Die EU-Batterieverordnung ist seit Februar 2024 in Kraft und revolutioniert den Umgang mit Akkus in Smartphones, Tablets und anderen Geräten. Hersteller müssen jetzt austauschbare Akkus verbauen und mindestens sieben Jahre Ersatzteile liefern. Was bedeutet das für euch als Verbraucher?
Sind wir doch mal ehrlich: Wer macht sich schon Gedanken über all die Akkus, die wir heute wie selbstverständlich im Einsatz haben. Im Handy. In der Digitalkamera. Im Mikro. In der Action Cam. In der Power-Bank, in E-Bikes, Kopfhörern, Smartwatches… Da kommen leicht und ohne Weiteres Dutzende, Hunderte Akkus in einem einzigen Haushalt zusammen.
Ein immenses Problem. Denn das Herstellen und vor allem auch das fachgerechte Entsorgen von Akkus ist ein immenses Umweltproblem, wie diese empfehlenswerte (und schockierende) ARTE-Dokumentation zeigt.
CO2-Ausstoß in Rechenzentren muss reduziert werden
EU macht Ernst: Neue Batterieverordnung seit 2024
Was der Bundesrat damals gefordert hatte, ist mittlerweile Realität geworden. Seit Februar 2024 gilt die neue EU-Batterieverordnung (2023/1542), die deutlich weiter geht als ursprünglich geplant. Die wichtigsten Änderungen:
• Austauschbare Akkus sind ab 2027 Pflicht für alle neuen Smartphones und Tablets
• Hersteller müssen mindestens sieben Jahre (statt fünf) Ersatzakkus liefern
• Detaillierte Angaben über Batteriezusammensetzung und CO2-Fußabdruck sind verpflichtend
• Ein „Batteriepass“ mit QR-Code informiert über Herkunft und Recycling-Anteil
Besonders problematisch waren bisher jene Akkus, die fest im Gerät verbaut sind. In der Smartwatch zum Beispiel. Oder in vielen Smartphones und Tablets. Prominentes Beispiel: das iPhone. Problematisch deshalb, weil bei fest verbauten Akkus der Austausch schwer fällt. Oder besser: Der Austausch sehr kostspielig wird und meist nur beim Hersteller durchgeführt werden kann.
Am Ende tauschen viele Menschen ihre Geräte aus, nur weil der Akku nicht mehr richtig will.
Hands of repairman using pentalob screwdriver when removing smartphone battery
Apple und Co. müssen umdenken
Das ist eine echte Kehrtwende. Eine, die dringend nötig war – und Hightech-Geräte nicht gleich „grün“ macht, aber den Umweltschaden erheblich reduziert. Die Hersteller mussten ihre Designs bereits anpassen.
Apple kündigte Ende 2025 an, ab dem iPhone 17 (2027) wieder austauschbare Akkus zu verbauen – erstmals seit dem iPhone 3GS von 2009. Samsung folgte mit der Galaxy S-Serie, und auch chinesische Hersteller wie Xiaomi und OnePlus stellten ihre Produktlinien um.
Interessant: Viele moderne Geräte mit austauschbaren Akkus sind trotzdem wasserdicht. Hersteller nutzen magnetische Verschlüsse oder spezielle Dichtungen, die den IP68-Standard erfüllen.
Nachhaltigkeit wird messbar
Die Verordnung geht aber noch deutlich weiter. Seit 2025 müssen Hersteller einen detaillierten „Batteriepass“ bereitstellen, der per QR-Code abrufbar ist. Dort steht drin:
• Genaue Materialzusammensetzung (Lithium, Kobalt, Nickel etc.)
• CO2-Fußabdruck der Produktion
• Anteil recycelter Materialien
• Erwartete Lebensdauer und Ladezyklen
• Recycling-Anweisungen
Ab 2031 müssen Akkus in Elektroautos und Industrieanlagen mindestens 16% recyceltes Lithium, 85% recyceltes Blei und 6% recyceltes Nickel enthalten. Das zwingt die gesamte Branche zu besseren Recycling-Prozessen.
Was sich für euch ändert
Für Verbraucher bringt die Verordnung konkrete Vorteile:
Längere Gerätenutzung: Statt das ganze Smartphone zu ersetzen, tauscht ihr einfach den Akku. Das spart Geld und schont die Umwelt.
Transparenz: Der Batteriepass zeigt euch, wie nachhaltig euer Gerät wirklich ist. Greenwashing wird schwieriger.
Besserer Service: Reparaturwerkstätten können Akkus einfacher tauschen, was die Kosten senkt.
Höhere Qualität: Hersteller investieren mehr in langlebige Akkus, da sie diese länger als Ersatzteile vorhalten müssen.
Der Handel ist bereits zur Rücknahme alter Geräte verpflichtet – und das funktioniert mittlerweile deutlich besser als früher. Große Elektronikketten wie MediaMarkt oder Saturn nehmen Altgeräte kostenlos entgegen, auch ohne Neukauf.
Noch nicht am Ziel
Trotz aller Fortschritte: Wir sind noch nicht am Ziel. Die Batterieproduktion verbraucht weiterhin enorme Ressourcen, und viele seltene Rohstoffe stammen aus problematischen Abbaugebieten. Aber immerhin: Die Richtung stimmt.
Bis 2030 soll der Anteil recycelter Materialien in neuen Akkus auf 65% steigen. Gleichzeitig arbeiten Forscher an alternativen Batterie-Technologien wie Natrium-Ionen-Akkus, die ohne kritische Rohstoffe auskommen.
Für euch als Nutzer heißt das: Achtet beim nächsten Gerätekauf auf den Batteriepass, nutzt eure Geräte länger und bringt alte Akkus zum Recycling. Jeder kleine Schritt zählt.
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Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026