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Smartphone-Hersteller pfeifen auf Nachhaltigkeit

01.03.2019 | Von Jörg Schieb

Hardware

Wenn wir ein neues Smartphone kaufen, erfreuen wir uns in der Regel vor allem an den schönen Dingen: Design, Display, Kamera, Funktionen… Aber wir machen uns kaum oder gar keine Gedanken, welche Ressourcen in dem Gerät stecken. Das wird zunehmend ein Problem: Nachhaltigkeit ist in der Branche nämlich ein Fremdwort.

Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona zeigt es eindrucksvoll: Die Hersteller überschlagen sich mit Ideen für neue Modelle – vor allem im oberen Preisspektrum. Klar. Keine Idee scheint zu aberwitzig: Klappbare Handys, knickbare Displays, Smartphones mit fünf(!) eingebauten Kameras oder extrabreite Handys, damit man sich Kinofilme auch unterwegs anschauen kann.

Mit irgendeinem Trick bekommt man doch jeden geködert, oder? Wichtigstes Ziel: Möglichst viele Menschen zum Kauf eines Zweit-Handys zu animieren – oder dazu, den alten Knochen, der nach 10 Monaten doch wirklich die besten Tage gesehen hat, möglichst rasch zu ersetzen. Begehrlichkeiten verführen zum Kauf.

125 Millionen Altgeräte in Deutschland

Doch der mittlerweile aberwitzige Smartphone-Konsum (man kann es nicht anders nennen) hat seinen Preis. Vor allem für die Umwelt. Sie leidet, wenn wir neue Smartphones kaufen.

Allein in Deutschland gehen 24 Millionen Geräte pro Jahr über die Ladentheke. Mit jeder Menge (für uns unsichtbaren, aber für den Betrieb dringend benötigte) Edelmetallen im Inneren – und giftigen Werkstoffen, die sich nur schwer entsorgen lassen.

Doch darüber macht sich kaum jemand Gedanken. Nur das Fairphone achtet konsequent auf Nachhaltigkeit. Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass 125 Millionen Altgeräte in den Haushalten rumfliegen.

Das sind mal eben locker vier Tonnen Gold, 38 Tonnen Silber und mehr als 2.000 Tonnen Kupfer. Die lagern in Schubladen! Doch intelligente Systeme zur Wiederverwertung älterer Geräte gibt es nicht. Auch keine überzeugenden Recycling-Systeme. Eine aktuelle Studie belegt eindrucksvoll, dass in der IT-Wirtschaft insgesamt viel zu wenig für die Nachhaltigkeit getan wird.

 

Umweltministerin soll sich stärker engagieren

Man kann jetzt auf die Verbraucher schimpfen, die ständig nach neuen Geräten gieren. OK. Aber eine viel gößere Verantwortung haben Hersteller und Politik.

Die Deutsche Umwelthilfe fordert unsere Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf, endlich aktiv zu werden. Etwa, indem Systeme steuerlich gefördert werden, die eine Wiederverwertung, Rücknahme und ein Recycling ermöglichen. Altgeräte sollten länger genutzt werden – wirklich nicht mehr verwendbare verlässlich recycelt.

Vor allem aber sollten die Hersteller dafür sorgen, dass sich defekte Geräte kostengünstig reparieren lassen. Akkus sollte man austauschen können. Könnte man für selbstverständlich halten – ist es aber nicht, wie wir alle aus leidvoller Erfahrung wissen. Reparaturen kosten in der Regel ein kleines Vermögen – wenn sie überhaupt möglich sind.




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