Darknet-Studie enthüllt: So handelten Kriminelle mit COVID-Produkten

von | 04.02.2021 | Internet

Auch Jahre nach der Pandemie zeigen Analysen des Darknet-Handels mit Gesundheitsprodukten, wie schnell sich illegale Märkte an Krisen anpassen – und welche Lehren wir für künftige Gesundheitskrisen ziehen müssen.

Die COVID-19-Pandemie hat nicht nur das öffentliche Gesundheitswesen auf die Probe gestellt, sondern auch gezeigt, wie flexibel und opportunistisch illegale Online-Märkte reagieren können. Eine wegweisende Studie von Dr. Andrea Baronchelli von der City, University of London hat erstmals systematisch untersucht, wie das Darknet den Handel mit COVID-19-bezogenen Produkten vorangetrieben hat.

In der Studie „Dark Web Marketplaces and COVID-19: before the vaccine„, veröffentlicht in der Fachzeitschrift EPJ Data Science, überwachten die Forscher zwischen Januar und November 2020 insgesamt 30 Darknet-Websites. Dabei analysierten sie über 851.000 Angebote und identifizierten 788 Anzeigen, die sich direkt auf COVID-19-Produkte bezogen.

Darknet

Masken dominieren den illegalen Handel

Die Analyse zeigt ein klares Bild der Nachfrage: Persönliche Schutzausrüstung wie Masken führte mit 355 Angeboten (45,1 Prozent) die Liste an. Dahinter folgten pharmazeutische Produkte mit 228 Einträgen (28,9 Prozent). Besonders beunruhigend: 99 Angebote (12,6 Prozent) entpuppten sich als reine Betrügereien.

Die Forscher konnten dabei direkte Zusammenhänge zwischen öffentlicher Aufmerksamkeit und Darknet-Aktivitäten nachweisen. Medikamente wie Hydroxychloroquin tauchten verstärkt in den Angeboten auf, wenn sie in sozialen Medien oder Wikipedia häufiger diskutiert wurden.

Dark Bay als zentraler Umschlagplatz

Ein besonderes Augenmerk legten die Wissenschaftler auf die Plattform Dark Bay (DBay), die sich als „eBay des Darknets“ etabliert hatte:

„In unserem Datensatz dominiert DarkBay bei COVID-spezifischen Produktlistings. DBay gehört zu den Top-100-Sites im gesamten Darknet und bietet mehr Anzeigenkategorien als andere Marktplätze. Die Plattform war während unserer Untersuchung zu 80 Prozent der Zeit erreichbar – mehr als Empire, damals der größte globale Darknet-Markt mit 77 Prozent Verfügbarkeit.“

Aktuelle Entwicklungen und neue Bedrohungen

Seit der ursprünglichen Studie hat sich das Darknet weiterentwickelt. Moderne Kryptowährungen wie Monero haben Bitcoin teilweise abgelöst und bieten noch mehr Anonymität. KI-gestützte Erkennungssysteme der Strafverfolgungsbehörden führen zu einem Katz-und-Maus-Spiel mit den Betreibern illegaler Marktplätze.

Besonders problematisch: Die Qualität der Fälschungen hat sich deutlich verbessert. Während 2020 noch offensichtlich gefälschte Produkte dominierten, sind heute professionell nachgeahmte Medikamente und Medizinprodukte im Umlauf, die für Laien kaum von Originalen zu unterscheiden sind.

Lehren für künftige Krisen

Die Erkenntnisse bleiben hochaktuell, denn sie zeigen grundlegende Mechanismen auf, die auch bei künftigen Gesundheitskrisen greifen werden. Dr. Baronchelli und sein Team betonen:

„Fehlinformierte Bürger oder Opfer von Fake News können durch Darknet-Käufe in Versuchung geführt werden und setzen sich dabei ernsthaften Gesundheitsrisiken aus. Die begrenzte Verfügbarkeit von Produkten in der regulären Wirtschaft untergräbt zudem Spekulationsverbote und schadet legalen Unternehmen.“

Moderne Überwachungsstrategien

Heutige Überwachungssysteme setzen auf Machine Learning und Natural Language Processing, um verdächtige Angebote automatisch zu identifizieren. Internationale Kooperationen zwischen Strafverfolgungsbehörden haben sich intensiviert – mit gemischtem Erfolg. Während spektakuläre Schließungen großer Marktplätze Schlagzeilen machen, entstehen meist innerhalb weniger Wochen neue Plattformen.

Die Blockchain-Analyse hat sich als effektives Werkzeug etabliert. Spezialisierte Unternehmen wie Chainalysis können heute Geldflüsse verfolgen, auch wenn Kriminelle Mixing-Services einsetzen.

Präventionsmaßnahmen und Ausblick

Experten empfehlen einen mehrstufigen Ansatz: Bessere Aufklärung über die Risiken illegaler Gesundheitsprodukte, schnellere Reaktionen der regulären Märkte bei Engpässen und verstärkte internationale Zusammenarbeit bei der Darknet-Überwachung.

Die COVID-19-Pandemie mag vorbei sein, aber ihre Lehren für den Umgang mit illegalen Online-Märkten bleiben relevant. Bei der nächsten Gesundheitskrise – und die wird kommen – werden die kriminellen Netzwerke besser vorbereitet sein. Die Frage ist: Sind wir es auch?

Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026