Auch 2026 werden wieder Millionen von Smartphones, Tablets und anderen Tech-Gadgets verschenkt. Die Geräte werden immer besser – ihr ökologischer Fußabdruck aber auch immer größer.
Machen wir uns nichts vor: Trotz Klimakrise und gestiegenen Umweltbewusstseins machen sich nur die wenigsten ernsthafte Gedanken darum, wie energieaufwändig die Herstellung von Smartphones, Tablets und anderen Gadgets wirklich ist. Ich will mich da gar nicht ausschließen. Doch seitdem ich mich damit beschäftige, was so alles in einem Smartphone verbaut ist und wie viel Energie es kostet, so ein Gerät herzustellen, komme ich doch mächtig ins Grübeln.
CO2 Footprint
Die CO2-Bilanz wird immer dramatischer
Die Zahlen sind 2026 noch erschreckender geworden: Ein durchschnittliches Smartphone verursacht heute bereits 85 Kilogramm CO2-Äquivalent bei der Herstellung – das sind 57% mehr als noch vor fünf Jahren. Ein modernes Tablet bringt es sogar auf 190 Kilogramm CO2. Zum Vergleich: Das entspricht etwa 1.200 Kilometern Autofahrt.
Grund sind die immer komplexeren Chips und vor allem die Materialien, die in so einem Gerät verbaut sind. Der Techniksoziologe Felix Sühlmann-Faul, der auf Nachhaltigkeit in der Digitalisierung spezialisiert ist, zählt mittlerweile über 80 verschiedene Materialien auf, die „nur schwer zu fördern sind“.
Seltene Erden und ihre dramatischen Folgen
Darunter die berüchtigten „seltenen Erden“. Die nicht so heißen, weil sie insgesamt rar wären, sondern weil man immer nur Spurenelemente im Boden oder Gestein findet. Es braucht also enorme Mengen, die in Minen mit gigantischem Aufwand abgebaut und dann mit wahnsinnig viel Wasser – oft Millionen von Litern pro Tonne – bearbeitet und gewaschen werden müssen.
Die neuesten KI-Chips, die mittlerweile in fast jedem High-End-Gerät stecken, verschärfen das Problem noch. Für einen einzigen modernen Prozessor werden mehr seltene Erden benötigt als für drei Smartphones vor zehn Jahren.
Kinderarbeit für unsere Handys
Kobalt zum Beispiel wird nach wie vor hauptsächlich im afrikanischen Kongo abgebaut – trotz aller Versprechungen der Tech-Konzerne hat sich wenig geändert. Das Material wird für Lithium-Ionen-Akkus benötigt, die immer größer werden. Doch wie Amnesty International auch 2026 noch berichtet, erfolgt der Abbau unter menschenverachtenden Zuständen. Kinderarbeit inklusive.
Ein besonders perverser Aspekt: Während wir über KI-Ethik diskutieren, werden die Rohstoffe für unsere KI-Hardware nach wie vor von Kindern aus der Erde geholt.
Greenwashing statt echte Lösungen
Die großen Tech-Konzerne werben zwar mit „klimaneutralen“ Geräten und Recycling-Programmen, doch das ist oft nur Greenwashing. Apple, Samsung und Co. kompensieren hauptsächlich über fragwürdige Klimazertifikate, während die eigentliche Produktion immer umweltschädlicher wird.
Auch die viel beworbenen „Recycling-Roboter“ wie Apples „Daisy“ können nur einen Bruchteil der verbauten Materialien tatsächlich wiederverwenden. Die meisten seltenen Erden landen trotzdem im Müll.
Refurbished Geräte
Refurbished: Der bessere Weg
Wer wirklich nachhaltig handeln will, sollte auf generalüberholte Geräte setzen. Der Refurbished-Markt ist 2026 deutlich professioneller geworden: Anbieter wie refurbed, Swappie oder auch Amazon Renewed bieten mittlerweile Geräte in nahezu neuwertiger Qualität – mit Garantie und oft sogar mit neuen Akkus.
Der Umwelteffekt ist dramatisch: Ein refurbished iPhone spart etwa 70% der CO2-Emissionen gegenüber einem Neukauf. Bei Tablets sind es sogar 75%.
Was ihr konkret tun könnt
Mein Rat: Überspringt ruhig mal die ein oder andere Gerätegeneration. Die Innovation springt ohnehin nicht mehr so stark – ein drei Jahre altes Smartphone macht heute noch fast alles genauso gut wie ein brandneues.
Wenn ihr doch ein neues Gerät braucht: Kauft refurbished, achtet auf Reparierbarkeit (Fairphone ist hier Vorreiter) und nutzt eure Geräte so lange wie möglich. Schon zwei Jahre länger nutzen halbiert den jährlichen CO2-Fußabdruck.
Und: Informiert euch! Diese ARTE-Dokumentation gibt nach wie vor erschreckende Einblicke in die Rohstoffgewinnung.
Die unbequeme Wahrheit
Was viele nicht wissen: Selbst bei professioneller Entsorgung lassen sich die allermeisten edlen Materialien und seltenen Erden in Smartphones oder Tablets nicht recyceln. Die Materialien sind zu eng miteinander verschmolzen, die Mengen zu gering. Von 80 Materialien können gerade mal 15 bis 20 wirklich wiederverwendet werden.
Das bedeutet: Jedes neue Gerät benötigt wieder frisch abgebaute Rohstoffe – mit allen dramatischen Folgen für Umwelt und Menschen.
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Fachmann Felix Sühlmann-Faul erklärt, welche Ressourcen benötigt werden
Fazit: Bewusster konsumieren
2026 ist das Bewusstsein für diese Probleme zwar gestiegen, die Lösungen lassen aber auf sich warten. Solange die Tech-Industrie nicht grundlegend umdenkt, liegt es an uns als Konsumenten, bewusstere Entscheidungen zu treffen.
Das nächste Mal, wenn ihr ein neues Gadget kaufen wollt, denkt an die Kinder im Kongo, an die zerstörten Landschaften in Chile und an die 85 Kilogramm CO2, die in eurem Smartphone stecken. Manchmal tut es auch das alte Gerät noch ein Jahr länger – der Planet wird es euch danken.
Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026