Wir leben in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Klimaschutz gesellschaftliche Prioritäten geworden sind. Trotzdem scheint die Tech-Branche weiterhin auf das altbekannte Modell der Wegwerfgesellschaft zu setzen. Alle paar Monate kommen neue Handymodelle auf den Markt – und die Hersteller suggerieren uns, dass wir unsere funktionsfähigen Geräte durch die neuesten Modelle ersetzen sollen. Wann findet endlich das längst überfällige Umdenken statt?
Die Diskrepanz zwischen Klimabewusstsein und Konsumverhalten ist nirgends so deutlich wie bei Smartphones. Wie kommt es, dass nachhaltig gebaute Geräte wie das Fairphone trotz wachsender Umweltbewegungen nicht die Bestseller sind?
Das neueste iPhone 16 Pro wirbt mit KI-Features und Titangehäuse – dem Fairphone 5 liegt weiterhin ein Schraubenzieher bei. Denn jeder kann sein Fairphone selbst reparieren, wenn er möchte. Fairphone liefert Ersatzteile zu fairen Preisen und bietet sogar erweiterte Garantien an. Das Display kaputt? Akku schwächelt? Kein Problem – innerhalb weniger Minuten ist das Gerät wieder einsatzbereit. Beim iPhone geht das nach wie vor nicht ohne Weiteres.
Inzwischen haben sich weitere Player etabliert: Das deutsche Shift-Handy setzt ebenfalls auf Modularität, und auch die Nothing-Phones werben mit reparierbarer Bauweise. Sogar Framework hat mit modularen Laptops gezeigt, dass nachhaltiges Design auch bei leistungsstarken Geräten funktioniert. Die Technik ist mittlerweile durchaus konkurrenzfähig – doch es fehlt noch immer der Coolness-Faktor der großen Marken.

Die etablierten Hersteller haben zwar in den letzten Jahren ihre Nachhaltigkeitsversprechen verstärkt – Apple wirbt mit CO2-Neutralität bis 2030, Samsung mit recycelten Materialien – doch am Grundproblem der geplanten Obsoleszenz hat sich wenig geändert. Software-Updates werden nach wenigen Jahren eingestellt, Akkus bleiben fest verbaut, und Reparaturen sind bewusst erschwert oder überteuert.
Dabei zeigt die Entwicklung bei Fairphone und anderen nachhaltigen Herstellern: Es geht definitiv anders. Die große Leistung dieser Unternehmen ist der Beweis, dass umweltverträgliche Herstellung und langlebige, reparierbare Geräte technisch und wirtschaftlich machbar sind.
Right to Repair wird Realität
Immerhin: Das „Recht auf Reparatur“ ist inzwischen mehr als nur eine Forderung von Umweltverbänden. Die EU hat 2024 weitreichende Gesetze verabschiedet, die Hersteller zur Bereitstellung von Ersatzteilen und Reparaturanleitungen verpflichten. Smartphones, Tablets und Laptops müssen künftig mindestens sieben Jahre lang reparierbar bleiben.
Die Auswirkungen sind bereits spürbar: Selbst Apple bietet inzwischen ein Self-Service-Reparaturprogramm an, und unabhängige Werkstätten erhalten Zugang zu Originalteilen. Google hat mit dem Pixel-Reparaturservice nachgezogen, und Samsung kooperiert mit iFixit für Heimreparaturen.
Techniksoziologe Felix Sühlmann-Faul sieht das als ersten Schritt: „Die gesetzlichen Vorgaben zeigen Wirkung, aber es braucht mehr finanzielle Anreize.“ Tatsächlich diskutiert die Politik über reduzierte Mehrwertsteuer auf Reparaturen – in Österreich ist das bereits Realität.

Die Akku-Revolution
Besonders kritisch bleiben die Lithium-Ionen-Akkus in unseren Geräten. Der Rohstoffabbau für Kobalt und Lithium verursacht massive Umweltschäden, und die unsachgemäße Entsorgung alter Akkus belastet die Umwelt zusätzlich.
Hier tut sich jedoch einiges: Neue Solid-State-Batterien versprechen längere Lebensdauer und weniger problematische Materialien. Startups wie Northvolt entwickeln Akkus aus recycelten Materialien. Und tatsächlich gibt es inzwischen in Deutschland ein Pfandsystem für E-Bike-Akkus – 25 Euro Pfand, die bei ordnungsgemäßer Rückgabe erstattet werden.
Die Diskussion um Handy-Pfand ist wieder aktuell geworden: 50 Euro Pfand pro Gerät könnten die Rücklaufquote deutlich erhöhen. Pilotprojekte in skandinavischen Ländern zeigen vielversprechende Ergebnisse.
Verbraucher als Schlüssel
Letztendlich liegt der Schlüssel aber bei uns Verbrauchern. Solange das neueste iPhone-Modell wichtiger ist als die Lebensdauer des aktuellen Geräts, werden sich die Hersteller nicht grundlegend ändern. Die gute Nachricht: Das Bewusstsein wächst. Especially Gen Z kauft bewusster ein und nutzt Geräte länger.
Refurbished-Geräte boomen – Anbieter wie refurbed oder Back Market verzeichnen zweistellige Wachstumsraten. Und selbst in den App-Stores finden sich inzwischen Apps, die beim nachhaltigen Geräte-Management helfen.
Die Techwerfgesellschaft bröckelt also – langsam, aber stetig. Die Frage ist nur: Schaffen wir das Umdenken schnell genug, um den ökologischen Kollaps noch abzuwenden? Die technischen Lösungen sind da. Jetzt braucht es nur noch den gesellschaftlichen Willen, sie auch zu nutzen.
Zuletzt aktualisiert am 03.03.2026





