Auf der anderen Seite der Erde

von | 07.01.2017 | Tipps

Mein Kollege Dennis Horn findet immer wieder besonders ausgefallene Apps und Webangebote. Diesmal überschrieben mit Auf der anderen Seite der Welt macht es Platsch!

Wer sich immer schon mal gefragt hat, was sich auf der genau entgegengesetzten Seite der Erde befindet, kann das mit Antipodr herausfinden: Einfach auf der Webseite oder App einen Ort eingeben – schon seht ihr, wo ihr auskommt, wenn ihr euch einmal durch die Erde graben würdet. Meistens landet man mitten im Wasser, in irgendeinem Ozean. Nicht nützlich, nicht sinnvoll, aber ein herrlicher Spaß.

Antipodr wurde 2024 komplett überarbeitet

Das schöne an solchen Spielereien: Sie werden kontinuierlich weiterentwickelt. Antipodr hat 2024 ein größeres Update bekommen und funktioniert jetzt noch präziser. Die Webseite nutzt aktuelle Kartendaten von OpenStreetMap und zeigt nicht nur den antipodalen Punkt an, sondern auch die exakte Entfernung durch den Erdkern – etwa 12.742 Kilometer vom Mittelpunkt Deutschlands aus.

Was sind Antipoden eigentlich?

Antipodale Punkte sind geografisch gesehen die Stellen auf der Erdoberfläche, die einander diametral gegenüberliegen. Wenn ihr von eurem Standort aus eine gerade Linie durch den Erdmittelpunkt zieht, kommt ihr am Antipoden wieder heraus. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Gegenfüßler“ – die Vorstellung, dass Menschen auf der anderen Seite der Erde mit den Füßen nach oben laufen würden.

Deutsche Antipoden: Meistens Ozean

Von Deutschland aus landet ihr übrigens fast immer im südlichen Pazifik, irgendwo zwischen Neuseeland und Chile. München führt euch beispielsweise zu den Antipoden-Inseln südöstlich von Neuseeland – daher auch der Name dieser unbewohnten Inselgruppe. Berlin bringt euch mitten in den Pazifik, etwa 1.500 Kilometer östlich der neuseeländischen Südinsel.

Überraschende Landtreffer weltweit

Spannender wird es, wenn ihr andere Kontinente erkundet. Teile von Argentinien und Chile haben ihre Antipoden in China. Madrid landet erstaunlicherweise in Neuseeland, genau in der Nähe von Wellington. Die meisten US-amerikanischen Städte führen euch in den Indischen Ozean, irgendwo zwischen Madagaskar und Australien.

Besonders kurios: Hawaii hat seine Antipoden in Botswana – einer der wenigen Land-zu-Land-Treffer im Pazifikraum. Und wenn ihr von Sydney aus grabelt, kommt ihr in der Nähe der Azoren wieder raus.

Moderne Technik macht’s möglich

Was früher aufwendige Berechnungen erforderte, funktioniert heute per Mausklick. Antipodr nutzt moderne Web-APIs und GPS-Koordinaten für zentimetergenaue Bestimmung der Gegenpunkte. Die Anwendung berücksichtigt dabei die tatsächliche Erdform – die Erde ist schließlich kein perfekter Ball, sondern an den Polen leicht abgeplattet.

Weitere Tools für Geo-Nerds

Neben Antipodr gibt es mittlerweile auch andere spannende geografische Spielereien: „What3Words“ teilt die gesamte Erdoberfläche in 3×3-Meter-Quadrate ein und gibt jedem eine eindeutige Drei-Wort-Adresse. „Radio Garden“ lässt euch Radiosender aus aller Welt anhören, indem ihr einfach auf der Weltkugel klickt. Und „Flightradar24“ zeigt in Echtzeit, welche Flugzeuge gerade über euch hinwegfliegen.

Bildung trifft Unterhaltung

Solche Tools sind perfekte Beispiele dafür, wie digitale Anwendungen Geografie greifbar machen. Kinder lernen spielerisch, dass die Erde eine Kugel ist und entwickeln ein Gefühl für Entfernungen und Kontinente. Lehrer nutzen Antipodr gerne im Erdkundeunterricht, um abstrakte Konzepte zu veranschaulichen.

Philosophische Gedanken zu Antipoden

Die Beschäftigung mit Antipoden regt auch zum Nachdenken an: Während ihr gerade diesen Artikel lest, ist auf der anderen Seite der Erde möglicherweise tiefste Nacht. Wenn bei euch Sommer ist, herrscht dort Winter. Diese einfache Erkenntnis macht die Erdrotation und Jahreszeiten plötzlich sehr konkret.

Antipodr ist ein perfektes Beispiel dafür, dass das Internet nicht nur für Produktivität und Kommunikation da ist, sondern auch für pure Neugier und Entdeckerfreude. Manchmal braucht man eben keine sinnvolle Anwendung – manchmal reicht es, einfach mal zu schauen, was auf der anderen Seite der Welt passiert.

Zuletzt aktualisiert am 04.04.2026