Darf man das noch sagen: White Hat und Black Hat?

von | 10.07.2020 | Digital

Die Debatte über sprachliche Sensibilität in der IT-Branche hat sich seit 2020 deutlich intensiviert. Was damals noch kontrovers diskutiert wurde, ist heute in vielen Unternehmen bereits Standard: die Umbenennung problematischer Begriffe in der Technologie-Welt.

Der Anstoß kam 2020 von Googles damaligem Android-Sicherheitschef David Kleidermacher, der seinen Auftritt bei der Sicherheitskonferenz „Black Hat“ absagte. Seine Begründung: Der Name wirke diskriminierend. Was damals noch als Überreaktion galt, hat inzwischen eine breite Veränderungswelle ausgelöst.

Von Black Hat zu Ethical Hacking: Der Wandel ist da

Die traditionelle Einteilung in „Black Hat“ und „White Hat“ Hacker prägte jahrzehntelang die IT-Sicherheitsbranche. „White Hat“ Hacker nutzen ihre Fähigkeiten konstruktiv und legal, während „Black Hat“ Hacker außerhalb des gesetzlichen Rahmens agieren – für Datendiebstahl, Betrug oder Spionage.

Heute sprechen viele Unternehmen lieber von „Ethical Hackern“ und „Malicious Hackern“ oder „Authorized“ vs. „Unauthorized“ Security Testing. Die berühmte Black Hat Konferenz in Las Vegas behält zwar ihren Namen, aber parallel etablieren sich neue Begriffe in der Branche.

Blacklist und Whitelist sind bereits Geschichte

Während die Hacker-Begriffe noch diskutiert werden, haben sich andere Änderungen bereits durchgesetzt. „Blacklist“ und „Whitelist“ findet ihr heute kaum noch in aktueller Software-Dokumentation. Stattdessen heißt es „Blocklist“ und „Allowlist“ – oder „Denylist“ und „Permitlist“.

Microsoft hat seit 2021 konsequent umgestellt, ebenso Google, Apple und die meisten Open-Source-Projekte. GitHub wechselte bereits 2020 von „Master“ zu „Main“ als Standard-Branch-Name. Diese Änderungen sind heute so selbstverständlich, dass neue Entwickler die alten Begriffe oft gar nicht mehr kennen.

Master-Slave wird zu Primary-Secondary

Bei Server-Architekturen ist der Wandel ebenfalls vollzogen. Statt „Master“ und „Slave“ sprechen Techniker heute von „Primary“ und „Secondary“, „Leader“ und „Follower“ oder „Main“ und „Replica“. Diese Begriffe sind nicht nur politisch korrekter, sondern oft auch technisch präziser.

Datenbank-Systeme wie MySQL, PostgreSQL und Redis haben ihre Dokumentation entsprechend angepasst. Auch Cloud-Anbieter wie AWS und Azure verwenden in neuen Services konsequent die moderneren Begriffe.

Weitere umstrittene IT-Begriffe auf dem Prüfstand

Die „Man-in-the-Middle-Attack“ heißt heute häufig „Person-in-the-Middle“ oder „Adversary-in-the-Middle-Attack“. Auch hier geht es um Inklusion – schließlich können solche Angriffe von Menschen jeden Geschlechts durchgeführt werden.

„Dummy“ wird oft durch „Placeholder“ oder „Sample“ ersetzt. „Sanity Check“ weicht „Validation Check“ oder „Smoke Test“. Selbst „Grandfathered“ (für alte, noch gültige Einstellungen) wird zu „Legacy“ oder „Deprecated“.

Widerstand und Akzeptanz in der Community

Die Reaktionen in der IT-Community sind gemischt. Viele Entwickler sehen die Änderungen pragmatisch: Wenn neue Begriffe klarer und inklusiver sind, warum nicht? Andere empfinden den Wandel als übertrieben oder ideologisch motiviert.

Interessant ist: Jüngere Entwickler adaptieren die neuen Begriffe meist problemlos, während langjährige IT-Profis manchmal noch in alten Denkmustern verhaftet sind. In internationalen Teams sind die neuen Begriffe oft verständlicher und weniger kulturell belastet.

Praktische Auswirkungen für IT-Teams

Für euren Arbeitsalltag bedeutet das: Neue Projekte sollten von Anfang an inklusive Begriffe verwenden. Bei Legacy-Systemen könkönnt ihr schrittweise umstellen – wobei der Fokus auf Konsistenz und Verständlichkeit liegen sollte.

Dokumentation, APIs und Benutzeroberflächen profitieren oft von den präziseren neuen Begriffen. „Allowlist“ ist eindeutiger als „Whitelist“, „Primary Server“ beschreibt die Funktion besser als „Master Server“.

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Fazit: Evolution statt Revolution

Die Sprachdebatte in der IT ist weniger Ideologie als praktische Evolution. Viele neue Begriffe sind nicht nur inklusiver, sondern auch technisch präziser. Was 2020 noch kontrovers war, ist heute oft Standard.

Die IT-Branche zeigt damit ihre Anpassungsfähigkeit: Sprache entwickelt sich weiter, Technologie auch. Letztendlich geht es darum, dass sich alle Beteiligten verstanden und willkommen fühlen – und das ist auch ein Qualitätsmerkmal professioneller IT-Arbeit.

Zuletzt aktualisiert am 28.02.2026