Derzeit wird heftig darüber diskutiert, ob man Huawei als Ausstatter für das 5G-Netzwerk zulassen möchte. Die Bedenken sind berechtigt und begründet – allerdings wären dieselben Bedenken auch anderswo angebracht.

Es wird gerade intensiv diskutiert, ob man einem chinesischen Hersteller wie Huawei vertrauen kann – oder besser: ob man es will. Demnächst fällt der Startschuss für den Aufbau des 5G-Netzwerks. Telekom, Vodafone und Telefónica installieren keine eigene Technik, sondern greifen auf Technologie von weltweit operierenden Unternehmen zurück, die Telekommunikationsanlagen bauen: Siemens, Ericsson, Nokia. Und eben seit neuestem Huawei.

Es drohen Blockade oder Spionage

Ein normaler Vorgang in einer Welt der offenen Handelsschranken? Es stellen sich mehrere Fragen: Ist überhaupt sichergestellt, dass solche Anlagen und Bauteile in Zukunft gewartet werden können? Was zum Beispiel, wenn es zum Handelsstreit mit China kommt?

Oder zu einem Handelsboykott? Wer weiß so etwas schon in diesen Zeiten. Was passiert, wenn China keine Bauteile mehr liefert oder nicht mehr liefern darf? Wer auf Huawei setzt, macht sich abhängig.

Der andere Aspekt, der deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommt: Wer sich chinesische Technologie in die Netzwerke holt, geht das Risiko der Spionage ein. Natürlich müssten die Betreiber der Mobilnetze dafür sorgen, mögliche Abhörversuche und vor allem das Ausliefern von Informationen von erspionierten Daten nach China zu erkennen. Das bedeutet einen deutlich höheren Aufwand. Das macht das Risiko der Spionage allerdings nur kleiner und senkt es nicht auf Null.

Die Russen fürchten und die USA gewähren lassen

Gleichzeitig vertrauen wir dem Abhörweltmeister USA aber blind. Der bereits einige Jahre zurückliegende NSA-Skandal zeigt es ja: US-Geheimdienste kennen kein Pardon. Sie nutzen jedes Leck, jede Infrastruktur, um zu bekommen, was sie wollen.

Sie sind Teil unserer Netzwerke und missbrauchen diese Möglichkeit. Was unternehmen wir dagegen? Nichts. Die Bundesregierung hat sich die NSA-Schnüffeleien weitestgehend gefallen lassen. Und wir alle beliefern eifrig US-Dienste mit unseren Daten.

Die Software von Kaspersky wiederum steht unter Generalverdacht, für die Russen zu spionieren – wofür es keine Belege gibt. Doch die Software fliegt trotzdem aus vielen Unternehmen und Amtsstuben in den USA. Die einen dürfen spionieren, den anderen unterstellt man es einfach und werden bestraft.