Wer heute Antworten auf Fragen will, kann entweder eine Suchmaschine befragen – oder einen Chatbot wie ChatGPT, Claude oder Gemini. Mal sind Suchmaschinen besser geeignet, mal Chatbots. Aber wie hat sich das Suchverhalten in den letzten Jahren wirklich verändert?
Googeln – das steht bereits seit 2004 ganz offiziell als Verb im Duden. Googeln bedeutet, mit Hilfe der Suchmaschine Google nach Informationen zu suchen. Machen wir auch irgendwie alle – ganz oft am Tag. Oder? Tatsächlich hat sich unser Suchverhalten seit dem Durchbruch von ChatGPT Ende 2022 dramatisch verändert.
Und die Ingenieure haben sich neue Dinge einfallen lassen, allen voran KI-Chatbots. Die können nicht nur Fragen beantworten, sondern auch komplexe Aufgaben lösen, Code schreiben und kreative Texte verfassen. Haben klassische Suchmaschinen da eigentlich noch eine Chance?
Was haben eigentlich die Menschen früher gemacht, die noch nicht alles googeln konnten?
Wer suchet, der findet
Google Search vs. KI-Chatbots: Der neue Kampf um die Aufmerksamkeit
Man weiß es nicht – oder besser: Es ist in Vergessenheit geraten. In Büchern nachgeschlagen zum Beispiel – oder Lehrer, Wissenschaftler, Gelehrte, eben Menschen mit Kompetenz gefragt.
Ja, das hat bestimmt länger gedauert als heute. Ganz gewiss sogar. Aber zumindest war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Antworten Hand und Fuß hatten. Denn die Antworten waren gut überlegt, die Fragen wohl auch. Heute wird alles gefragt, bevor man auch nur nachdenkt. Googeln eben. Geht so schnell, ist so einfach.
Google kennt zwar nur selten die Antworten selbst, weiß aber, wo man nachschauen kann. Auf welcher Webseite, in welchem Video sich Informationen verbergen, die uns weiterhelfen könnten. Diese Art des Fragens haben wir uns alle antrainiert – und angewöhnt. So sehr, dass manche Menschen sogar „www.quarks.de“ in die Suchmaschine eintippen, obwohl sie die URL schon kennen.
Doch Google hat reagiert: Die Search Generative Experience (SGE) und der neue „AI Overview“ zeigen bereits KI-generierte Antworten direkt in den Suchergebnissen. Das Unternehmen versucht verzweifelt, den Anschluss an ChatGPT, Claude und Co. nicht zu verlieren.
Googles KI Bard kann jetzt auch in Deutschland benutzt werden
ChatGPT, Claude und Gemini: Die neuen Antwortmaschinen
So ist das mit Technologie: So praktisch sie in der Regel ist, sie macht eben auch träge und bequem. Es ist sogar ein bisschen die Aufgabe von Technologie: Sie soll uns Arbeit abnehmen oder diese erleichtern.
Doch jetzt gibt es eine Technologie, die lässt sogar das Googeln anstrengend erscheinen. Wer einen Chatbot wie ChatGPT (mittlerweile in Version GPT-4o), Claude 3.5 Sonnet oder Googles Gemini Advanced befragt, der bekommt nicht einfach nur eine lange Liste mit Hinweisen angeboten, wo man nachgucken muss oder kann, sondern gleich die Antworten präsentiert.
Die neuesten Modelle sind dabei beeindruckend leistungsfähig geworden. Sie können nicht nur einfache Fragen beantworten, sondern auch komplexe Analysen durchführen, Bilder interpretieren, Code debuggen und sogar mehrstündige Audio-Dateien zusammenfassen. ChatGPT kann seit 2024 sogar direkt im Internet suchen und aktuelle Informationen abrufen.
Man erspart sich also in vielen Fällen mehrere Arbeitsschritte, das lästige Durchklicken verschiedener Webseiten oder das Anschauen ganzer Videos. Die KI filtert, fasst zusammen und liefert maßgeschneiderte Antworten.
