Wenn Tidal nicht nach HiRes klingt

von | 21.06.2021 | Mobility

Tidal ist einer der Streaming Services, die schon früh auf HiRes gesetzt haben. Da, wo das entsprechende Klangmaterial in hoher Auflösung vorliegt, wird es auch hochauflösend wiedergegeben. Das erkennt ihr im Wiedergabefenster an dem Infotext Master oder Max bei den neuesten HiRes-Formaten. Manchmal aber will eine solche Masterdatei so gar nicht hochauflösend klingen. Das kann mehrere Ursachen haben!

Die Auflösung ist am Ende nur eine technische Eigenschaft der Klangdatei. Diese sagt aber nichts über die Musik, deren Abmischung und Qualität aus. Ihr könnt einen gurgelnden Gulli in 24bit/192kHz aufnehmen, trotzdem klingt dieser dumpf und unschön. Bei Musikdateien verhält es sich ähnlich: Ist der Mix im Studio nicht gut oder wurde er für den Loudness War totgepresst, dann klingt die Musik unabhängig von der Auflösung dumpf.

Das schwächste Glied in der Kette entscheidet

Ebenso verhält es sich mit den Geräten, die ihr einsetzt. Die beste Qualität der Klangdatei hilft nicht, wenn der Kopfhörer schlecht ist oder die Übertragung zwischen dem Abspielgerät und dem Wiedergabegerät nur einen geringen Datendurchsatz hat. Besonders tückisch: Bluetooth-Verbindungen komprimieren standardmäßig stark. Selbst mit hochwertigen Codecs wie LDAC oder aptX HD kommt nicht die volle HiRes-Qualität an.

Versteckte Qualitätsbremse in der App

Tatsächlich gibt es in der Tidal-App mehrere Einstellungen, die massiven Einfluss auf die Qualität haben: Tidal geht standardmäßig davon aus, dass das Streamen unterwegs und damit im Mobilfunknetz stattfindet. Darum steht die Streamingqualität auf Hoch statt auf Max. Auch Masterdateien werden so von der Qualität heruntergerechnet und mit geringerem Datenverbrauch gestreamt.

Stellt unter Einstellungen > Wiedergabe die Qualität auf Max (früher „Master“). Wichtig: Macht das sowohl für „Mobil“ als auch für „WLAN“. Schaltet auch die Normalisierung aus – diese verringert die Dynamik eurer Musik erheblich.

Die häufigsten Qualitätskiller

  1. Falscher DAC: Die meisten Smartphones haben mittelmäßige Digital-Analog-Wandler. Ein externer DAC oder hochwertige USB-C/Lightning-Kopfhörer mit eigenem DAC machen oft den größten Unterschied.

  2. Aktivierte Systemklangeffekte: Equalizer, „Dolby Atmos“ oder „Bass Boost“ in den Handy-Einstellungen verschlechtern die Wiedergabe massiv. Schaltet alle Klangverbesserungen aus.

  3. Streaming über Chromecast/AirPlay: Diese Protokolle komprimieren oft zusätzlich. Besser: Tidal Connect nutzen oder per Kabel verbinden.

  4. Schlechte Raumakustik: Selbst der beste Kopfhörer klingt in einer halligen Umgebung dumpf. Bei Lautsprechern ist die Raumakustik noch kritischer.

So testet ihr die echte Qualität

Ladet euch Referenztracks herunter – Tidal erlaubt das im HiFi-Abo. Hört sie offline über hochwertige Kopfhörer. Vergleicht dann mit dem Stream. Klingt beides gleich schlecht, liegt es an der Aufnahme selbst. Klassische Alben aus den 70ern und 80ern sind oft besser gemastert als moderne Releases.

Tipp: Jazz-, Klassik- und Akustikaufnahmen zeigen Qualitätsunterschiede deutlicher als komprimierte Rock- oder Pop-Produktionen. Probiert Künstler wie Patricia Barber, Keith Jarrett oder Nils Frahm.

Lohnt sich HiRes wirklich?

Honest answer: Bei schlechten Kopfhörern unter 100 Euro merkt ihr kaum einen Unterschied. Mit hochwertiger Ausrüstung ist der Qualitätssprung aber deutlich hörbar – allerdings nur bei gut produzierten Aufnahmen. Der Placebo-Effekt spielt eine Rolle, aber physikalisch ist mehr Auflösung messbar besser.

Das Wichtigste: Investiert zuerst in gute Kopfhörer oder Lautsprecher, dann in einen DAC, und erst zuletzt in HiRes-Streaming. Die Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Zuletzt aktualisiert am 24.02.2026