Wer sich auf Spiele am Bildschirm oder Display einlässt, macht früher oder später die Bekanntschaft mit Lootboxen. Oft sind es kleine Geschenke in Spielen, die den Spieler weitebringen. Doch häufig können die Spieler diese virtuellen Kisten auch kaufen – ohne zu wissen, was sie konkret bekommen. Eine Art Überraschunbgs-Ei – allerdings deutlich teurer.

Games sind für viele eine wunderbare Freizeitbeschäftigung – aber zweifellos auch ein riesiges Geschäft. Allein in Deutschland setzt die Branche jedes Jahr sechs Milliarden Euro um – nur mit den Spielen selbst. Was für Hardware etc. ausgegeben wird, kommt noch dazu. Sechs Milliarden Euro – das ist sechs Mal so viel, wie zum Beispiel 2019 an den Kinokassen verdient wurde. Das macht schon deutlich, wie groß diese Branche mittlerweile ist.

Lootboxen ziehen Spielefans unentwegt Geld aus der Tasche

Auf der Gamescom, die vor wenigen Tagen diesmal ausschließlich online stattgefunden hat, gab es wieder viele neue Titel und Spiele zu sehen. Von einer unliebsamen Masche will sich die Branche aber nicht so wirklich verabschieden, obwohl viele Gamer sie nicht mögen: Geld verdienen mit Lootboxen. Lootboxen sind virtuelle “Beutekisten”, die Spieler in Games für gute Leistungen bekommen. Inhalt: Virtuelle Gegenstände wie Waffen, Westen oder besondere Spielstärken.

Seit etlichen Jahren gibt es diese Lootboxen aber nicht nur als Belohnung, man kann sie auch kaufen. Hier mal ein paar Euro, da mal ein paar Euro – das kann sich schnell summieren. 1Live-Spielereporterin Sarah Buric erzählt mir im Gespräch (siehe Video), dass ohne Weiteres mehrere hundert Euro im Monat zusammenkommen können. Ein Mehrfaches dessen, was ein Spiel kostet.

Eine Form von Glücksspiel

Unter anderem kommt deshalb so viel Geld zusammen, weil viele Spieler schnell die Kontrolle über ihre Ausgaben verlieren – da echtes Geld in virtuelle Währungen getauscht werden muss. Die meisten angeblich kostenlosen Games finanzieren sich auf diese Weise. Aber es gibt auch teure Luxus-Games wie der Fußball-Simulator Fifa, der mit Lootboxen aufwartet: Die Spieler können versuchen, hochwertige virtuelle Fußballer zu bekommen – wissen aber nicht, wen sie kriegen, wenn sie bezahlen.

Reine Glückssache also. Trotzdem hat die USK (Unterhaltungs-Software Selbstkontrolle) die neueste Version von FIFA21 mit der Einstufung “Ab 0 Jahre” versehen. Das findet nicht nur Sarah empörend und eine völlig falsche Entscheidung, ich auch. Der auf Digitalthemen spezialisierte Fachanwalt Michael Terhaag hält viele Formen der heute üblichen Lootboxen für “juristisch äußerst bedenklich”.

Verbot: Vor allem Kinder und Jugendliche schützen

Es ist völlig unverantwortlich, Kindern und Jugendlichen Geld aus der Tasche zu ziehen – oder sie nur an Glücksspiel-Mechanismen zu gewöhnen. Ganz schlimm ist es bei Coinmaster, das gnadenlos Kinder abgezockt hat – und mittlerweile offiziell ab 18 Jahren ist.

Aber wieso überhaupt solche Mechanismen zulassen? In Belgien sind Lootboxen seit 2019 konsequent verboten. Das scheint mir eine kluge Entscheidung zu sein. Wenn die Game-Entwickler etwas zum Kauf anbieten wollen, sollen sie genau sagen, was man dafür bekommt – und Kinder und Jugendliche schonen.