Die ZEIT: Eine Qualitäts-Zeitung. Auch und besonders online. Das Onlineportal der ZEIT bietet hochwertige Inhalte, kritischen Journalismus, lesenswerte Artikel. Doch bereits 2019 bekam ZEIT.de den Big Brother Award – einen Negativ-Preis für datenschutzfeindliche Angebote. Der Grund: ZEIT.de liefere seine Leser an Meta (ehemals Facebook) aus. Ein Problem, das heute noch aktueller ist.
Die damalige Kritik von Digitalcourage trifft noch heute zu: Nachrichtenseiten wie ZEIT.de nutzen Werbetracker und Meta Pixel (früher Facebook Pixel). Diese unsichtbaren Tracking-Codes sammeln Daten über euer Surfverhalten und leiten sie an Meta weiter – oft ohne dass ihr es merkt.
Heute ist das Problem noch größer geworden: Mit der Einführung der Digital Services Act (DSA) 2024 stehen Plattformen wie Meta unter schärferer Beobachtung, doch das Tracking auf Nachrichtenseiten ist geblieben. Im Gegenteil – es ist sophistizierter geworden.
Was macht ein Meta Pixel heute?
Meta Pixel (ehemals Facebook Pixel) ist heute noch mächtiger als 2019. Die kleine Minidatei, die in Webseiten eingebaut wird, erfasst nicht nur euren Besuch, sondern auch:
- Scroll-Verhalten und Verweildauer
- Artikel, die ihr anklickt oder teilt
- Geräte-Informationen und Browser-Fingerprinting
- Cross-Device-Tracking zwischen Smartphone und Desktop
- Kaufverhalten und Conversion-Daten
Meta nutzt diese Daten für sein riesiges Werbenetzwerk, das heute Facebook, Instagram, WhatsApp und Threads umfasst. Das Meta-Pixel erstellt detaillierte Profile: Aha, die Person liest Wirtschaftsnachrichten, interessiert sich für Klimathemen, nutzt ein iPhone – perfekt für zielgerichtete Werbung.
Das Problem: Wenn alle Nachrichtenseiten mitmachen, entsteht ein lückenloses Profil eures Informationskonsums. Meta weiß dann besser als ihr selbst, wofür ihr euch interessiert.
Tracking-Situation 2026: Noch schlimmer geworden
Aktuelle Untersuchungen zeigen: Das Tracking-Problem hat sich verschärft. Während 2019 noch 83% der deutschen Nachrichtenseiten trackten, sind es heute nahezu alle großen Portale. Neue Tracking-Methoden kommen dazu:
Server-Side Tracking: Schwerer zu blockieren als klassische Pixel
Cookieless Tracking: Funktioniert auch ohne Cookies über Browser-Fingerprinting
AI-basierte Profilierung: Machine Learning erstellt noch präzisere Nutzerprofile
Real-Time Bidding: Eure Daten werden in Echtzeit versteigert
Besonders problematisch: Viele Seiten nutzen heute nicht nur Meta Pixel, sondern zusätzlich Google Analytics 4, TikTok Pixel, LinkedIn Insight Tag und weitere Tracker. Ein einziger Artikelaufruf kann Dutzende Tracking-Requests auslösen.
Selbst lokale Zeitungen wie die Allgäuer Zeitung oder die WAZ sind heute noch stärker vernetzt mit den großen Tech-Konzernen als vor fünf Jahren.
Öffentlich-rechtliche bleiben vorbildlich
Eine positive Entwicklung: Die öffentlich-rechtlichen Sender sind noch konsequenter geworden. ARD, ZDF und ihre Online-Angebote verzichten komplett auf externes Tracking. Tagesschau.de, heute.de und andere ÖR-Portale nutzen nur interne Analysetools ohne Datenweitergabe.
2024 haben die ÖR-Anstalten sogar ihre eigene, datenschutzkonforme Alternative zu YouTube gestartet: Die ARD-ZDF-Mediathek funktioniert komplett ohne Tracking durch US-Konzerne.
Ihr Vorteil: Als gebührenfinanzierte Medien sind sie nicht auf Werbeeinnahmen angewiesen und können sich echten Datenschutz leisten.
Neue Gesetze, alte Probleme
Trotz DSGVO, Digital Services Act und anderen EU-Gesetzen ist das Tracking-Problem ungelöst. Die Cookie-Banner sind zwar allgegenwärtig geworden, aber viele Nutzer klicken reflexartig auf „Alle akzeptieren“ – oft die prominenteste Option.
2025 hat die EU mit dem Data Governance Act nachgelegt, doch die Umsetzung hinkt hinterher. Verlage argumentieren weiterhin: Ohne Tracking-basierte Werbung können sie keine kostenlosen Inhalte anbieten.
Vorbildliche Lösungen gibt es trotzdem: Der Heise-Verlag bleibt bei seiner datenschutzfreundlichen Linie. Social-Media-Buttons werden nur mit expliziter Zustimmung aktiviert, Tracking ist minimal. Das Geschäftsmodell funktioniert trotzdem – durch Abos und kontextbezogene (statt personalisierte) Werbung.
So schützt ihr euch vor Tracking
Ihr müsst nicht hilflos zusehen. Diese Tools helfen gegen das Tracking:
Browser-Einstellungen: Firefox und Safari blockieren standardmäßig viele Tracker
Tracking-Blocker: uBlock Origin oder Privacy Badger als Browser-Erweiterungen
VPN-Dienste: Verschleiern eure IP-Adresse und erschweren Profiling
Alternative Browser: Brave oder DuckDuckGo Browser mit eingebautem Tracking-Schutz
Cookie-Management: Regelmäßig Cookies löschen oder automatisch blocken
Ein radikaler Ansatz: Nutzt hauptsächlich ÖR-Nachrichtenquellen oder Paid-Content ohne Werbung. Qualitätsjournalismus gibt es auch ohne Datensammlung.
Die Tracking-Industrie wird immer raffinierter, aber mit den richtigen Tools könnt ihr eure Privatsphäre schützen. Zeit wird’s – denn die großen Tech-Konzerne wissen heute mehr über euch als je zuvor.
Zuletzt aktualisiert am 04.03.2026