Warum gehen wir eigentlich davon aus, dass die Cloud immer funktioniert? Die Abhängigkeit von den großen Cloud.Diensten ist im Grunde unverantwortlich.

Und er läuft und läuft und läuft… Hat man früher über den Käfer von Volkswagen gesagt. Heute denken das viele vom Internet: Es ist immer da. Rund um die Uhr. Kaum jemand kommt auf die Idee, dass es mal „weg“ sein könnte. Kurzfristig. Oder immer. Einfach so. Die Sonne geht ja schließlich auch jeden Morgen wieder auf, oder?

Katastrophe, wenn IT-Dienste ausfallen

Was aber passiert, wenn diese unumstößliche Gewissheit dann doch mal einen Dämpfer verpasst bekommt, sehen wir, wenn mal wieder ein Dienst ausfällt. Kommt immer wieder mal vor: Facebook down. WhatsApp down. Twitter down. Oder – wie jetzt am Sonntag: Da waren erhebliche Teile der Google-Cloud down. YouTube, Google Mail und Google Drive waren über lange Zeit schlicht nicht erreichbar.

Klar, kann passieren. Das Problem ist aber die enorme Abhängigkeit – von einigen wenigen. Die Big Player im Markt sind Google, Amazon und Microsoft. Sie betreiben den größten Teil der Cloud in der Welt. Mit gigantischen Netzwerken und Rechenzentren, die überall auf der Welt stehen. Doch im Zweifel hilft das nicht: Ist irgendwo der Wurm drin, dann laufen oft gleich mehrere Rechenzentren nicht. Alle, die sich auf die Cloud verlassen, hängen am Fliegenfänger.

Über Dezentralisierung nachdenken

Es ist schon absurd: Eigentlich war eine der wichtigsten Eigenschaften des Internets, als es – für das Militär! – „gebaut“ wurde, die Ausfallsicherheit. Fällt eine Strecke aus, dann suchen sich die Datenpakete eigenständig einen anderen Weg. Doch die heutige IT-Realität stellt die Sache auf den Kopf: Da wir fast alles bei Google, Amazon, Microsoft und Facebook speichern – teilweise ohne es zu wissen –, führen Ausfälle bei diesen Playern zu erheblichen Störungen.

Wir in Europa müssen uns fragen, ob wir das dauerhaft erdulden wollen. Denn derart abhängig zu sein – ausschließlich von US-Unternehmen –, ist ein riesiges Problem. Was, wenn ein US-Präsident mal beschließen sollte, alle Daten der Welt in Geiselhaft zu nehmen? Wir wären schlagartig lahmgelegt.

Erst recht, weil nicht nur Rechner und Smartphones mit der Cloud verbunden sind, sondern auch immer mehr Geräte (Internet of Things).

Es ist also dringend erforderlich, sich Gedanken über Dezentralisierung zu machen. Für Daten, die in europäischen Rechenzentren gespeichert sind, sollte es eine Verfügbarkeitsgarantie geben. Eine vollständige Entkopplung von den Zentralen in den USA ist erforderlich.

So funktioniert die Cloud: Jederzeit alles verfügbar – theoretisch