Die ZEIT: Eine Qualitäts-Zeitung. Auch und besonders online. Das Onlineportal der ZEIT bietet hochwertige Inhalte, kritischen Journalismus, lesenswerte Artikel. Doch nun das: ZEIT.de hat den Big Brother Award bekommen. Einen Negativ-Preis für datenschutzfeindliche Angebote und Dienste. Der Preis wird heute Abend offiziell in Bielefeld vom Verein Digitalcourate vergeben. Aber warum? Weil ZEIT.de seine Leser an Facebook ausliefere, heißt es.

Der Verein Digitalcourage kritisiert gleich mehrere Dinge. Einmal würde die Webseite ZEIT.de Werbung ausliefern, die mit Werbetrackern arbeitet. Außerdem ist die Webseite mit einem Facebook Pixel ausgestattet. Und dann wirft Digitalcourage der ZEIT auch noch die Nutzung von Google-Diensten bei dem Online-Projekt „Deutschland spricht“ vor.

Ein mit dem Grimme Online Award 2018 ausgezeichnetes Projekt, eine Plattform „für politische Zwiegespräche“. Konkreter Vorwurf: Durch Facebook-Pixel und Werbetracker würden die Nutzer der Nachrichtenseite für Facebook und andere trackbar – und damit ausspioniert. Die ZEIT antwortet auf diesen Vorwurf so.

Was macht ein Facebook Pixel?

Es ist so: Wer Apps betreibt oder Webseiten, der kann eine kleine Minidatei in sein Angebot einbauen, ein unsichtbares „Pixel“, das mit Facebook verbunden ist. Facebook bekommt so mit, auf welchen Webseiten ein Facebook-Nutzer sich so aufhält. Die ZEIT wüsste also, dass ich mal auf der Webseite der ZEIT war – sogar genau, wann. Und könnte mich mit Werbung auf Facebook oder Instagram auf die ZEIT verweisen: WEIL sie weiß, dass ich schon mal da war und Interesse hatte.

Eine sehr beliebte Methode, um Werbung zu machen. Das Problem ist aber: Facebook bekommt durch das Facebook-Pixel mit, dass ich auf der Seite war. Wenn das nun alle machen, also alle Anbieter von redaktionellen Seiten, dann bekommt Facebook ein scharfes Profil: Aha, der Schieb geht zu dieser Webseite, aber nicht zu dieser, interessiert sich für Radsport, aber nicht für Fußball… Alles andere als diskret.

83% der Nachrichtenseiten tracken

Leider ist es eine weit verbreitete Art, seine Leser an sich zu binden.

Fast jeder ist heute auf Facebook vertreten – trotz aller Kritik. Denn hier sind die Leute, und die möchte man „abholen“. Experten von onlinejournalismus.de haben 130 große Nachrichtenportale aus Deutschland untersucht. Portale von großen Zeitungen, von Allgäuer Zeitung bis WAZ.

Und siehe da: 83% aller Nachrichtenportale liefern ihre Leser auf diese Weise an Facebook aus. Ohne dass diese das wissen. Zwar wird meist in den Nutzungsbedingungen darauf hingewiesen – aber die Tragweite ist den meisten Usern nicht bekannt. Außerdem ist es ohnehin rechtlich fraglich, ob diese Methode des Trackins gestattet ist.

Und die Öffentlich-rechtlichen Sender?

Die öffentlich-rechtlichen Sind sind durch die Bank weg „clean“, nehmen die Datenschutz wirklich sehr ernst. Aber man muss natürlich fairerweise sagen: Die Infoportale der Verlage sind auf Traffic und Werbeanzeigen angewiesen, da die Inhalte ja kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

In dem Moment, in dem Werbung eingebunden wird – meist über Agenturen -, landen auch Tracker auf der Webseite. Da ÖR-Angebote keine Werbung haben, fällt schon mal ein großer Problembereich weg.

Aber auch die anderen könnten ohne. Der Heise-Verlag zum Beispiel achtet schon lange darauf, dass auch Facebook- oder Twitter-Buttons nur eingeblendet werden – und so auch Daten an die Dienste übertragen werden -, wenn die User zugestimmt haben. Und sie können trotzdem Werbung präsentieren. Das sollten sich die anderen vielleicht zum Vorbild nehmen.

Wie umgehen mit Trackern?

Werbefinanzierte Seiten sind auf Werbung angewiesen – und auf persönliche Bedürfnisse zugeschnittene Werbung bringt mehr Umsatz. So etwas komplett zu verbieten ist daher nicht unproblematisch. Der Gesetzgeber könnte aber zum Beispiel verlangen, dass Daten nur eine bestimmte Zeit gespeichert werden dürfen – und dass Nutzer das Recht bekommen, auf Löschen der Daten zu bestehen.