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Handy-Pfand: 50 Euro für mehr Nachhaltigkeit bei Smartphones

von | 12.03.2019 | Hardware

Wenn wir alle paar Monate unsere Smartphones durch neue Modelle ersetzen, agieren wir nicht gerade umweltfreundlich. Die Hersteller legen leider auch keinen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit. Dabei gibt es kluge Vorschläge, wie sich das ändern ließe. Eine dieser Ideen: Ein Handy-Pfand. Damit Altgeräte fachgerecht entsorgt werden – eine Forderung, die 2026 aktueller denn je ist.

Die Zahlen sind noch immer erschreckend: Deutsche lagern mittlerweile über 200 Millionen Alt-Handys in ihren Schubladen – Tendenz steigend. Das sind inzwischen acht Tonnen Gold, 76 Tonnen Silber und 4.000 Tonnen Kupfer. Allein in Deutschland. Diese Zahlen haben sich seit 2019 praktisch verdoppelt, obwohl das Bewusstsein für Nachhaltigkeit eigentlich gestiegen ist.

Wer die Kommunikation im Netz als „sauber“ bezeichnet und sich über Menschen lustig macht, die Papier bevorzugen, übersieht wesentliche Probleme. Dabei gibt es durchaus gute Lösungsansätze: Smartphones von Herstellern, die nicht so gedankenlos mit unseren Ressourcen umgehen, etwa das Fairphone 5 oder die neuesten Shift-Modelle. Doch diese Geräte verkaufen sich immer noch viel zu wenig. Weil sie gegen die PR-Macht der Großen einfach nicht ankommen.

Bru-nO / Pixabay

EU-Richtlinien zeigen erste Wirkung

Immerhin: Die EU-Richtlinie für einheitliche Ladekabel zeigt seit 2024 erste positive Effekte. USB-C ist jetzt Standard, das reduziert zumindest den Zubehör-Müll. Auch bei den Software-Updates hat sich einiges getan: Apple gewährt inzwischen sechs Jahre Support, Google sogar sieben Jahre für seine Pixel-Geräte. Samsung zieht mit ähnlichen Versprechen nach.

Aber das reicht noch lange nicht. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert weiterhin den sorglosen Umgang mit unseren endlichen Ressourcen und die dramatische Trägheit in der Politik. Noch immer fehlen konkrete Maßnahmen für eine echte Kreislaufwirtschaft bei Elektronikgeräten.

Right to Repair wird Realität

Positiv entwickelt hat sich das Thema Reparaturrecht: Seit 2025 müssen Hersteller in der EU Ersatzteile für mindestens zehn Jahre vorhalten und kostenlose Reparaturanleitungen bereitstellen. Apple hat daraufhin sein Self Service Repair-Programm auch in Deutschland gestartet, auch Samsung und andere Hersteller ziehen nach.

Trotzdem bleiben viele Smartphones schwer reparierbar. Der Akkutausch ist zwar einfacher geworden – dank neuer EU-Vorgaben müssen Akkus ab 2027 wieder leicht wechselbar sein. Aber andere Reparaturen bleiben teuer und aufwendig.

Handy-Pfand: 50 Euro pro Gerät?

Die Idee eines Handy-Pfands gewinnt auch 2026 weiter an Fahrt. Umweltexperten diskutieren inzwischen über 50 Euro pro Gerät – deutlich mehr als die ursprünglich vorgeschlagenen 30 Euro. Österreich testet bereits ein ähnliches System und verzeichnet eine Rücklaufquote von über 80 Prozent.

Das Prinzip ist simpel: Beim Kauf eines neuen Smartphones zahlt ihr 50 Euro Pfand. Das Geld bekommt ihr zurück, wenn ihr das Gerät später fachgerecht abgebt – egal ob zur Reparatur, zum Weiterverkauf oder zur Verwertung. Die Hersteller wären dann verpflichtet, die Geräte zurückzunehmen und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.

Refurbished-Markt boomt endlich

Ein Lichtblick: Der Markt für refurbished Smartphones wächst endlich spürbar. 2025 wurden in Deutschland erstmals über drei Millionen generalüberholte Geräte verkauft – ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Anbieter wie rebuy, refurbed oder BackMarket profitieren vom gestiegenen Umweltbewusstsein und der Inflation.

Viele dieser Geräte sind praktisch neuwertig und kosten nur die Hälfte. Trotzdem greifen die meisten noch immer zum Neugerät. Hier könnte ein Pfandsystem tatsächlich helfen: Wer sein altes Handy abgibt, bekommt nicht nur das Pfand zurück, sondern oft auch noch einen Bonus für den Kauf eines refurbished Geräts.

Was können wir heute schon tun?

Ihr müsst nicht auf die Politik warten. Nutzt euer Smartphone länger – drei bis vier Jahre sind problemlos möglich, wenn ihr es pfleglich behandelt. Kauft refurbished statt neu. Und gebt alte Geräte ab: Bei Elektrohändlern, Mobilfunkshops oder Sammelstellen.

Viele Anbieter zahlen sogar noch Geld für funktionierende Altgeräte. Apple gibt für ein iPhone 12 in gutem Zustand noch 200 Euro Trade-In-Bonus, Samsung hat ähnliche Programme. Defekte Geräte nehmen sie trotzdem kostenlos zurück.

Die Technologie für nachhaltigere Smartphones existiert längst. Modulare Designs wie beim Fairphone 5 zeigen, dass Reparatur und Upgrade möglich sind. Bessere Materialien reduzieren den Ressourcenverbrauch. Und längere Software-Unterstützung macht Geräte zukunftssicher.

Es fehlt nur der politische Wille für verbindliche Regeln. Ein Handy-Pfand wäre ein wichtiger Schritt – aber nur einer von vielen nötigen Maßnahmen für wirklich nachhaltige Mobilgeräte.

Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026

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