Google will seine Suchmaschine revolutionieren
Wenn KI-Modelle „halluzinieren“
Kein Wunder, dass Chatbots seit 2023 so viele Menschen begeistern. Mich auch. Wenn ich zum Beispiel wissen will, wie oft das Herz eines Kolibris schlägt, liefert mir der Chatbot gleich die Antwort: 500 bis 600 Mal pro Minute, im Flug sogar bis zu 1200 Mal. Die Antwort kommt so blitzschnell, da hätte ich auf keiner noch so gut gestalteten Webseite nachschauen können.
Doch es gibt auch Fälle, da kennt der Chatbot die richtige Antwort nicht – sagt es aber nicht, sondern präsentiert überzeugend klingenden Unsinn. „Halluzinieren“, nennen die Experten das. Obwohl die neuesten Modelle wie GPT-4o oder Claude 3.5 deutlich zuverlässiger geworden sind, passiert das immer noch.
Das kann einem auch bei einem menschlichen Experten passieren. Keine Frage. Aber irgendwie erwarten wir von KI-Systemen Unfehlbarkeit. Dabei sind sie letztendlich statistische Modelle, die auf Basis von Wahrscheinlichkeiten antworten – nicht auf Basis von echtem „Verstehen“.
Aber geht das überhaupt? Denn es gibt auch Fragen, die lassen sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Fragen etwa, die mit Politik, Ethik oder Ideologie zu tun haben. „Wie viele Geschlechter gibt es?“ Wer ChatGPT diese Frage stellt, bekommt fast schon einen kleinen Aufsatz mit verschiedenen Perspektiven, aber keine definitive Antwort. Das ist diplomatisch, aber ist es hilfreich?
KI-Chatbots bieten individuelle, kontextuelle Antworten
Chatbots haben bereits die Art und Weise verändert, wie wir Wissen im Netz nachschlagen. Sie formen unsere Erwartungen um. Und deshalb haben Google, Microsoft und andere ihre Suchmaschinen elegant mit ihren KI-Modellen verbunden. Perplexity AI hat diesen Hybrid-Ansatz sogar zu seinem Hauptmerkmal gemacht: KI-Antworten mit direkten Quellenangaben.
Mal sollen die KI-Systeme direkt antworten – wenn es eine klare Antwort gibt. Etwa, wie oft das Herz eines Kolibris schlägt. Oder eine individuelle, denn das ist eine echte Stärke von Chatbots: Sie können auf den Fragesteller eingehen, den Kontext berücksichtigen und passende, personalisierte Antworten liefern.
Ein Beispiel: Fragt ein Grundschüler nach Photosynthese, erklärt die KI es anders als einem Biologiestudenten. Diese adaptive Kommunikation können traditionelle Suchmaschinen nicht leisten.
Die Zukunft des Suchens: Hybrid ist Trumpf
Dafür sind klassische Suchmaschinen weniger manipulierbar. Weder durch die Art der Fragen, noch durch versteckte Bias in den Trainingsdaten. Sie verweisen auf verschiedene Webangebote oder Videos – und der Benutzer wählt aus, was ihm interessant oder passend erscheint. Suchmaschinen sind transparenter in ihrer Funktionsweise. Weniger wie eine Black Box.
Ein Chatbot liefert eine Antwort – eine Suchmaschine ganz viele Stellen, wo man potenzielle Antworten finden kann. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, je nach Situation und Fragestellung.
Die Realität 2026 sieht so aus: Die meisten von uns nutzen beide Werkzeuge parallel. Für schnelle Faktenchecks und komplexe Analysen greifen wir zu ChatGPT oder Claude. Für aktuelle Nachrichten, Shopping oder wenn wir verschiedene Meinungen zu einem Thema hören wollen, googeln wir weiterhin.
Nur eine Frage kann mir der Chatbot meiner Wahl immer noch nicht beantworten: Was demnächst anstelle oder neben „Googeln“ im Duden steht. Als Verb für „Einen Chatbot befragen“. „Prompten“ vielleicht? Das wird sich noch zeigen.
Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026