5G zu definieren. Ob 98% oder 99% der Haushalte mit 5G versorgt sein müssen, ob Bahnstrecken mit 5G versorgt werden und vieles andere mehr. Während wir heute, 2026, bereits mitten im 5G-Ausbau stecken, zeigt sich: Deutschland hinkt weiterhin hinterher. Vor allem auf dem Land bleibt die Versorgung löchrig.
Wie sieht die ideale Welt aus? Die Antwort auf diese Frage fällt unterschiedlich aus – und hängt von den jeweiligen Bedürfnissen und Interessen ab.
Beispiel: 5G. Das Mobilfunknetz der fünften Generation ist längst da, aber noch immer nicht dort angekommen, wo es hingehört. Die meisten sagen, wir brauchen es unbedingt – für autonomes Fahren, Industrie 4.0, Smart Cities und das Internet der Dinge. Inzwischen wissen wir: Das stimmt auch. Aber wenn man davon ausgeht, lautet die entscheidende Frage: Warum klappt es in Deutschland so schleppend?
Wir Nutzer wollen natürlich ein 5G-Netz mit Gigabit-Geschwindigkeit, lückenloser Netzabdeckung und zu bezahlbaren Tarifen. Während in Südkorea bereits über 90% der Bevölkerung echtes 5G nutzen, dümpelt Deutschland bei gerade mal 60% Abdeckung herum.

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Möglichst wenig Geld für viel Tempo – oder umgekehrt?
Die Netzbetreiber hingegen wollen meiner Meinung nach das genaue Gegenteil: Möglichst geringe Netzabdeckung, denn das verursacht nur Kosten. Telekom, Vodafone und O2 haben zwar Milliarden in die 5G-Frequenzen investiert, aber beim tatsächlichen Ausbau wird gespart, wo es nur geht.
Dabei sind die Ausreden inzwischen kreativ geworden: Mal sind es Lieferengpässe bei 5G-Komponenten, mal fehlen Fachkräfte für den Aufbau, dann wieder blockieren Bürgerproteste neue Sendemasten. Die Wahrheit ist simpler: Echtes 5G mit Millimeter-Wellen braucht deutlich mehr Sendestationen als 4G. Das kostet Geld – viel Geld.
Und natürlich wollen die Provider maximale Erträge. 5G-Tarife kosten oft das Doppelte von LTE-Tarifen, obwohl vielerorts noch das alte 4G-Netz zum Einsatz kommt, nur mit 5G-Label versehen. Dieses „5G Non-Standalone“ ist Marketing-Etikettenschwindel.
Hmm… Wer könnte das Dilemma auflösen? Die Politik vielleicht? Inzwischen ist das Digitalministerium zwar da, aber die Kompetenzen bleiben zwischen Wirtschafts-, Verkehrs- und Digitalressort aufgeteilt. Deshalb wird hier mal was angekündigt, da mal was versprochen. Aber einen konkreten Plan, eine Vision, ein messbares Ziel für flächendeckendes 5G – daran mangelt es weiterhin.
Was andere Länder richtig machen
Schaut man nach Asien, wird der deutsche Schlendrian noch deutlicher. China hat bereits über eine Million 5G-Basisstationen installiert, Südkorea bietet echtes 5G in jeder größeren Stadt. Selbst die USA, traditionell kein Vorbild für Infrastruktur, sind beim 5G-Ausbau schneller als Deutschland.
Der Unterschied? Klare staatliche Vorgaben, massive Investitionen in die Infrastruktur und weniger Rücksicht auf die Gewinnmargen der Telekom-Konzerne. In Deutschland hingegen wird jeder neue Sendemast zum Politikum, jede Frequenzversteigerung zur endlosen Verhandlungsorgie.
Endlich mal durchgreifen – aber richtig
Inzwischen sind die ursprünglichen Ausbauverpflichtungen teilweise erfüllt – zumindest auf dem Papier. 98% Haushaltsabdeckung klingt toll, bedeutet aber in der Praxis: Die Funklöcher sind dort, wo wenige Menschen wohnen. Also genau dort, wo 5G für autonome Landmaschinen, Smart Farming oder Telemedizin besonders wichtig wäre.
Die Bahn hat zwar inzwischen auf vielen ICE-Strecken 5G, aber wer mit dem Regionalzug durchs Allgäu fährt, surft weiterhin im digitalen Mittelalter. Autobahnen sind theoretisch zu 90% mit 5G versorgt – praktisch brechen die Verbindungen alle paar Kilometer ab, weil zwischen den Providern nicht nahtlos gewechselt wird.
Was so erschreckend ist: In der Politik wird immer noch von „Digitalisierung“ gesprochen, als wäre das ein fernes Zukunftsprojekt. Dabei entscheidet sich gerade jetzt, ob Deutschland den Anschluss an die digitale Weltspitze behält oder endgültig abgehängt wird.
China plant bereits 6G-Netze für 2030, während wir noch darüber diskutieren, ob jedes Dorf 5G braucht. Die Antwort ist eindeutig: Ja, braucht es. Ohne flächendeckendes 5G gibt es keine echte Digitalisierung, keine Industrie 4.0 und keine Chancengleichheit zwischen Stadt und Land.
Es ist Zeit für klare Ansagen statt politischer Nebelkerzen. Deutschland kann sich keine weitere verlorene Dekade beim Mobilfunk leisten.
Zuletzt aktualisiert am 07.03.2026
