Digitalsteuer: Google lässt sie einfach uns zahlen

von | 04.09.2020 | Digital

Die großen Tech-Konzerne verdienen nicht nur weltweit Milliarden, sondern weisen auch jedes Quartal unfassbar hohe Gewinne aus. Das ist schön für die Aktionäre – bringt aber kaum Steuern ein. Denn die Digital-Companys sind Weltmeister in der Steuervermeidung. Das soll eine Digitalsteuer ändern. Doch dort, wo es sie schon gibt, schlägt Google sie einfach auf die Preise auf – und wir zahlen drauf.

Google, Meta, Microsoft, Apple: Die US-Konzerne verdienen Milliarden über Milliarden mit ihren Diensten – und machen unfassbare Gewinne. 2025 erzielte allein Alphabet (Google) einen Jahresumsatz von über 350 Milliarden Dollar. Branchenführer bleibt Google: Kein anderes Unternehmen verdient so viel mit digitaler Werbung und Cloud-Services. Das Problem bei diesen Konzernen, die praktisch nichts physisch herstellen, sondern „nur“ Dienstleistungen anbieten – aber das weltweit: Sie können alle sich bietenden Steuerlücken nutzen, ihr Geld nahezu beliebig zwischen Tochterunternehmen hin und her schieben und so systematisch Steuern vermeiden.

US-Konzerne zahlen bei uns immer noch viel zu wenig

Trotz jahrelanger Diskussionen kommen Google, Meta und Apple auf absurd niedrige Steuerquoten. Während kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland oft 30 Prozent oder mehr Steuern zahlen, drücken die Tech-Giganten ihre Quote durch geschickte Gewinnverschiebung auf einstellige Bereiche. Die Methoden sind dabei immer ausgefeilter geworden: Lizenzgebühren an irische Briefkastenfirmen, komplexe Holding-Strukturen in den Niederlanden oder Bermuda-Konstrukte.

Die großen Online-Konzerne monopolisieren ganze Märkte, sie verdrängen traditionelle Wirtschaftszweige – und zahlen dann nicht mal faire Steuern. Jedenfalls nicht dort, wo sie ihre Umsätze machen. Allein das ist schon ein enormer Wettbewerbsvorteil für Google und Co. Kein Startup in Berlin oder München kann da mithalten, wenn es von vornherein 25 Prozent mehr Steuern zahlen muss.

Digitalsteuer als Notbremse – aber mit Haken

Einige Länder wollen sich das nicht länger gefallen lassen und haben eine Digitalsteuer eingeführt. Die Idee: Wenn schon Luftbuchungen gemacht werden dürfen und Gewinne künstlich verschoben werden, dann führen wir halt eine Steuer ein, an der sie nicht vorbeikommen. Diese wird direkt auf den Umsatz erhoben, der in einem Land generiert wird – unabhängig von der Gewinnverschieberei.

Mittlerweile haben nicht nur Österreich, Großbritannien und die Türkei eine solche Digitalsteuer eingeführt, sondern auch Frankreich, Italien, Spanien und weitere EU-Länder. Die Steuersätze variieren zwischen zwei und sieben Prozent auf den Umsatz großer Digitalkonzerne.

Google Adwords

Google und Co. geben Digitalsteuer 1:1 weiter

Doch Google hat schnell eine Antwort gefunden: Das Unternehmen schlägt die Digitalsteuer einfach auf die Preise auf. In Großbritannien zahlen Werbekunden seit 2021 zwei Prozent mehr, in Österreich und der Türkei sogar fünf Prozent. Auch in Frankreich, Italien und anderen Ländern mit Digitalsteuer werden die Kosten direkt weitergereicht.

Das gleiche Spiel bei Meta (Facebook/Instagram), Apple und Amazon: Sie alle haben ihre Preise entsprechend angepasst. Amazon berechnet in Großbritannien beispielsweise eine separate „Digital Services Tax Fee“ bei seinen Marketplace-Verkäufern. Apple gibt die Kosten über höhere App Store-Gebühren weiter.

Am Ende zahlen wir alle drauf

Das Ergebnis: Werbekunden zahlen mehr für Google Ads, Spotify oder Netflix. Unternehmen zahlen mehr für Cloud-Services von Amazon oder Microsoft. App-Entwickler zahlen höhere Gebühren im App Store. Diese Mehrkosten landen am Ende bei uns Verbrauchern – in Form höherer Produktpreise, teurerer Apps oder gestiegener Abo-Gebühren.

Google macht sich damit einen schlanken Fuß: Die Digitalsteuer wird wie eine Mehrwertsteuer behandelt und einfach aufgeschlagen. Den Tech-Giganten reichen die abenteuerlichen Gewinnmargen von oft über 20 Prozent nicht. Sie unternehmen alles, um ihre Steuerlast zu minimieren – koste es, was es wolle.

Globale OECD-Mindeststeuer: Hoffnungsschimmer am Horizont

Einen Lichtblick gibt es: Die OECD-Mindeststeuer von 15 Prozent, die seit 2024 schrittweise eingeführt wird. Sie zielt darauf ab, dass multinationale Konzerne überall mindestens 15 Prozent Steuern zahlen müssen. Deutschland und die EU setzen diese Regeln bereits um.

Doch auch hier zeigen sich die ersten Schwächen: Viele Digitalkonzerne verlagern ihre Aktivitäten in Länder, die nicht mitmachen, oder nutzen neue Schlupflöcher. Zudem greifen die Regeln erst bei Konzernen mit einem Jahresumsatz über 750 Millionen Euro.

Dringend schärfere Regeln nötig

Die aktuellen Maßnahmen reichen nicht aus. Solange die Tech-Konzerne ihre Steuerlast einfach an Kunden weiterreichen können, verpufft die Wirkung der Digitalsteuer. Hier sind schärfere, koordinierte Maßnahmen nötig:

  • Verbot der direkten Weiterreichung von Digitalsteuern an Kunden
  • Schließung weiterer Steuerschlupflöcher auf EU-Ebene
  • Schärfere Durchsetzung der OECD-Mindeststeuer
  • Transparenzpflichten für die tatsächlich gezahlten Steuern

Solange Google, Meta und Co. ihre gesellschaftliche Verantwortung weiter von sich weisen, müssen Gesetzgeber weltweit den Druck erhöhen. Faire Besteuerung ist kein Nice-to-have, sondern eine Frage der Gerechtigkeit – und des fairen Wettbewerbs.

Zuletzt aktualisiert am 28.02.2026