Moderne Smartphones sind heute regelrechte Alleskönner. Minicomputer für die Hosentasche. Mit mehr Rechenpower und Speicherkapazität als die Computer der ersten Mondfähre. Und das mitunter auch zu Mondpreisen: Die Luxusmodelle kosten mittlerweile gerne schon mal 1.200 EUR und mehr. Aber müssen Smartphones eigentlich so teuer sein?
Bescheidenheit ist bei den großen Handyherstellern nicht gerade angesagt. Jeder Hersteller packt möglichst viele Funktionen in seine Smartphones. KI-Chips für maschinelles Lernen, Kameras mit 100-fach Zoom, 120Hz-Displays mit dynamischer Helligkeit und Faltmechanismen, die Science Fiction wahr werden lassen. Mit jeder Menge Speicher und Funktionen. Und das alles hat natürlich seinen Preis: Wer viel will, muss viel zahlen.
Und darauf setzen die Hersteller: Dass wir alle Funktionen schick und vielleicht sogar unverzichtbar finden, dass wir alles haben wollen und deshalb zum voll ausgestatteten Smartphone greifen. Die Preisspirale dreht sich dabei immer weiter nach oben – während die tatsächlichen Innovationssprünge immer kleiner werden.
Fairphone zeigt: Es geht auch anders
Der niederländische Hersteller Fairphone setzt seit Jahren auf eine ganz andere Strategie: Fairphone will Smartphones bauen, die zwar auch eine Menge können, die aber unter fairen Bedingungen für Menschen, Natur und Umwelt hergestellt werden. Mit Materialien aus überwachten Minen, wo faire Löhne bezahlt werden. Auch die Löhne beim Zusammenbauen des Geräts sollen höher sein als anderswo.
Mittlerweile ist Fairphone mit dem Fairphone 5 bei seiner fünften Generation angekommen und hat bewiesen: Nachhaltigkeit und moderne Technik schließen sich nicht aus. Das Unternehmen setzt konsequent auf recycelte Materialien, faire Lieferketten und Transparenz bei der Preisgestaltung. Bei den anderen Herstellern weiß man in der Regel wenig über die Herkunft der verbauten Materialien – oder die Preise, die der Hersteller bezahlt.
Transparente Preiskalkulation als Vorbild
Fairphone hat als erster großer Hersteller seine Preiskalkulation komplett öffentlich gemacht. Da ist genau aufgeschlüsselt, wofür Fairphone wie viel Geld ausgibt – und was ihr als Kunden also dafür bezahlt. Diese Transparenz sucht man bei Apple, Samsung oder Google vergeblich.
Die Kalkulation von Fairphone zeigt deutlich: Für Material geben andere Hersteller ähnliche Beträge aus. Doch Fairphone zahlt höhere Löhne und investiert in nachhaltige Lieferketten. Deshalb ist die Gewinnmarge deutlich geringer als bei den Marktriesen. Andere Hersteller verdienen ein Vielfaches pro Gerät – oft 40-60% des Verkaufspreises.
Reparierbarkeit als Kostenfaktor
Doch was noch wichtiger ist: Das Fairphone könnt ihr bei Bedarf auseinandernehmen und reparieren. Die meisten Bauteile lassen sich ersetzen, sogar das Display kann man ohne Spezialwerkzeug tauschen. Das hilft Kosten sparen – und schont vor allem die Umwelt.
Viele Luxusgeräte von Apple, Samsung und Co. sind dagegen bewusst so konstruiert, dass Reparaturen schwierig und teuer werden. Verklebte Gehäuse, proprietäre Schrauben und die Verweigerung von Ersatzteilen sorgen dafür, dass ihr bei einem Defekt oft nur die Wahl zwischen teurer Herstellerreparatur oder Neukauf habt. Das Right-to-Repair-Movement kämpft seit Jahren gegen diese geplante Obsoleszenz.
KI-Hype und überflüssige Features
Aber auch bei der Ausstattung solltet ihr genau hinschauen. Nicht jede Funktion braucht man wirklich. Der aktuelle Hype um On-Device-KI führt dazu, dass Hersteller teure Neural Processing Units (NPUs) in ihre Chips einbauen. Diese KI-Beschleuniger treiben die Kosten in die Höhe – dabei nutzen die meisten User die beworbenen KI-Features kaum.
Ähnlich verhält es sich mit 8K-Videoaufnahme, die mittlerweile Standard bei Flaggschiffen ist. Auf einem 6,8 Zoll großen Display ist der Unterschied zu 4K praktisch nicht erkennbar. Trotzdem bezahlt ihr für teurere Sensoren, mehr Speicher und leistungsfähigere Prozessoren.
Der Speicher-Trick der Hersteller
Besonders dreist wird es beim Speicher: Während ein 1TB-SSD für den PC etwa 80 Euro kostet, verlangen Smartphone-Hersteller für das Upgrade von 256GB auf 1TB oft 300-400 Euro Aufpreis. Hier werden Mondpreise für Standard-Hardware verlangt.
Apple ist Meister dieser Praxis: Das iPhone 15 Pro startet mit mickrigen 128GB für 1.199 Euro, während die 1TB-Version stolze 1.829 Euro kostet – 630 Euro Aufpreis für Speicher, der in der Herstellung vielleicht 50 Euro kostet.
Alternative: Refurbished und Mittelklasse
Die gute Nachricht: Ihr müsst nicht jeden Hype mitmachen. Refurbished-Smartphones bieten oft 80% der Performance zum halben Preis. Und die Mittelklasse ist so gut geworden, dass sie für die meisten Anwendungen völlig ausreicht. Ein Pixel 8a oder Galaxy A55 macht praktisch alles, was die Flaggschiffe können – nur ohne den Prestige-Aufschlag.
Manchmal ist weniger definitiv mehr. Und auf jeden Fall günstiger. Überlegt euch vor dem Kauf: Welche Features braucht ihr wirklich? Oft reicht ein Smartphone für 400-600 Euro völlig aus.
Zuletzt aktualisiert am 12.04.2026





