Nach EuGH-Urteil: Wie sich Like-Buttons verändert haben

von | 30.07.2019 | Social Networks

Wir nehmen sie kaum noch wahr, weil sie praktisch überall zu sehen sind: „Like“-Buttons von Facebook, damit Besucher ihre Zustimmung signalisieren können. Das Problem: Bei vielen dieser Buttons fließen Daten an Meta (ehemals Facebook) – unbemerkt. Selbst wer nicht bei Facebook registiert ist, kann auf diese Weise von Meta beobachtet werden. Webseitenbetreiber tragen eine Mitverantwortung dafür, hat der EuGH bereits 2019 entschieden – mit Folgen bis heute.

Das wegweisende EuGH-Urteil von 2019 hat das Internet nachhaltig verändert. Damals musste Meta (noch Facebook) bereits Milliarden-Strafen zahlen und sah sich mit der gescheiterten Libra-Kryptowährung konfrontiert. Heute, im Jahr 2026, sind die Auswirkungen deutlich sichtbar: Die digitale Landschaft ist datenschutzfreundlicher geworden.

Der Europäische Gerichtshof hatte klar entschieden: Wer als Webseitenbetreiber einen „Like“-Button auf seiner Webseite integriert, trägt eine Mitverantwortung dafür, dass Daten an den Konzern fließen – selbst wenn gar kein Button angeklickt wird. Diese Entscheidung war ein Wendepunkt für das gesamte Web.

Webseitenbetreiber müssen umsichtiger sein!

Die Folgen sind heute, 2026, deutlich spürbar: Immer mehr Webseitenbetreiber haben sich gegen direkt eingebettete Social-Media-Buttons entschieden. Stattdessen setzen sie auf datenschutzkonforme Lösungen. Das Standard-Vorgehen auf modernen Webseiten: Erst wenn User aktiv die Social-Media-Buttons aktivieren – und damit dem Datenabfluss zu Meta, X (ehemals Twitter) und Co. zustimmen – erscheinen die eigentlichen Funktionen.

Wer heute einen „Like“ spenden will, muss in der Regel zwei Mal klicken. Zuerst die Zustimmung zur Datenübertragung, dann erst der eigentliche Like. Diese Praxis hat sich als goldener Standard etabliert und wird von den meisten Usern mittlerweile akzeptiert.

Die Entwicklung seit 2019: Was hat sich getan?

In den vergangenen Jahren hat sich die Landschaft dramatisch gewandelt. Die DSGVO wurde verschärft, der Digital Services Act (DSA) und der Digital Markets Act (DMA) sind in Kraft getreten. Meta musste sein Geschäftsmodell grundlegend überdenken und bietet mittlerweile kostenpflichtige, werbefreie Versionen seiner Dienste an.

Viele Website-Betreiber nutzen heute Consent-Management-Plattformen (CMPs), die automatisch prüfen, welche Tracking-Technologien aktiv sind. Tools wie Cookiebot, OneTrust oder deutsche Anbieter wie Usercentrics sind zum Standard geworden. Sie sorgen dafür, dass Social-Media-Plugins erst nach expliziter Zustimmung geladen werden.

Meta wollte Regeln: Bitte sehr!

Meta-CEO Mark Zuckerberg hatte sich 2019 noch klare Regulierungen gewünscht – und sie bekommen. Allerdings anders als erhofft. Die Regulierung ist schärfer ausgefallen als vom Konzern erwartet. Das bedeutet deutlich weniger Daten für das Unternehmen und weniger präzise Profile. Das kostete Meta bereits Milliarden an Werbeeinnahmen.

Die direkt bei Meta-Diensten erhobenen Daten bleiben davon unberührt. Es geht um die bis 2019 übliche Praxis, dass sich Meta auch dann mit Daten über User versorgen ließ, wenn diese gar nicht aktiv Meta-Dienste nutzten. Diese Dauerüberwachung gehört der Vergangenheit an.

Aktuelle Entwicklungen: KI und Datenschutz

Mit dem Aufkommen von KI-Systemen wie ChatGPT, Claude und Metas eigener Llama-Familie sind neue Datenschutz-Herausforderungen entstanden. Die EU arbeitet bereits am AI Act 2.0, der noch schärfere Regeln für das Training von KI-Modellen mit persönlichen Daten vorsieht.

Viele Unternehmen setzen mittlerweile auf „Privacy by Design“ – Datenschutz wird von Anfang an mitgedacht. Social-Media-Buttons werden durch datenschutzfreundliche Alternativen ersetzt: Share-Links ohne Tracking, lokale Share-Funktionen oder einfache URL-Kopierer.

Was bedeutet das für euch als User?

Ihr habt heute mehr Kontrolle über eure Daten als je zuvor. Jeder Klick auf einen Social-Media-Button erfolgt bewusst. Das mag manchmal lästig erscheinen, schützt aber eure Privatsphäre erheblich. Browser wie Firefox, Safari und sogar Chrome haben ihre Anti-Tracking-Funktionen massiv ausgebaut.

Die Cookie-Banner sind zwar geblieben, aber intelligenter geworden. Moderne CMPs merken sich eure Entscheidungen und fragen nicht bei jedem Besuch neu. Das macht das Surfen angenehmer, ohne die Datenschutz-Standards zu verwässern.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Die Entwicklung geht weiter in Richtung mehr Datenschutz und User-Kontrolle. Apple und Google arbeiten an neuen Standards für werbebasierte Geschäftsmodelle ohne invasive Tracking-Methoden. Die „Topics API“ von Google und Apples „Privacy-first Advertising“ sollen zeigen, dass personalisierte Werbung auch ohne umfassendes User-Tracking funktioniert.

Meta hat mittlerweile reagiert und bietet erweiterte Privacy-Einstellungen. Der Konzern experimentiert mit lokaler Datenverarbeitung und „Federated Learning“ – KI-Training ohne zentrale Datensammlung. Ob das ausreicht, um das Vertrauen der User zurückzugewinnen, bleibt abzuwarten.

Das EuGH-Urteil von 2019 war nur der Anfang einer Entwicklung, die das Internet nachhaltiger und nutzerfreundlicher gemacht hat. Auch wenn manche den zusätzlichen Klick für lästig halten: Eure Privatsphäre ist es wert.

Zuletzt aktualisiert am 04.03.2026