Apple und Google kassieren Milliarden mit ihrer App-Store-Dominanz

von | 30.09.2020 | macOS

Smartphone-Nutzer zahlen Milliarden über App-Stores von Apple und Google – doch die Tech-Riesen kassieren bis zu 30% Provision. Nach Jahren der Kritik zeigen neue Gesetze wie der Digital Markets Act erste Wirkung, doch echte Wahlfreiheit bleibt Wunschdenken. Die Koalition für App-Fairness kämpft weiter für grundlegende Rechte von Entwicklern und Nutzern.

Die digitalen Königreiche von Apple und Google sind mächtiger denn je. Während sich die analoge Welt an Gesetze und Regularien halten muss, schreiben die Tech-Giganten in ihren App-Stores noch immer weitgehend ihre eigenen Regeln – trotz neuer EU-Gesetze und wachsender Kritik.

Der Grund ist simpel: Sie können es sich leisten. Millionen von Entwicklern und Milliarden von Nutzern haben kaum eine Alternative zu iOS und Android. Diese Marktmacht nutzen Apple und Google geschickt aus.

Digital Markets Act bringt erste Veränderungen

Seit März 2024 ist der Digital Markets Act (DMA) der EU in Kraft – ein Gesetz, das die Macht der großen Plattformen begrenzen soll. Apple musste daraufhin erstmals alternative App-Stores auf dem iPhone zulassen, allerdings nur in der EU und mit so vielen Hürden, dass kaum jemand davon Gebrauch macht.

Die Realität: Alternative App-Stores wie AltStore PAL oder Setapp Mobile fristen ein Nischendasein. Apple verlangt von Entwicklern eine „Core Technology Fee“ von 0,50 Euro pro Installation nach den ersten eine Million Downloads. Viele Entwickler schreckt das ab.

Google reagierte ähnlich zögerlich und öffnete Android nur minimal für Drittanbieter-Stores. Die Samsung Galaxy Store oder Amazons Appstore bleiben bedeutungslos im Vergleich zu Google Play.

Die 30-Prozent-Steuer bleibt weitgehend bestehen

Trotz aller Regulierungsversuche kassieren Apple und Google weiterhin ihre berüchtigte „30-Prozent-Steuer“ auf App-Käufe und In-App-Transaktionen. Nur bei wenigen Kategorien wie Dating-Apps oder in speziellen Regionen gibt es Ausnahmen.

Die Zahlen sind beeindruckend: Apple generierte 2025 geschätzte 85 Milliarden Dollar Umsatz über den App Store – das bedeutet rund 25 Milliarden Dollar reine Provision. Google Play kommt auf etwa 48 Milliarden Dollar Umsatz. Zusammen kontrollieren beide Konzerne über 95% des mobilen App-Marktes.

Neue Geschäftsmodelle werden ausgebremst

Besonders problematisch wird die App-Store-Dominanz bei neuen Technologien. KI-Apps, Web3-Anwendungen oder NFT-Marktplätze haben es schwer, da Apple und Google strenge Richtlinien durchsetzen. Viele innovative Apps werden erst gar nicht zugelassen oder müssen ihre Geschäftsmodelle komplett ändern.

Ein aktuelles Beispiel: Apps mit KI-generiertem Content müssen seit 2024 besondere Kennzeichnungen verwenden und unterliegen strengeren Prüfungen. Das bremst Innovation aus und gibt den etablierten Playern Vorteile.

Coalition for App Fairness kämpft weiter

Die 2020 gegründete Coalition for App-Fairness hat mittlerweile über 70 Mitglieder, darunter Spotify, Epic Games, Basecamp und viele kleinere Entwickler. Ihre ursprünglich zehn Forderungen sind heute aktueller denn je:

  • Echte Wahlfreiheit bei App-Stores und Zahlungsmethoden
  • Transparente und faire Gebührenstrukturen
  • Keine Bevorzugung eigener Apps der Plattformbetreiber
  • Schutz vor willkürlichen Regeländerungen
  • Datenschutz und Portabilität

Spotify beispielsweise kämpft noch immer gegen Apples Bevorzugung von Apple Music. Während Apple bei seinem eigenen Dienst 100% der Einnahmen behält, muss Spotify 30% abgeben – ein klarer Wettbewerbsnachteil.

Nutzer bleiben die Verlierer

Wir Smartphone-Besitzer haben auch 2026 kaum echte Wahlfreiheit. Obwohl wir hunderte oder sogar über tausend Euro für unsere Geräte zahlen, entscheiden andere, welche Software wir nutzen dürfen.

Apples „Walled Garden“ ist weiterhin hermetisch abgeriegelt. Selbst das Sideloading (Installation von Apps außerhalb des App Store) bleibt in den meisten Ländern unmöglich. Android ist theoretisch offener, aber Google macht alternative Installationen so umständlich, dass die meisten Nutzer aufgeben.

Hoffnung durch weitere Regulierung

Die EU arbeitet bereits an Nachbesserungen des DMA. Bis Ende 2026 soll eine Evaluierung zeigen, ob die Regeln verschärft werden müssen. Parallel dazu untersuchen Wettbewerbsbehörden in den USA, Großbritannien und anderen Ländern die App-Store-Praktiken.

Südkorea und die Niederlande haben bereits eigene Gesetze erlassen, die alternative Zahlungsmethoden erzwingen. Japan und Australien diskutieren ähnliche Schritte.

Doch echte Veränderung wird Zeit brauchen. Apple und Google haben jahrelang ihre Marktposition ausgebaut und werden sie nicht freiwillig aufgeben. Für Entwickler und Nutzer bleibt die Hoffnung auf weitere regulatorische Eingriffe – und vielleicht den Mut, auch mal einen alternativen App-Store auszuprobieren.

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Zuletzt aktualisiert am 27.02.2026