Windows Bloatware: Wenn Microsoft ungefragt Apps installiert

von | 18.05.2015 | Windows

Windows 11 und die Bloatware-Problematik: Wenn Microsoft ungefragt Apps installiert

Was vor Jahren mit Candy Crush Saga in Windows 10 begann, ist heute zu einem flächendeckenden Problem geworden. Microsoft installiert weiterhin ungefragt Apps und Features auf euren Rechnern – und die Liste wird immer länger.

Die ursprüngliche Ankündigung von 2015 war nur der Anfang: Candy Crush Saga sollte „automatisch für Kunden, die Windows 10 herunterladen oder darauf aktualisieren“ installiert werden. Was damals noch für Aufregung sorgte, ist heute Standard geworden. Windows 11 kommt standardmäßig mit einem ganzen Bouquet vorinstallierter Apps: TikTok, Instagram, WhatsApp, Spotify, Disney+, und viele andere – je nach Region unterschiedlich.

Bloatware wird zum Standard

Die Praxis hat sich seit den Candy Crush-Zeiten massiv ausgeweitet. Microsoft rechtfertigt dies als „verbesserte Benutzererfahrung“ und Partnerschaften mit App-Entwicklern. In Wahrheit geht es um Geld: Jede vorinstallierte App bringt Microsoft Lizenzgebühren oder Provisionen ein.

Besonders ärgerlich: Viele dieser Apps sind zunächst nur als „Platzhalter“ installiert – sie laden die vollständigen Daten erst nach, wenn ihr sie das erste Mal öffnet. Das verbraucht unnötig Speicherplatz und Bandbreite. Bei Gaming-Apps wie Candy Crush können das schnell mehrere Gigabyte werden.

Historischer Kontext: Nichts Neues unter der Sonne

Diese Art Bündelung hat tatsächlich Tradition. Windows 95 wurde mit Links zu Onlinediensten wie AOL, CompuServe und Prodigy ausgeliefert, nachdem sich diese Firmen bei MSN beschwert hatten. Windows 98 kam mit vorinstalliertem RealPlayer. Windows Vista und 7 hatten weniger Bloatware, aber seit Windows 8 nimmt das Problem wieder zu.

Der Unterschied zu heute: Früher waren es hauptsächlich Microsoft-eigene Services oder strategische Partnerschaften. Heute geht es primär um kommerzielle App-Stores und Werbeeinnahmen.

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Cross-Platform Gaming als Köder

Die versprochene Cross-Platform-Funktion von Candy Crush – das Weiterspielen zwischen iOS, Android und Windows – funktioniert heute tadellos. King Digital Entertainment (mittlerweile zu Activision Blizzard gehörend, das wiederum von Microsoft übernommen wurde) hat ein nahtloses Spielerlebnis geschaffen.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Cross-Platform bedeutet auch Cross-Platform-Tracking. Eure Spieldaten, Kaufverhalten und Nutzungsmuster werden plattformübergreifend gesammelt und monetarisiert.

Wie ihr euch wehren könnt

Glücklicherweise gibt es Wege, die Bloatware-Flut einzudämmen:

Bei der Installation: Windows 11 Pro und Enterprise bieten mehr Kontrolle über vorinstallierte Apps. Bei der Ersteinrichtung könnt ihr in den Datenschutzeinstellungen viele automatische Installationen deaktivieren.

Nachträglich entfernen: Die meisten vorinstallierten Apps lassen sich über die Einstellungen deinstallieren. Geht zu „Apps“ > „Apps & Features“ und entfernt alles Überflüssige.

PowerShell-Lösung: Für Fortgeschrittene gibt es PowerShell-Scripts, die Bloatware automatisch entfernen. Tools wie „Windows10Debloater“ machen das für euch.

Registry-Tweaks: In der Registrierung könnt ihr die automatische Installation neuer „empfohlener“ Apps komplett abschalten.

Die Zukunft: Noch mehr Integration

Microsoft plant weitere Integration von Gaming-Services in Windows. Mit der Übernahme von Activision Blizzard für 68,7 Milliarden Dollar werden vermutlich bald Call of Duty und andere Blockbuster-Titel vorinstalliert sein. Das Xbox Game Pass-Abo wird noch tiefer ins Betriebssystem integriert.

Parallel dazu experimentiert Microsoft mit KI-gesteuerten App-Empfehlungen. Die neuen „Copilot+“-PCs analysieren euer Nutzungsverhalten und schlagen „passende“ Apps vor – die dann oft automatisch installiert werden.

Fazit: Aufmerksamkeit ist gefragt

Was mit Candy Crush harmlos anfing, ist zu einem systematischen Problem geworden. Windows wird immer mehr zur Werbe- und Vertriebsplattform für Apps und Services. Als Nutzer solltet ihr bei jeder Windows-Installation und jedem Update genau hinschauen, was da mitkommt.

Die gute Nachricht: Mit den richtigen Einstellungen und etwas Know-how lässt sich Windows 11 trotzdem schlank und performant halten. Ihr müsst nur wissen, wo die Schalter sind.

Zuletzt aktualisiert am 15.04.2026