YouTube ist längst mehr als nur ein Video-Portal – es funktioniert wie ein moderner Fernseh-Sender. Während Privatleute ihre Katzenvideos und Urlaubserinnerungen teilen, läuft parallel ein knallhartes Business ab. Content Creator verdienen mit ihren Videos Millionen, doch wie genau sie Geld machen, bleibt oft im Dunkeln.
Die Grenzen zwischen Entertainment und Werbung verschwimmen zusehends. Product Placements, Affiliate-Links, gesponserte Inhalte – alles vermischt sich zu einem undurchsichtigen Cocktail. Deshalb haben die Landes-Medien-Anstalten einen detaillierten Leitfaden herausgebracht, der Content Creators zeigt, was erlaubt ist und was nicht.
Für wen ist der Leitfaden gedacht – für jeden YouTuber oder nur die Großen?
Der kostenlose PDF-Leitfaden richtet sich theoretisch an alle, die Videos hochladen. Praktisch sind aber vor allem professionelle Content Creator betroffen. Wer seine Katze filmt oder Landschaftsaufnahmen zeigt, kommt selten in Konflikt mit Werberichtlinien. Anders sieht’s aus bei Creators, die regelmäßig Produkte präsentieren oder Reviews machen.
Die Regeln gelten übrigens nicht nur für YouTube, sondern auch für TikTok, Instagram Reels und alle anderen Video-Plattformen. Seit 2024 haben die Medienanstalten ihre Überwachung deutlich verschärft – auch kleinere Influencer stehen inzwischen auf dem Radar.
Was genau muss gekennzeichnet werden?
Hier wird’s kompliziert. Es hängt von mehreren Faktoren ab: Wer hat das Produkt bezahlt? Gab es eine Gegenleistung? Steht das Produkt im Fokus des Videos?
Bei „Unboxing“-Videos wird gezeigt, wie Produkte ausgepackt und getestet werden. „Haul“-Videos präsentieren Einkäufe mit ausführlichen Produktbewertungen. „Get Ready With Me“-Videos zeigen Beauty-Routines mit zig verschiedenen Produkten. In „Tech-Reviews“ werden neue Gadgets minutiös analysiert. Überall fallen Markennamen – aber wann ist es Werbung?
Die Grundregel: Wurde ein Produkt kostenlos zur Verfügung gestellt oder gibt es eine Gegenleistung (Geld, weitere Produkte, Vergünstigungen), muss das klar als Werbung gekennzeichnet werden. Seit 2025 reicht ein kleiner Hinweis im Video-Text nicht mehr – die Kennzeichnung muss deutlich sichtbar im Video selbst erfolgen.
Die neuen Kennzeichnungsregeln im Detail
Selbst gekauft und selbst entschieden? Dann ist keine Kennzeichnung nötig. Aber Achtung: Affiliate-Links müssen seit 2025 immer offengelegt werden, auch wenn das Produkt selbst bezahlt wurde.
Kostenlos erhalten? Dann ist eine klare Werbekennzeichnung Pflicht. „Werbung“, „Anzeige“ oder „sponsored“ müssen sowohl am Videoanfang als auch in der Beschreibung stehen.
Bei Produktplatzierungen, wo sich das ganze Video um ein bestimmtes Produkt dreht, gelten verschärfte Regeln. Die Kennzeichnung muss während des gesamten Videos sichtbar bleiben, nicht nur am Anfang.
Neue Regel seit 2024: Der Geldwert spielt eine größere Rolle. Alles über 500 Euro (früher 1000 Euro) muss erwähnt werden, auch wenn es nur nebenbei auftaucht. Bei Tech-Reviews mit teuren Smartphones oder Gaming-Equipment wird das schnell relevant.
KI-generierte Inhalte bringen neue Herausforderungen
Seit ChatGPT und Co. den Markt erobert haben, nutzen viele Creator KI-Tools für Thumbnails, Videobearbeitung oder sogar Skripte. Auch hier gibt’s neue Regeln: KI-generierte Inhalte müssen ab 2025 gekennzeichnet werden, wenn sie einen wesentlichen Teil des Contents ausmachen.
Besonders heikel wird’s bei AI-Avataren oder deepfake-ähnlichen Technologien. Hier drohen nicht nur Abmahnungen der Medienanstalten, sondern auch rechtliche Konsequenzen nach dem neuen Digital Services Act.
Live-Streams im Fokus der Behörden
Live-Streams auf YouTube, Twitch und TikTok Live stehen besonders unter Beobachtung. Spontane Produktempfehlungen während eines Streams müssen genauso gekennzeichnet werden wie geplante Werbung. Viele Streamer unterschätzen das – ein teurer Fehler.
Die Medienanstalten haben 2025 ihre Monitoring-Tools für Live-Inhalte massiv ausgebaut. Algorithmen scannen automatisch nach verdächtigen Werbeaktivitäten und melden diese zur manuellen Prüfung.
Durchsetzung wird härter
Früher drückten die Behörden oft ein Auge zu, besonders bei kleineren Creators. Das hat sich geändert. Seit 2024 gehen die Landesmedienanstalten konsequenter vor. Bußgelder bis zu 500.000 Euro sind möglich – auch bei „Versehen“.
Viele große Creator arbeiten inzwischen mit spezialisierten Agenturen zusammen, die die rechtlichen Aspekte übernehmen. Aber auch kleinere Influencer sollten sich informieren. Der Leitfaden erklärt die Regeln verständlich und mit praktischen Beispielen.
Internationale Creator müssen auch aufpassen
Seit dem Digital Services Act gelten die deutschen Regeln auch für internationale Creator, wenn sie deutschsprachige Inhalte produzieren oder eine relevante deutsche Zuschauerschaft haben. YouTube, TikTok und Co. müssen bei Verstößen inzwischen aktiv werden.
Transparenz ist das A und O. Wer ehrlich kommuniziert, was gesponsert ist und was nicht, fährt am besten. Die Zuschauer honorieren Ehrlichkeit – und die Behörden bleiben entspannt.
Hier könnt ihr den Leitfaden kostenlos herunterladen
Zuletzt aktualisiert am 12.04.2026

