Vorsicht bei Leihwagen und Freisprecheinrichtungen

von | 01.03.2022 | Tipps

Telefonieren im Fahrzeug ohne Freisprecheinrichtung ist teuer und gefährlich. Wer einen Leihwagen, Carsharing-Auto oder Mietwagen nutzt, koppelt gerne das Smartphone mit dessen Infotainment-System. Das sollte allerdings bei Abgabe des Autos auch wieder rückgängig gemacht werden – aus Datenschutzgründen!

Früher kostenpflichtiges Zubehör, heute Standard in so gut wie jedem Fahrzeug: Die Freisprecheinrichtung sorgt über eine Bluetooth-Verbindung zwischen Fahrzeug und Smartphone dafür, dass beim Telefonat keine Hände nötig sind (daher auch der englische Begriff „Handsfree“) und beide Hände am Lenkrad bleiben können. Moderne Fahrzeuge gehen aber weit über das reine Telefonieren hinaus.

Die Bluetooth-Kopplung und mehr

Die Verbindung muss einmalig hergestellt werden. Wie bei jeder anderen Bluetooth-Verbindung tauschen Fahrzeug und Telefon einen Schlüssel aus, der am Gerät oder am Fahrzeug bestätigt werden muss. Wie das bei dem speziellen Fahrzeug geht, ist meist im Infotainment-System ersichtlich oder findet sich im Handbuch.

Die Kopplung macht aber meist noch viel mehr als eine Telefonie-Verbindung herzustellen. Android Auto und Apple CarPlay sind heute praktisch Standard und ermöglichen eine tiefe Integration zwischen Smartphone und Fahrzeug. Kontakte werden ins Telefonbuch des Fahrzeugs synchronisiert, Nachrichten können vom Telefon auf das Display des Fahrzeugs übertragen werden, Navigationsdaten werden ausgetauscht, und sogar App-Nutzungsdaten landen im Fahrzeugspeicher.

Welche Daten werden gespeichert?

Moderne Fahrzeuge sind rollende Computer mit enormen Speicherkapazitäten. Bei der Kopplung mit eurem Smartphone werden deutlich mehr Daten übertragen und gespeichert, als den meisten bewusst ist:

Kontakte und Anruflisten: Das komplette Telefonbuch und die Anrufhistorie
Nachrichten: SMS und teilweise auch WhatsApp-Nachrichten
Navigationsdaten: Zieladressen, häufig besuchte Orte, Routen
Kalendereinträge: Termine mit Orten und Zeiten
App-Daten: Nutzungsverhalten von verbundenen Apps
Fahrzeugeinstellungen: Sitzpositionen, Klimaanlagen-Präferenzen
Sprachaufzeichnungen: Bei Nutzung der Sprachsteuerung

Bei Tesla-Fahrzeugen beispielsweise werden sogar Profildaten in der Tesla-Cloud gespeichert, die fahrzeugübergreifend synchronisiert werden. Mercedes Me, BMW ConnectedDrive und andere Herstellerdienste sammeln ähnlich umfangreiche Datenprofile.

Daten gehören zur Bluetooth-Partnerschaft

Nun ist es nicht so, dass die Daten für jeden Fahrer frei zugreifbar wären: Alle Daten und Funktionen sind normalerweise nur bei bestehender Verbindung mit dem gekoppelten Telefon verfügbar. Nichtsdestotrotz sind sie im Speicher des Fahrzeugs und können theoretisch ausgelesen werden. Autovermietungen, Werkstätten oder neue Besitzer haben potentiell Zugriff auf diese sensiblen Informationen.

Ein weiteres Problem: Viele Fahrzeuge speichern die Daten auch dann weiter, wenn das Smartphone nicht mehr gekoppelt ist. Die Daten überleben also die Mietdauer und werden nach Abgabe des Fahrzeugs nicht mehr benötigt – stellen aber ein Datenschutzrisiko dar.

So löscht ihr eure Daten richtig

Wie immer in solchen Fällen ist das vollständige Löschen der Daten die beste Lösung. Hier die wichtigsten Schritte:

1. Bluetooth-Kopplung löschen: Im Bluetooth-Menü des Fahrzeuges findet sich die Übersicht aller gekoppelten Telefone. Wird eines davon angewählt, dann kann es dort direkt gelöscht werden.

2. Factory Reset durchführen: Die meisten modernen Infotainment-Systeme bieten in den Einstellungen einen „Werkseinstellungen zurücksetzen“ oder „Factory Reset“ Button. Das ist die sicherste Methode.

3. Persönliche Daten einzeln löschen: Falls ein kompletter Reset nicht möglich ist, geht durch die Menüs und löscht Kontakte, Navigationsziele, gespeicherte Adressen und andere persönliche Informationen manuell.

4. Herstellerkonten abmelden: Bei Premium-Marken solltet ihr euch aus allen Cloud-Diensten wie Mercedes Me, BMW ConnectedDrive oder MyAudi abmelden.

Carsharing und die Datenfalle

Besonders problematisch ist die Situation bei Carsharing-Diensten wie Share Now, Miles oder Stadtmobil. Hier wechseln die Fahrzeuge ständig zwischen verschiedenen Nutzern. Viele Kunden koppeln gedankenlos ihre Smartphones und vergessen beim Aussteigen das Löschen der Daten.

Einige Carsharing-Anbieter haben mittlerweile automatische Löschroutinen implementiert, die nach Fahrtende alle Nutzerdaten entfernen. Darauf solltet ihr euch aber nicht verlassen. Nehmt euch die zwei Minuten Zeit und löscht eure Daten selbst.

Fazit: Datenhygiene im Auto

Die Vernetzung zwischen Smartphone und Fahrzeug wird immer enger. Das bringt Komfort, aber auch Datenschutzrisiken mit sich. Gewöhnt euch an, bei jedem Leihwagen, Mietwagen oder Carsharing-Fahrzeug eure Daten vor der Rückgabe zu löschen. Es ist ein kleiner Aufwand mit großer Wirkung für eure Privatsphäre.

Zuletzt aktualisiert am 22.02.2026