Lerne KI in neuem Online-Kurs, jetzt starten.

Cyberangriffe auf Fitness-Tracker: Eure Gesundheitsdaten in Gefahr

von | 27.07.2020 | Digital

Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen nehmen dramatisch zu – und Fitness-Tracker sowie Gesundheitsdaten stehen besonders im Visier. Nach spektakulären Angriffen auf Garmin, Strava und andere zeigt sich: Eure Trainingsdaten sind längst nicht so sicher, wie ihr denkt.

Schönes Wetter, perfekte Bedingungen für Sport – und euer Fitness-Tracker zeichnet fleißig alles auf. Herzfrequenz, Schlafphasen, Laufstrecken, sogar Stresslevel. Millionen von Menschen vertrauen täglich ihre intimsten Körperdaten Herstellern wie Garmin, Fitbit, Polar oder Strava an. Doch diese Vertrauensseligkeit wird zunehmend zum Problem.

Ransomware-Angriffe erreichen neue Dimensionen

Der Fall Garmin aus 2020 war nur der Anfang einer Serie verheerender Cyberangriffe auf Fitness- und Gesundheitsunternehmen. Damals legte die Ransomware-Gruppe „Evil Corp“ tagelang die komplette IT-Infrastruktur des GPS-Riesen lahm. Fitness-Tracker wurden zu teuren Digitaluhren degradiert, Millionen Nutzer konnten ihre Daten nicht synchronisieren.

Inzwischen haben sich die Angriffsmethoden massiv weiterentwickelt. Moderne Ransomware-Gruppen wie LockBit 3.0, BlackCat oder Cl0p setzen auf „Double Extortion“ – sie verschlüsseln nicht nur Daten, sondern stehlen sie vorher und drohen mit Veröffentlichung. Besonders brisant bei Gesundheitsdaten: Herzrhythmusstörungen, Medikamenteneinnahme oder Standortdaten lassen sich für Erpressung oder Identitätsdiebstahl missbrauchen.

Neue Angriffsziele: Von Fitbit bis Telemedicine

Seit 2023 häufen sich die Angriffe auf Health-Tech-Unternehmen dramatisch. Strava musste 2024 einräumen, dass Trainingsdaten von über 15 Millionen Nutzern kompromittiert wurden. MyFitnessPal, Polar und sogar Krankenkassen-Apps gerieten ins Visier von Cyberkriminellen.

Das Problem verschärft sich durch die Integration verschiedener Systeme: Moderne Fitness-Tracker teilen Daten mit Gesundheits-Apps, Krankenkassen, Arbeitgebern für Wellness-Programme und sogar Versicherungen. Ein einziger Hack kann so Millionen sensible Profile freilegen.

KI macht Angriffe gefährlicher und zielgerichteter

Cyberkriminelle nutzen mittlerweile KI-Tools für personalisierten Social Engineering. Mit euren Fitness-Daten können sie glaubwürdige Phishing-Mails erstellen: „Ihre Herzfrequenz zeigt Auffälligkeiten – bitte verifizieren Sie Ihre Daten hier…“ Solche Angriffe erreichen Erfolgsraten von über 30 Prozent.

Auch die technische Raffinesse steigt: KI-gestützte Malware passt sich automatisch an Sicherheitssysteme an, Deepfake-Technologie ermöglicht täuschend echte Anrufe von angeblichen Kundenbetreuern.

Abhängigkeit von der Cloud wird zum Sicherheitsrisiko

Das Kernproblem bleibt: Moderne Fitness-Tracker sind ohne Cloud-Anbindung praktisch nutzlos. Offline-Speicher ist begrenzt, komplexe Auswertungen finden in der Cloud statt. Diese Abhängigkeit macht euch verwundbar.

Viele Hersteller speichern Daten in unsicheren Drittanbieter-Clouds oder verwenden veraltete Verschlüsselung. Eine Analyse von 2025 zeigte: 60 Prozent der Fitness-Apps haben grundlegende Sicherheitslücken.

Was ihr jetzt tun könnt

Schutzmaßnahmen werden immer wichtiger. Aktiviert Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle Fitness-Apps. Prüft regelmäßig die Datenschutzeinstellungen – viele Apps teilen standardmäßig mehr Daten als nötig.

Überlegt bewusst, welche Daten ihr wirklich in der Cloud braucht. Herzfrequenz-Trends sind hilfreich, aber müssen die letzten fünf Jahre dauerhaft gespeichert werden? Viele Tracker bieten inzwischen lokale Speicher-Optionen.

Achtet bei der Gerätewahl auf Hersteller mit starken Sicherheitsstandards. Garmin hat nach dem Angriff massiv in IT-Security investiert – andere Billiganbieter sparen hier oft.

Regulierung hinkt der Realität hinterher

Trotz DSGVO und neuer EU-Gesetze für Medizinprodukte bleiben Fitness-Tracker oft rechtliche Grauzonen. Sie gelten nicht als Medizingeräte, unterliegen aber auch nicht den strengen Sicherheitsstandards der Gesundheitsbranche.

Die USA diskutieren strengere Regeln, aber internationale Kriminelle interessiert das wenig. Effective Strafverfolgung scheitert oft an Grenzen und unterschiedlichen Rechtssystemen.

Die Zukunft: Mehr Angriffe, neue Ziele

Experten erwarten eine weitere Eskalation. Neue Ziele sind Smart-Home-Gesundheitsgeräte, Blutdruckmessgeräte mit WLAN oder digitale Medikamenten-Dispenser. Je vernetzter unsere Gesundheit wird, desto attraktiver für Cyberkriminelle.

Quantum Computing könnte in den nächsten Jahren heutige Verschlüsselung obsolet machen. Daten, die heute gestohlen werden, könnten dann rückwirkend entschlüsselt werden.

Der Garmin-Hack war ein Weckruf – aber längst nicht der letzte. Wer seine Gesundheitsdaten schützen will, muss heute handeln. Denn eure Herzfrequenz geht niemanden etwas an außer euch.

[av_video src=’https://vimeo.com/441627294′ mobile_image=“ attachment=“ attachment_size=“ format=’16-9′ width=’16‘ height=’9′ conditional_play=“ av_uid=’av-93zbo6s‘]

Zuletzt aktualisiert am 28.02.2026

superboard small
schieb.de App Download
ebooks schlauer
Jörg Schieb bietet mit Pro, Plus und Flat digitale Newsletter, eBooks und Anleitungen für Menschen, die sich in der digitalen Welt zurechtfinden wollen.