Amazon Handy Fire Phone

Amazon Handy Fire Phone

Amazon – kennen wir eigentlich alle. Der Schriftzug prangt auf den braunen Paketen, mit denen Paketboten Tag für Tag vor Haustüren stehen und klingeln. Amazon ist unbestreitbar der größte und erfolgsreichste Online-Versandhandel. Doch wer Amazon darauf reduziert, macht einen großen Fehler. Das Unternehmen will nach und nach zu einem Medienkonzern avancieren. Jetzt hat Amazon sogar ein eigenes Handy, ein Smartphone vorgestellt. Fire Phone heißt das Gerät – und damit steigt der Onlinedienst in einen Markt ein, der bereits hart umkämpft ist.

  • Brauchen wir wirklich noch ein Handy? Was kann Amazons Smartphone, was andere Modelle nicht können?

Auf den ersten Blick ist Amazons Fire Phone ein Luxus-Smartphone, wie wir sie kennen, so wie die Modelle von Apple, Samsung oder HTC. Hochwertig verarbeitet, reichlich Speicher, gute Kameraauflösung, 4,7-Zoll-Display, schneller Prozessor – alles ganz lar obere Liga. Aber das können andere eben auch. Amazon hat sich deshalb ein paar andere Gimmicks einfallen lassen, die das Amazon-Handy zu einem ausgefallenen Gerät machen, etwa ein 3D-Display und jede Menge Sensoren.

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  • 3D-Display? Ich hatte gedacht, 3D ist wieder auf dem Rückmarsch… Und jetzt kommt Amazon und baut Handys mit 3D-Display? Wozu?

Das stimmt: 3D ist vielleicht bei Fernsehern ein Thema, aber ganz sicher nicht auf dem Smartphone. Zumindest bislang. Es geht aber auch nicht um 3D-Filme oder 3D-Fernsehen, sondern um eine ganz eigene Art von 3D. Schaut man sich entsprechend präparierte Fotos im Amazon-Handy an, kann man das Gerät kippen und den Blickwinkel verändert. Der Benutzer bekommt dann einen jeweils angepassten Blick aufs Bild, was tatsächlich einen interessanten 3D-Effekt bringt. Die Fotos bekommen Tiefe und die Objekte so mehr Gestalt. Ganz ohne Brille. Funktioniert aber nur mit speziell für diesen Zweck präparierten Fotos – und ist daher eher eine Spielerei als eine wirklich sinnvolle Funktion.

  • Dann sollen aber auch noch jede Menge Sensoren im Handy eingebaut sein und man soll alles Mögliche damit erkennen können. Was ist damit gemeint, was geht da?

Es gibt einen speziellen Button an der Seite des Smartphones, der mit „Firefly“ umschrieben ist. Drückt man ihn, erkennt das Telefon alles Mögliche, etwa Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder Web-Adressen. Bedeutet: Schaut man mit der Kameralinse auf solche Informationen, werden sie gleich verarbeitet, man kann eine E-Mail schreiben, eine Adresse speichern, eine Webseite ansteuern. Das wäre noch nichts Besonderes, doch Firefly kann in der Tat noch mehr. Amazons Smartphone erkennt auch Kunstwerke, Bücher, Fernsehsendungen, CDs, DVDs, Barcodes oder das Etikett der Nudelpackung, wenn man möchte. Einmal gedrückt, erscheinen Informationen dazu auf dem Bildschirm.

  • Wie muss man sich das vorstellen: Man drückt den Knopf, und das Handy benutzt Mikrofone, Fotoapparat und andere Funktionen, um die Umgebung zu erkennen?

Das Fire versucht, die Umgebung zu erkennen – und zu interpretieren. Läuft gerade ein Musikstück, wird es erkannt und angezeigt. Da gibt es bereits Apps wie Shazam oder Soundhound, die so etwas können, das allein haut nun also keinen vom Hocker. Allerdings erkennt das Fire Phone auch Filme oder Serien, sogar die gerade gespielte Episode. Das hat Amazon-Chef Jeff Bezos anhand einer Folge „Game of Thrones“ demonstriert. Der Gag ist nun der, dass man nicht nur die Informationen gezeigt bekommt, sondern die Musik, den Film, die Serie auch gleich bei Amazon kaufen kann – oder ausleihen. Es gibt also eine direkte Anbindung an den Onlineshop und an die Onlinedienste von Amazon. Amazon will konkret Geld verdienen.

  • Wie geht denn das konkret vonstatten?

Amazon hat eine Datenbank mit 100 Millionen Einträgen aufgebaut, da sind entsprechende Informationen gespeichert. Das ist schon eine beeindruckende Sache, dass ein Gerät ein Kunstwerk oder eine Nudelsorte erkennen kann. Das passiert allerdings im Hintergrund, es werden Daten an Amazon übertragen, um die Analyse durchzuführen.

  • Praxistauglich? Ist das eine wirklich Konkurrenz zu Apple oder Samsung?

Die Idee zumindest ist ziemlich gut, weil sich das Fire Phone so eindrucksvoll von anderen Luxus-Handys abhebt. Eine solche Funktion bietet sonst keiner, jedenfalls nicht so umfassend. Für Amazon könnte sich das lohnen, denn wie oft hat man einen Kaufimpuls, just in dem Moment, in dem man etwas sieht oder hört? Mit dem Amazon-Handy kann man gleich zur Tat schreiten… Da lassen sich bestimmt gute Geschäfte machen. Ob das aber von den Leuten geschätzt wird, die so ein Handy benutzen, das wird sich zeigen. Apple und Samsung müssen jetzt nicht zittern, denn das Amazon-Handy ist recht teuer: Ab 650 Dollar ohne Vertrag – das ist nicht gerade ein Kampfpreis.

  • Was bezweckt Amazon damit, wieso will Amazon jetzt mit Macht in den Handy-Markt, der nun wahrlich hart umkämpft ist?

Es geht Amazon nicht darum, viele Handys zu verkaufen und damit Kasse zu machen. Das Unternehmen hat ganz andere Ziele: Amazon will zu einem führenden Medienkonzern werden, in derselben Liga wie Apple und Google spielen. Diese Konzerne bieten immer mehr Onlineinhalte an, ob Musik, Filme oder eBooks. Wer die Kontrolle über Tablets und Smartphones hat, der kann solche Inhalte leichter und besser verkaufen. Tablets baut Amazon schon länger, jetzt kommen auch noch Smartphones dazu. Mit dem Handy selbst will Amazon gar kein Geld verdienen, sondern mit den Inhalten und Abos, die später verkauft werden.

  • Wann geht Amazon an den Start?

Offizieller Verkaufsstart ist der 25. Juli in den USA. In Deutschland wird es das Fire Phone erst mal nicht geben, auch in den meisten anderen Ländern nicht. Denn dazu müsste auch die Datenbank mit den 100 Millionen Einträgen auf die Bedürfnisse des jeweiligen Landes angepasst werden, und das ist alles andere als einfach. Es wird also garantiert noch eine Weile dauern, bis es das Smartphone auch in Deutschland geben wird.

Amazon Fire Phone hands-on

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