Jeff Bezos – immerhin reichster Mann der Erde – spendet 10 Mrd Dollar aus seinem Privatvermögen für Klimaschutz. Das wirkt edel und ist definitiv besser als alle jene Unternehmen, die rein gar nichts unternehmen. Aber: Es ist auch ein Etikettenschwindel.

Der Nachricht können wir gerade nicht entgehen: “Amazon-Chef Jeff Bezos will 10 Milliarden für Kampf gegen Klima-Wandel spenden”, ist überall zu lesen. Der reichste Mann der Welt macht es dem ehemals reichsten Mann der Welt nach und spendet einen Teil seines Vermögens für einen guten Zweck. 10 Milliarden – Wow, das klingt für die meisten von uns nach einer Menge Geld. Aber ist es das auch? Nein.

Die Kollegen vom Handelsblatt haben sich sogar die Mühe gemacht auszurechnen, wie lange ein/e Durchschnittsverdiener/in arbeiten müsste, um 10 Milliarden Dollar zu verdienen: rund 280.000 Jahre. Wenn man so etwas liest, ist man – als gewöhnlicher und einfacher Mensch, der wir nun mal sind – geneigt, beeindruckt zu sein. Den Fehler sollten wir aber nicht machen.

Bezos und das Zehnt

Alles knallhartes Kalkül. Das mit den 10% ist vermutlich kein Zufall. Schon im alten Testament wird berichtet, dass ein Zehntel einer Kriegsbeute abgabepflichtig sei. Der berühmte “Zehnte” also. Später hat sich auch die Kirche ein Zehntel Abgaben bei allen geholt. Ein Zehntel als Abgabe hat also Tradition. Nach dem Motto: Danach ist aber alles gut. Schuldigkeit getan.

Jeff Bezos Vermögen beläuft sich auf 103 Milliarden Dollar. Er “spendet” also rund 10% seines Vermögens. Das ist bestenfalls schön. Aber ganz sicher nicht respektabel. Denn es tut ihm nicht weh. Es ist ihm völlig schnurz. Er bemerkt es nicht einmal. Aber er will als “Big Spender” dastehen. Als ein Mann, der Gutes tut.

Lange Liste von Sünden

Natürlich will er nicht wirklich was Gutes tun. Jeff Bezos wäre nicht Jeff Bezos, wenn er ein guter Mensch wäre. Der Psychologe und letztlich auch der gesunde Menschenverstand weiß: Bezos denkt auch hier nur an sich. Ich denke: Er will sich von seiner Schuld reinwaschen. Denn selbst so einem wie Jeff Bezos ist doch insgeheim klar, dass er die Welt in Verderben stürzt mit seinem Konzern. Die Liste der Sünden ist lang:

  • Explosion des Online-Handels mit bekannten Folgen für Klima und Umwelt
  • Potenzierung des Konsums an sich – mit den bekannten Folgen für Klima und Umwelt
  • Expansion des Cloud-Geschäfts – mit den bekannten Folgen für Klima und Umwelt
  • Vernichtung von Arbeitsplätzen im Einzelhandel weltweit
  • Zerstörung ganzer Branchen, etwa den unabhängigen Buchhandel
  • Hunderttausende Mitarbeiter in prekärer Beschäftigung
  • Steuerflucht und Steuervermeidung (nicht illegal, aber unmoralisch)
  • und vieles mehr

Mir ist bewusst: Das werden viele nicht gelten lassen. Sie sehen Bezos als den Heilsbringer, weil er viele innovative Ideen entwickelt hat und ungeheuer erfolgreich ist. Das ist wahr. Verantwortlich für die Folgen ist er dennoch – und nicht die Menschen, die bei ihm bestellen. Denn er allein hat das alles aufgebaut und nichts gegen die möglichen Folgen unternommen. Einzig und allein zu seinem eigenen Vorteil.

Jetzt um die Ecke zu kommen und einen winzigen Teil seines Vermögens zu “spenden” ist daher ein Witz. Nüchtern betrachtet wird das nicht mal reichen, um die durch ihn verursachten Klimaschäden zu beseitigen.

Es dient eben nur dem einen Zweck: Jeff Bezos will gut dastehen. Sich gut fühlen. Vermutlich sogar gefeiert werden. Diesen Gefallen werde ich ihm nicht tun.

Jeff Bezos Konzern ist Weltmeister beim ungenierten Datensammeln