Die Studie eines auf Suchmaschinenoptimierung (SEO) spezialisierten Unternehmens aus Bonn fördert erstaunliche Ergebnisse zutage: Nur für einen verschwindend geringen Teil an Keywords, die mit journalistischem Content zusammenhängen, wird Geld bezahlt. Bedeutet: Google könnte mühelos auf die Indexierung von redaktionellen Inhalten verzichten.

Die äußerst umstrittene EU-Urheberrechtsreform hat uns nicht nur das Risiko für die Einführung von Upload-Filtern gebracht, sondern auch das Leistungsschutzrecht (LSR) für ganz Europa – obwohl ähnliche Vorschriften in Deutschland und Spanien effektlos sind, jedenfalls den Verlagen keinen Umsatz gebracht haben.

Der Wunsch der LSR-Lobby: Suchmaschinen wie Google sollen dafür bezahlen, wenn sie Headlines und Kurz-Teaser (Snippets) in den Suchergebnissen präsentieren. Dieser eher absurde Gedanke wurde vom EU-Parlament bekanntlich vor kurzem auf den Weg gebracht. Das Argument, dass Google mit den Inhalten der Verlage Geld verdiene, gebetsmühlenartig wiederholt.

Journalistische Inhalte spielen fast keine Rolle

Doch wie relevant sind journalistische Inhalte überhaupt für Google? Wenn die Menschen wahnsinnig häufig nach journalistischen Inhalten suchen, dann profitiert Google natürlich davon, wenn viele Treffer zu Angeboten von Verlagen führen. Weil sie dann die Suchmaschine öfter nutzen und weil sie auf Anzeigen klicken (nicht auf Google News, da gibt es keine Anzeigen).

Doch ob hier überhaupt relevante Umsätze entstehen, ist schwierig zu sagen – denn eigentlich kann nur Google wissen, nach welchen Begriffen gesucht wird, welche angeklickt werden, was die User so beschäftigt und welche Umsätze daraus entstehen.

Eine Ausnahme bildet der auf Suchmaschinenoptimierung spezialisierte Anbieter Sistrix aus Bonn. Sixtrix beobachtet ganz genau, welche Suchbegriffe eingetippt werden, welche Keywords (Schlüsselwörter) zum Einsatz kommen, wie populär Webseiten sind, wie oft Menschen dort landen – und besonders wichtig: Was ein Anzeigenkunde zahlen muss, um bei einem Suchbegriff in der Trefferliste aufzutauchen. Nur damit verdient Google Geld.

Die unabhängigen Experten von Sistrix haben herausgefunden: Journalistische Inhalte sind für Google in der Regel irrelevant. Demnach verweisen 7,89 Prozent aller Suchtreffer auf journalistische Domains, 4,65 Prozent der Suchbegriffe sind journalistisch – aber nur 0,25 Prozent der kommerziellen Suchbegriffe sind journalistisch geprägt.

Google könnte auf Inhalte komplett verzichten

Das bedeutet: Nur bei einer von 400 Suchanfragen geht es um journalistischen Content – wo dann eine bezahlte Anzeige auftauchen könnte.

Würde Google einen Hebel umlegen und alle journalistischen Inhalte aus seinem Such-Index verbergen, würde dem Unternehmen praktisch kein Umsatz verloren gehen. 99,75 Prozent der bezahlten Keywords (also bezahlten Anzeigen) haben nichts mit journalistischen Inhalten zu tun.

Der Wirbel, der um das Leistungsschutzrecht gemacht wurde, und der Ärger, der dadurch entsteht, sind durch rein gar nichts zu rechtfertigen. Jeder Verlag, überhaupt jeder Anbieter im Web ist froh über „Traffic“ von den Suchmaschinen. Den gibt es kostenlos. Und Google kann sehr gut ohne diese Angebote leben.

Das Leistungsschutzrecht: völlig überflüssig.