CoinMaster: Einstiegsdroge für Jung und Alt

von | 26.08.2019 | Digital

In der Welt der Game-Apps gibt es mittlerweile ein breites Angebot an Spielen – das zeigen auch große Gaming-Events wie die Gamescom immer wieder. Aber viele Spiele sind bedenklich, einige sogar gefährlich. Ein Paradebeispiel dafür ist CoinMaster. Das Game funktioniert im Prinzip wie ein Spielcasino – und spricht leider auch viele Kinder und Jugendliche an.

Kinder und Jugendliche hängen häufig an ihrem Smartphone. Tief versunken in irgendwelche Videos, Apps oder Games. Sieht man leider auch häufig im Urlaub. Aber wer will es ihnen verdenken: Ihre Vorbilder – die Erwachsenen – machen es ganz genauso. Allerdings sind Kinder besonders anfällig. Lassen sich leicht manipulieren. Sind nur beschränkt entscheidungsfähig…

Von Influencern beworben: Slot Machine für Kids

Eigentlich ausreichend gute Gründe, Kinder und Jugendliche besonders gut zu schützen. Vor Apps, die süchtig machen können. Vor Werbung, die perfide und manipulativ ist. Vor Promis und Influencern, die ihre Reichweite und das Vertrauen ihrer meist jungen Follower eiskalt dafür missbrauchen, um für ein paar Euro das Spielsuchtverhalten zu fördern.

Doch genau das passiert – täglich millionenfach. Die Game-App „Coin Master“ ist zum Paradebeispiel für diese problematische Entwicklung geworden. Ein Spiel, das optisch eindeutig auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten ist – und/oder auf Erwachsene mit einem ausgesprochen kindlichen Gemüt. Eine knallbunte Welt, bonbonfarbene Figuren – und ein Sound wie aus dem Kaugummiautomaten.

Das Geschäftsmodell: Glücksspiel als Kinderspiel

Die Spieler sollen ein eigenes Dorf aufbauen – und brauchen dafür Goldstücke. Nicht sonderlich originell. Es gibt geschätzt Trilliarden vergleichbare Game-Apps. Doch „Coin Master“ ist anders. Dreister. Schon nach fünf Sekunden erscheint eine Art Slot-Machine auf dem Display. Die Kids müssen ständig dran ziehen, um Gewinne ausgeschüttet zu bekommen. Und wieder. Und wieder. Und wieder… Das macht süchtig… Denn der einzige Spielzweck ist: Irgendwas „gewinnen“.

Das klappt am Anfang auch gut. Später aber nicht mehr. Dann müssen Extras gekauft werden. Die sogenannten In-App-Käufe kosten mal 2,29 Euro – mal über 100 Euro für größere Pakete. Das summiert sich schnell zu dreistelligen Beträgen. Das ist schon für Erwachsene schlimm, für Kinder aber unzumutbar. Die Kids werden getrimmt – auf Glücksspiel.

Neue Gefahren durch KI und personalisierte Werbung

Seit 2024 hat sich die Situation noch verschärft. Durch KI-gesteuerte Algorithmen wird die Werbung für solche Glücksspiel-Apps immer zielgenauer auf Kinder ausgerichtet. Die Systeme erkennen, wann ein Kind besonders empfänglich ist – etwa nach einem schlechten Schultag oder bei Langeweile. Dann werden gezielt Werbevideos ausgespielt, die das „große Glück“ versprechen.

Besonders perfide: Die Apps nutzen mittlerweile Techniken aus der Verhaltenspsychologie, um die Spieler bei der Stange zuhalten. Variable Belohnungsintervalle, Pseudo-Knappheit („Nur noch 2 Stunden verfügbar!“) und sozialer Druck durch Freundeslisten sorgen dafür, dass besonders junge Nutzer immer tiefer in den Sog geraten.

Regulierung versagt auf ganzer Linie

Die Medienanstalten schauen zwar mittlerweile genauer hin, aber meist nur halbherzig. Sie prüfen, ob die Werbung für solche Spiele korrekt gekennzeichnet ist – aber nicht, ob die Spiele selbst für Kinder geeignet sind. Das ist, als würde man bei einem brennenden Haus erstmal überprüfen, ob das Feuerwehrauto korrekt lackiert ist.

Dabei wäre die Lösung einfach: Apps mit Glücksspiel-Elementen müssten konsequent erst ab 18 Jahren freigegeben werden. Punkt. Stattdessen bekommen solche Apps oft nur eine „USK 12“ – völlig absurd für ein Glücksspiel.

Was können Eltern tun?

Solange die Politik versagt, sind Eltern gefordert. Checkt regelmäßig, welche Apps eure Kinder nutzen. Aktiviert die Kindersicherung in den App Stores und sperrt In-App-Käufe. Sprecht mit euren Kindern über die Gefahren – sie verstehen mehr, als ihr denkt.

Vor allem: Seid Vorbilder. Wenn ihr selbst ständig am Handy daddelt oder sogar solche Glücksspiel-Apps nutzt, könnt ihr schlecht erwarten, dass eure Kinder es anders machen.

Die Industrie muss zur Verantwortung gezogen werden

Es ist skandalös, dass Unternehmen wie Moon Active (die Macher von Coin Master) Milliarden verdienen, indem sie gezielt die Schwächen von Kindern und Jugendlichen ausnutzen. Diese Firmen gehören nicht gefeiert, sondern reguliert – und zwar knallhart.

Andere Länder machen es vor: Belgien hat Loot-Boxen in Spielen als Glücksspiel eingestuft, die Niederlande ziehen nach. Deutschland hinkt mal wieder hinterher.

Es ist höchste Zeit, dass wir unsere Kinder vor dieser digitalen Ausbeutung schützen. Denn was hier passiert, ist nichts anderes als die systematische Heranführung einer ganzen Generation an die Spielsucht.

Zuletzt aktualisiert am 03.03.2026