Aktuelle Studie: Deutsche Büroangestellte verlieren pro Jahr eine Woche Arbeitszeit durch langsames Internet

von | 27.11.2022 | Internet

Deutsche Büroangestellte verlieren durch langsame Internetverbindungen durchschnittlich 46 Minuten Arbeitszeit pro Woche – das summiert sich auf knapp eine komplette Arbeitswoche pro Jahr. Trotz massiver Infrastruktur-Investitionen bleibt das Problem auch 2026 bestehen.

Die digitale Transformation hat sich längst in deutschen Büros durchgesetzt, doch ein Problem hartnäckig überlebt: langsame Internetverbindungen bremsen die Produktivität erheblich aus. Eine aktuelle Studie des Internetknoten-Betreibers DE-CIX zeigt, dass deutsche Büroangestellte – unabhängig vom Arbeitsort – im Durchschnitt 46 Minuten pro Woche durch Internetverzögerungen verlieren. Aufs Jahr hochgerechnet sind das 35 verlorene Arbeitsstunden.

Von allen befragten Büroangestellten geben 85 Prozent an, dass sie regelmäßig Arbeitszeit durch schlechte Internetverbindungen verlieren. Besonders gravierend: Bei 42 Prozent der Betroffenen beläuft sich dieser Verlust auf mehr als eine halbe Stunde pro Woche. 18 Prozent verlieren sogar über eine Stunde, und bei elf Prozent sind es mehr als zwei Stunden wöchentlich.

Häufigkeit der Verzögerungen nimmt zu

Die Situation hat sich 2026 eher verschlechtert als verbessert. Rund zwei Drittel (63 Prozent) der befragten Büroangestellten erleben mindestens einmal pro Monat spürbare Internetverzögerungen. Mehr als ein Drittel (38 Prozent) kämpft mehrmals wöchentlich oder sogar täglich mit Internetproblemen.

Interessant: Die Zahlen unterscheiden sich kaum zwischen verschiedenen Arbeitsmodellen. Unter Hybrid- und Homeoffice-Arbeitenden nehmen 35 Prozent täglich oder mehrmals pro Woche Verzögerungen wahr. Bei Vollzeit-Büroarbeitenden sind es sogar 40 Prozent – ein Hinweis darauf, dass auch Unternehmensnetze oft überlastet sind.

Geografisch zeigt sich ein überraschendes Bild: Großstädte sind häufiger von Verzögerungen betroffen als kleinere Orte. In Kleinstädten berichten 35 Prozent von regelmäßigen Problemen, in Mittelstädten 39 Prozent und in Großstädten 40 Prozent. Das deutet auf Überlastungsprobleme in dicht besiedelten Gebieten hin.

KI und Cloud-Tools verstärken das Problem

Die zunehmende Nutzung KI-basierter Tools hat das Bandbreitenproblem 2026 weiter verschärft. Während früher vor allem Videokonferenzen (39 Prozent) und Downloads (26 Prozent) betroffen waren, kommen nun rechenintensive KI-Anwendungen hinzu, die konstant hohe Datenraten benötigen.

Cloud-Anwendungen bereiten weiterhin 23 Prozent der Befragten Probleme, ebenso der E-Mail-Versand mit großen Anhängen. Neu hinzugekommen sind Verzögerungen bei:

  • KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Microsoft Copilot
  • Kollaborativen Whiteboard-Tools (Miro, Figma)
  • 4K/8K-Videostreaming für Präsentationen
  • Augmented Reality-Anwendungen für Remote-Support
  • Blockchain-basierten Anwendungen

Besonders problematisch: Viele dieser modernen Tools benötigen nicht nur hohe Bandbreiten, sondern auch niedrige Latenzen. Ein ruckelndes KI-Tool oder eine langsame Cloud-Anwendung kann ganze Workflows zum Erliegen bringen.

Ursachen: Infrastruktur hinkt der Digitalisierung hinterher

Trotz milliardenschwerer Investitionen in den Glasfaserausbau sehen Büroangestellte die Hauptursachen weiterhin bei der Infrastruktur. Netzüberlastung führt mit 37 Prozent die Liste an, gefolgt von schlechtem Netzausbau (27 Prozent).

Doch auch Unternehmen haben Nachholbedarf: 21 Prozent der Befragten kritisieren die interne Netzwerkinfrastruktur, 16 Prozent beklagen schlecht abgestimmte Software. Weitere häufige Ursachen sind:

– Überlastete Content-Server (20 Prozent)
– Unzureichende Bandbreite durch den Provider (17 Prozent)
– Veraltete Endgeräte (14 Prozent)
– Fehlende Quality-of-Service-Priorisierung
– Unzureichende Edge-Computing-Infrastruktur

Zukunft: KI und Metaverse brauchen bessere Netze

„Ruckelnde Videokonferenzen sind erst der Anfang“, erklärt Ivo Ivanov, Geschäftsführer bei DE-CIX. „KI-Anwendungen, Virtual Reality-Meetings und Edge-Computing-Szenarien stellen noch höhere Anforderungen an Latenz und Bandbreite. Was heute bei einer Videokonferenz nervt, wird morgen ganze Geschäftsprozesse lahmlegen.“

Tatsächlich zeigen erste Pilotprojekte mit VR-Meetings und KI-gestützten Collaboration-Tools: Ohne Latenzzeiten unter 20 Millisekunden und garantierte Bandbreiten sind diese Zukunftstechnologien nicht praxistauglich.

Die Lösung sehen Experten in direkten Cloud-Verbindungen und modernen Internet-Exchanges. Statt Umwege über das überlastete öffentliche Internet zu nehmen, können Unternehmen sich direkt mit Cloud-Anbietern verbinden. Das reduziert nicht nur Latenz und Ausfälle, sondern erhöht auch die Sicherheit.

Was Unternehmen jetzt tun können

Kurzfristige Maßnahmen für bessere Performance:

– Priorisierung geschäftskritischer Anwendungen via QoS
– Upgrade auf symmetrische Glasfaseranschlüsse
– Content Delivery Networks für häufig genutzte Inhalte
– Lokale Edge-Server für KI-Anwendungen
– Redundante Internetanbindungen

Langfristig führt kein Weg an direkten Cloud-Anbindungen und modernen Netzarchitekturen vorbei. Unternehmen, die heute investieren, verschaffen sich einen entscheidenden Produktivitätsvorteil.

Zuletzt aktualisiert am 20.02.2026