Warum die Rohingya Facebook auf 150 Mrd. Dollar verklagen

Facebook wurde auf 150 Mrd. Dollar Schadenersatz verklagt

Seitdem die Whistleblowerin Frances Haugen öffentlich aussagt und so Einblicke in die Geschäftspraktiken des Facebook-Konzerns ermöglicht, steht der Konzern mächtig unter Druck.

Denn jetzt gibt es nicht nur den Verdacht, sondern dank der geleakten Dokumente reichlich konkrete Belege dafür, dass Facebook wissentlich die Algorithmen auf Gewinnmaximierung programmiert – und selbst dann nichts unternimmt, wenn sich schädliche Wirkungen in der Gesellschaft zeigen und der Konzern davon Kenntnis hat.

Myanmar

Myanmar ist nicht so friedlich wie es aussieht

Algorithmen entscheiden immer pro Umsatz

Und nun das: Geflüchtete Rohingya – eine verfolgte muslimische Minderheit in Myanmar – haben eine Klage in Kalifornien eingereicht. Die Kläger stellen einen direkten Zusammenhang zwischen algorithmisch geförderter Desinformation und Aufruf zur Gewalt und tatsächlicher Gewalt her. Facebook sei bereit gewesen, “das Leben der Rohingya gegen eine bessere Marktdurchdringung” einzutauschen.

Klagevorwurf: “Unbestreitbare Realität ist, dass Facebooks Wachstum, angeheizt durch Hass, Spaltung und Fehlinformationen, Hunderttausende zerstörte Leben der Rohingya hinterlassen hat.”

Das kann man so sagen. Denn laut Whistleblowerin Frances Haugen hatte die Konzernleitung Kenntnis, dass die auch in Myanmar sehr wichtige Plattform nicht unbedingt zur Befriedung des am Ende religiös begründeten Konflikts beiträgt. Im Gegenteil: Facebook hat den Konflikt angeheizt. Öl ins Feuer gekippt.

Facebook fördert die Trennung der Gesellschaft

Facebook fördert die Trennung der Gesellschaft

Myanmar geht uns alle an

In Myanmar kann man sehr schön sehen, dass ein gesellschaftlich noch weiter zugespitzter Konflikt als bei uns für Facebook regelrecht ein Leckerbissen ist. Facebook verhält sich wie bei einem Hahnenkampf: Je mehr Menschen zuschauen, desto mehr wird geboten und verdient. Also wird mächtig Wirbel gemacht. Dafür sorgen schon die Algorithmen, die von Ethik nichts verstehen und auf maximale Erregung programmiert sind.

Wir sollten nicht den Fehler machen zu denken: Der Fall Myanmar interessiert mich nicht. Ist zu weit weg. Auch bei uns gibt es jede Menge gesellschaftliche Konflikte, die heutzutage mit religiösem Eifer ausgefochten werden – vor allem auf den Plattformen. Corona-Leugner gegen Wissenschaft. Bürger gegen Politik. Geimpfte gegen Ungeimpfte. Auch das kann in Mord und Totschlag ausarten – dank Facebook, Twitter und Co.

Natürlich trägt Facebook nicht die Verantwortung für die Konflikte selbst. Aber Facebook ist bekennender Profiteur der Konflikte. Man könnte fast sagen: so wie die Waffen-Industrie.

Myanmar geht uns alle an

Die Klage in den USA mit der unfassbar hohen Klagesumme bringt zumindest auf den Punkt, wie hoch der Schaden sein kann, der damit einhergeht. Es wird interessant sein zu sehen, wie Kläger argumentieren – und wie sich Facebook wehren will. Denn vor Gericht müssen dann ja konkrete Zahlen und Belege her. Facebook wird sich zum ersten Mal richtig verantworten müssen.

Das wird spannend – und könnte Mark Zuckerberg tatsächlich zum Umdenken zwingen. Denn auch, wenn Facebook der gesellschaftliche Frieden vollkommen Schnuppe zu sein scheint (auch der in den USA): Wenn es droht Geld zu kosten, dann könnten die Herrschenden über die Algorithmen diese endlich anweisen, anders zu entscheiden und zu funktionieren.

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Die Macht der Algorithmen: Facebook bestimmt, was die Menschen sehen