Smartphone? Da denken die meisten an iPhone oder Galaxy, an Hersteller wie Apple, Samsung oder Google. Dabei gibt es einen Hersteller, dem Nachhaltigkeit, Umweltschutz und faire Bezahlung aller Mitarbeiter in der Entstehungskette wichtig ist: Fairphone. Warum nur sind die Geräte des niederländischen Herstellers nicht längst ein Kassenschlager – in diesen Zeiten?
Das aktuelle Fairphone 5 ist da – und mit ihm das bewährte Konzept in verbesserter Form. „Ein Smartphone, das sich traut fair zu sein“, bleibt der Slogan des niederländischen Unternehmens. Eine äußerst kluge Bemerkung. Denn es ist wirklich mutig, ein Fairphone auf den Markt zu bringen. Ein Smartphone, das nicht in erster Linie auf Schick, Style, Funktionen und Coolness achtet, sondern darauf, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten, die herstellenden Mitarbeiter fair zu bezahlen und auf Nachhaltigkeit zu achten.
Denn: Leider interessiert das immer noch viel zu wenige.
Jedes Smartphone ist eine Belastung
Jedes gekaufte Smartphone ist eine enorme Belastung für die Umwelt. Es sind teure, weil seltene Edelmetalle und Rohstoffe verbaut. Die Materialien müssen aus aller Welt zusammengetragen und verbunden werden. Meist in Asien. Von da aus gehen die Geräte dann wieder in die ganze Welt. Um nach spätestens drei Jahren als unschick und antiquiert zu gelten. Ersatz muss her – und das „Alt“-Gerät wird entsorgt. Meist leider nicht fachgerecht.
Der CO2-Fußabdruck eines durchschnittlichen Smartphones beträgt etwa 70-90 Kilogramm – mehr als der eines Flugs von München nach Rom. Dazu kommt: Weltweit werden jährlich über 1,4 Milliarden Smartphones verkauft. Das sind Dimensionen, die sich kaum jemand vorstellen kann.
Eigentlich müsste doch jeder, der Umwelt- und Klimaschutz ernst nimmt, die Anschaffung eines Fairphone erwägen. Denn die verwendeten Materialien werden vergleichsweise fair auf dem Weltmarkt beschafft. Zinn und Wolfram kommen aus konfliktfreiem Abbau. Zu fairen Preisen. Noch wichtiger: Das Gerät lässt sich komplett in seine Einzelteile zerlegen. Theoretisch kann es jeder selbst reparieren. Es gibt sogar detaillierte Reparaturanleitungen und Ersatzteile direkt vom Hersteller. So halten die Geräte länger, können länger genutzt werden.

Lieber schick als gut für Umwelt und Gewissen?
Alles extrem wichtige Punkte – und im Fairphone vorbildlich umgesetzt. Das aktuelle Fairphone 5 hat sogar deutlich aufgeholt: Die Kamera macht richtig gute Fotos, der Prozessor ist flott genug für alle Alltagsaufgaben, und das Design ist erwachsener geworden. 90 Prozent der verbauten Materialien sind recycelt oder fair gehandelt. Das Gerät bekommt garantiert acht Jahre lang Software-Updates – Apple und Samsung bieten meist nur fünf bis sieben Jahre.
Aber: Es gibt nur wenige Modelle zur Auswahl (schont die Umwelt). Updates kommen nur alle drei bis vier Jahre (schont die Umwelt). Und obwohl die Kamera deutlich besser geworden ist, erreicht sie nicht ganz das Niveau der Flaggschiffe von Apple, Google oder Samsung. Sprich: Die anderen Marken gelten immer noch als „cooler“ als das Fairphone.
Deshalb sieht man auch 2026 praktisch nie jemanden mit einem Fairphone herumlaufen. Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass das Fairphone ein Verkaufsschlager wäre und andere Geräte vom Markt verdrängt. Das Fairphone bleibt ein Nischenprodukt für eine wachsende, aber kleine Community von Nachhaltigkeits-bewussten Nutzern.
Nachhaltigkeit als Marketingphrase
Dabei hat sich in den letzten Jahren viel getan. Andere Hersteller haben das Thema Nachhaltigkeit entdeckt – allerdings meist nur oberflächlich. Apple wirbt mit „carbon neutral“, Samsung mit Recycling-Programmen, Google mit erneuerbaren Energien in der Produktion. Aber am grundlegenden Problem ändern diese Marketing-Maßnahmen wenig: Die Geräte sollen weiterhin alle zwei bis drei Jahre ersetzt werden, Reparaturen sind teuer und kompliziert, und die Lieferketten bleiben intransparent.
Fairphone geht den umgekehrten Weg: Weniger Modelle, längere Nutzung, komplette Transparenz. Das Unternehmen veröffentlicht sogar, wie viel die Arbeiter in der Fabrik verdienen und welche sozialen Projekte unterstützt werden. So etwas macht kein anderer Smartphone-Hersteller.
Warum der Durchbruch ausbleibt
Trotzdem bleibt der große Durchbruch aus. Die Gründe sind vielfältig: Das Fairphone kostet etwa so viel wie ein Mittelklasse-Smartphone der großen Hersteller, bietet aber nicht ganz deren Performance. Für viele ist das Smartphone ein Statussymbol – und da zählt eben doch die Marke auf der Rückseite. Und schließlich: Nachhaltiger Konsum bedeutet oft Verzicht auf das neueste und beste. Das fällt schwer.
Dabei wäre gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wandel. Die EU arbeitet an einem „Recht auf Reparatur“ für Elektronik. In Frankreich gibt es bereits einen „Reparierbarkeits-Index“ für Smartphones. Und immer mehr Menschen machen sich Gedanken über ihren ökologischen Fußabdruck.
Vielleicht braucht es einfach noch etwas Zeit. Oder einen großen Hersteller, der das Fairphone-Konzept übernimmt und mit seinen Ressourcen zum Massenphänomen macht. Bis dahin bleibt das Fairphone das Gewissen der Smartphone-Branche – leider oft ungehört.
Zuletzt aktualisiert am 03.03.2026