Big Brother Award 2025: Meta, EU-Chatkontrolle und Smart Cities

von | 11.06.2021 | Surftipp

Der Big Brother Award deckt jedes Jahr die größten Datenschutz-Sünden auf. Die Preisträger 2025 zeigen: KI-Überwachung, digitale Gesundheitsakte und Smart-City-Projekte bedrohen unsere Privatsphäre mehr denn je. Ein Blick auf die aktuellen Gewinner und warum sie uns alle angehen sollten.

Datenschutz wird in Zeiten von KI und allgegenwärtiger Datensammlung immer wichtiger. Der „Big Brother Award“ des Vereins Digitalcourage aus Bielefeld prangert seit über 20 Jahren die schlimmsten Datenschutz-Verstöße an. Die Preisträger 2025 zeigen deutlich: Künstliche Intelligenz und die fortschreitende Digitalisierung schaffen neue Überwachungsmöglichkeiten, die George Orwell sich nicht hätte träumen lassen.

Autos übertragen künftig Daten an Behörden und Hersteller

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Meta und TikTok: KI-Training mit unseren Daten

Die großen Tech-Konzerne stehen 2025 wieder im Fokus – allerdings aus neuen Gründen. Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp) und TikTok teilen sich den Preis in der Kategorie „KI und Datenmissbrauch“. Beide Unternehmen nutzen seit 2024 massenhaft Nutzerdaten zum Training ihrer KI-Modelle – oft ohne explizite Zustimmung der User.

Besonders perfide: Die Opt-Out-Verfahren sind bewusst kompliziert gestaltet. Bei Meta müsst ihr durch mehrere Menüebenen navigieren, um der Datennutzung für KI-Training zu widersprechen. TikTok macht es noch dreister und versteckt die Einstellungen in den Datenschutzrichtlinien. Das Resultat: 95% aller Nutzer wissen nicht einmal, dass ihre Fotos, Videos und Texte KI-Systeme trainieren.

Digitale Gesundheitsakte: Gläserne Patienten durch die Hintertür

Einen besonders brisanten Preis erhält 2025 die elektronische Patientenakte (ePA) in ihrer aktuellen Form. Was als Fortschritt für die Gesundheitsversorgung beworben wird, entpuppt sich als Datenschutz-Albtraum. Seit der Einführung der ePA 2.0 werden standardmäßig alle Gesundheitsdaten zentral gespeichert – es sei denn, ihr widersprecht aktiv.

Das Problem: Die Widerspruchsmöglichkeiten sind unzureichend kommuniziert. Viele Patienten wissen nicht, dass ihre komplette Krankengeschichte, Medikamentenpläne und sogar Psychotherapie-Notizen in der Cloud landen. Noch bedenklicher: Krankenkassen, Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen erhalten unter bestimmten Umständen Zugriff auf anonymisierte Datensätze – die sich oft leicht re-identifizieren lassen.

BBA kritisiert Doctolib wegen mangelndem Datenschutz

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Smart City Hamburg: Totalüberwachung im Namen der Effizienz

Einen Sonderpreis erhält die Stadt Hamburg für ihr „Smart City“-Projekt. Was als moderne Stadtplanung verkauft wird, ist faktisch ein flächendeckendes Überwachungssystem. Hunderte von KI-gestützten Kameras analysieren in Echtzeit das Verhalten der Bürger. Offiziell geht es um Verkehrsoptimierung und Sicherheit – tatsächlich werden aber weit mehr Daten gesammelt.

Die KI-Systeme erkennen nicht nur Gesichter, sondern analysieren auch Gangarten, Kleidung und sogar emotionale Zustände. Diese Daten werden mit anderen städtischen Datenbanken verknüpft: ÖPNV-Nutzung, Bibliotheksbesuche, Anmeldedaten. Das Ergebnis: Ein digitaler Zwilling jedes Hamburger Bürgers, der Bewegungsmuster und Gewohnheiten bis ins kleinste Detail abbildet.

Amazon Alexa: Heimliche Aufzeichnungen werden zur KI-Goldgrube

Amazon kassiert 2025 einen Preis für den Umgang mit Alexa-Aufzeichnungen. Interne Dokumente zeigen: Der Konzern wertet systematisch auch die „versehentlichen“ Aktivierungen aus, bei denen Alexa unbemerkt private Gespräche mitschneidet. Diese Daten fließen direkt in die KI-Entwicklung und werden sogar für personalisierte Werbung genutzt.

Besonders brisant: Amazon gibt diese Daten teilweise an Drittanbieter weiter. Versicherungen, Arbeitgeber und sogar Vermieter können unter Umständen Einblicke in eure Privatsphäre erhalten. Der Konzern argumentiert mit „Verbesserung der Nutzererfahrung“ – tatsächlich geht es um knallharte Kommerzialisierung intimster Daten.

EU-Chatkontrolle: Wenn gute Absichten zu schlechten Gesetzen werden

Einen besonderen Preis erhält die EU-Kommission für die geplante „Chatkontrolle“. Unter dem Vorwand, Kindesmissbrauch zu bekämpfen, sollen alle privaten Nachrichten automatisiert überwacht werden. KI-Systeme würden jeden Chat, jede E-Mail und jede Sprachnachricht scannen – ein beispielloser Eingriff in die Privatsphäre von 450 Millionen EU-Bürgern.

Experten warnen: Die KI-Systeme produzieren massenhaft Fehlalarme und würden die Ermittlungsbehörden überlasten. Gleichzeitig schaffen sie eine Infrastruktur für Totalüberwachung, die später für andere Zwecke missbraucht werden könnte. Echte Kriminelle werden ohnehin auf verschlüsselte Messenger ausweichen.

Was ihr tun könnt: Praktische Schritte zum Schutz eurer Daten

Die Big Brother Awards zeigen: Datenschutz ist kein abstraktes Thema, sondern betrifft uns alle konkret. Ihr könnt aber handeln:

  • Überprüft regelmäßig eure Datenschutzeinstellungen in sozialen Netzwerken
  • Widersprecht der Nutzung eurer Daten für KI-Training
  • Nutzt alternative Messenger wie Signal oder Threema
  • Informiert euch über eure Rechte bei der elektronischen Patientenakte
  • Unterstützt Organisationen wie Digitalcourage, die sich für eure Privatsphäre einsetzen

Der Big Brother Award ist mehr als nur ein Protest – er ist ein wichtiger Weckruf. Denn am Ende entscheidet jeder von uns mit seinem Verhalten, ob wir in einer freien digitalen Gesellschaft oder einem gläsernen Überwachungsstaat leben wollen.

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Zuletzt aktualisiert am 25.02.2026