WarnApp

Seit Dienstag ist sie also die, die Corona-Warn-App von RKI und Gesundheitsministerium. Lange wurde gestritten, lange wurde gerungen – aber mit der vorgelegten Lösung scheinen nun doch die meisten irgendwie einverstanden. Wir wollen hier und heute morgen eine erste kleine Zwischenbilanz ziehen: Sie gut hat der Start geklappt, ist alles reibungslos gelaufen oder gab es Startschwierigkeiten – und wenn ja: Welche?

In Berlin dürften die Sektkorken knallen: Die Download-Zahlen der Corona Warn App sind überraschend gut. Nach drei Tagen bereits 9,6 Millionen Downloads in den App-Stores von Android und Apple. Das hat wirklich kaum jemand erwartet.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Je mehr Menschen während Corona die App benutzen, desto besser – und desto effektiver. Das liegt auf der Hand. Je mehr Menschen mitmachen und melden, dass sie infiziert sind, desto mehr Personen erfahren davon – und können feststellen, ob sie einer infizierten Person mit App begegnet sind.

Laut einer aktuellen Studie aus Oxford reichen schon 15% der Bevölkerung, um einen ganz wesentlichen Effekt zu erzielen: Je zwei App-Anwendern lässt sich dann statistisch eine Neuinfektion vermeiden. Die häufig kolportierten 60%, die die App benutzen müssen, ist so nicht richtig: Diese Zahl, ebenfalls aus Oxford,  bezieht sich auf eine Situation, in der keine anderen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zum Einsatz kommen. Die haben wir aber, durch Lockdown, Masken, Kontakteinschränkungen. Wir sind also schon bei den 15% der erwachsenen Bevölkerung – es sieht gut aus. Die App wird wirken, wie es aussieht.

Welche Probleme sind beim oder nach dem Start aufgetreten?
Es gibt durchaus technische Hürden, die App zu installieren. Nicht, dass es schwierig wäre – man muss sich auch nicht registrieren. Aber Menschen, die ein eher älteres Modell in der Hosen- oder Handtasche haben, können die App gar nicht laden. Älter als etwa 5 Jahre sollte das Smartphone nicht sein. Bei Apple muss es wenigstens ein iPhone 6S sein, in der Android-Welt ein Gerät, das auch nicht älter als 5 Jahre ist und das neue Android 6 laden kann.

Allerdings hat das technische Gründe: Apple und Google sind dafür verantwortlich. Sie setzen eine gewisse Technik voraus, damit die Abstandsmessung per Bluetooth zuverlässig funktioniert und wenig Akku kostet – und das geht erst ab einer gewissen Hardwaregeneration.

Es gibt aber auch merkwürdige Meldungen, mit denen keiner was anfangen kann!?

Das ist in der Tat ein unerwartetes Problem: Mitunter erscheinen dubiose Meldungen auf dem Display, vor allem auf iPhone, man halte sich angeblich in einer Region auf, die nicht unterstützt wird. Das ist aber ein Bug in iOS, dem Betriebssystem von Apple. Das muss Apple korrigieren. Die Meldung selbst kann man getrost ignorieren.

Unschön auch, dass Infizierte oft eine Hotline anrufen müssen, um sich einen Freischaltcode zu holen, weil sehr viele Gesundheitsämter und Labore noch nicht ausgestattet sind, den Bürgerinnen und Bürgern den Code selbst zur Verfügung zu stellen.

Die App wurde ja auf ungewöhnliche Art entwickelt: Behörden und Institutionen arbeiten zusammen mit privaten Anbietern wie Telekom oder SAP – und das alles auf der Bühne der Öffentlichkeit. Ein Erfolgsmodell?
In der Tat wurde diesmal ein ungewöhnlicher Weg gewählt: Das Projekt, auch die Art und Weise, wie es umgesetzt werden soll, wurde öffentlich debattiert – und es hat sich dadurch enorm verändert. Der Quellcode ist öffentlich einsehbar und zugänglich, OpenSource. 60.000 Expert:innen haben reingeschaut.

Es wurden viele Verbesserungsvorschläge gemacht und auch umgesetzt. Am Ende war sogar der CCC zufrieden – was ein kleines Wunder ist. Ja, das könnte durchaus ein Modell für die Zukunft sein: Transparenz bei der Entwicklung. Das fördert die Akzeptanz und Glaubwürdigkeit.

Ein Blick auf die Hochrisikogruppe – die Älteren. Bleiben die nicht außen vor, weil viele kein aktuelles Gerät haben und deswegen die App nicht nutzen können?
Das ist richtig – und ein ernsthaftes Dilemma. Wer die App nicht nutzt, kann auch nicht gewarnt werden, wenn er/sie Kontakt mit einer infizierten Person hatte. Dieses Problem hätte sich aber nur mit deutlich mehr Zeitaufwand lösen lassen – wenn überhaupt. Dann hätte man parallel noch auf andere Weise die Kontaktverfolgung realisieren müssen. Mir würde spontan keine Lösung einfallen.