Bitcoin verursacht nicht nur massive CO2-Emissionen, sondern auch eine gewaltige Elektroschrott-Lawine. Neue Studien zeigen: Pro Bitcoin-Transaktion fallen über 270 Gramm E-Schrott an – so viel wie zwei weggeworfene Smartphones. Während andere Kryptowährungen auf umweltfreundlichere Methoden setzen, bleibt Bitcoin ein Klimakiller.
Der Bitcoin-Kurs hat sich seit 2021 dramatisch entwickelt: Nach dem Allzeithoch von über 73.000 Dollar Ende 2024 schwankt er zwischen 40.000 und 60.000 Dollar. Trotz aller Volatilität prognostizieren manche Analysten weiterhin Kurse von über 100.000 Dollar.
Der Grund für den anhaltend hohen Wert liegt in der künstlichen Verknappung: Es wird niemals mehr als 21 Millionen Bitcoin geben. Diese bewusst gesetzte Obergrenze macht Bitcoin für Investoren attraktiv – doch die Umweltkosten sind verheerend.
Mining verschlingt so viel Strom wie ganze Länder
Bis zur finalen Bitcoin-Anzahl läuft das energieintensive „Mining“ auf Hochtouren. Gigantische Rechenzentren weltweit – mittlerweile vor allem in den USA, Kasachstan und Russland – versuchen rund um die Uhr, neue Bitcoins zu „schürfen“.
Nach Chinas Mining-Verbot 2021 verlagerte sich die Industrie, doch der Energiehunger blieb ungebrochen. Aktuelle Zahlen sind erschreckend: Das gesamte Bitcoin-Netzwerk verbraucht jährlich etwa 150 Terawattstunden Strom – mehr als Länder wie Argentinien oder die Niederlande. Pro Bitcoin-Transaktion werden rund 700 Kilowattstunden benötigt, genug um einen Haushalt drei Wochen lang zu versorgen.
Der CO2-Fußabdruck ist entsprechend gigantisch: Schätzungen gehen von 65 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Zum Vergleich: Das entspricht den jährlichen Emissionen der Schweiz.
Die Hardware zum Mining wird durchschnittlich nur ein Jahr und vier Monate eingesetzt
E-Schrott-Tsunami durch Bitcoin-Mining
Noch dramatischer sind die Erkenntnisse zur Hardware-Verschwendung. Die für Bitcoin-Mining optimierten ASIC-Chips (Application-Specific Integrated Circuits) werden ausschließlich für diese eine Aufgabe produziert. Sobald neuere, effizientere Hardware auf denMarkt kommt, landen die „alten“ Geräte im Müll – im Schnitt bereits nach 16 Monaten.
Aktuelle Studien beziffern den jährlichen E-Schrott-Berg auf über 35.000 Tonnen – Tendenz steigend. Pro Bitcoin-Transaktion entstehen etwa 272 Gramm Elektromüll. Das klingt wenig, summiert sich aber gewaltig: Bei täglich rund 300.000 Transaktionen entspricht das dem Gewicht von über einer Million weggeworfener Smartphones pro Tag.
Besonders problematisch: Diese spezialisierte Hardware lässt sich nicht für andere Zwecke nutzen. Während ein alter Computer noch als Server oder für einfache Aufgaben taugt, sind ausgediente Bitcoin-Miner komplett wertlos.
Andere Kryptowährungen zeigen: Es geht auch anders
Während Bitcoin stur an seinem umweltschädlichen „Proof-of-Work“-System festhält, haben andere große Kryptowährungen längst umgestellt. Ethereum vollzog 2022 den Wechsel zu „Proof-of-Stake“ und reduzierte seinen Energieverbrauch um über 99 Prozent.
Bei Proof-of-Stake müssen Teilnehmer Coins als Sicherheit hinterlegen, anstatt Rechenrätsel zu lösen. Dadurch entfällt der Bedarf an energiehungriger Spezial-Hardware komplett. Neuere Kryptowährungen wie Cardano oder Solana setzen von Anfang an auf diese umweltfreundlichere Technologie.
Selbst traditionelle Banksysteme schneiden im Vergleich besser ab: Eine Kreditkartentransaktion verbraucht etwa 1,5 Wattstunden – Bitcoin benötigt das 400-fache. Dabei wickeln Kreditkartennetzwerke täglich Millionen mehr Transaktionen ab.
Regulierung und Gegenmaßnahmen
Immer mehr Länder reagieren auf Bitcoins Umweltprobleme. Die EU diskutiert ein Mining-Verbot für umweltschädliche Kryptowährungen. Einige US-Bundesstaaten haben bereits Moratorien für neue Mining-Farmen verhängt.
Tech-Konzerne ziehen Konsequenzen: Tesla stoppte 2021 Bitcoin-Zahlungen wegen Umweltbedenken. Andere Unternehmen setzen auf „grünes“ Mining mit erneuerbaren Energien – doch das löst das E-Schrott-Problem nicht.
Mining-Unternehmen versuchen gegenzusteuern: Manche nutzen überschüssige erneuerbare Energie oder Abwärme zum Heizen. Doch solche Ansätze bleiben Tropfen auf den heißen Stein.
Der Kurs einer Kryptowährung orientiert sich an der Erwartung
Die unbequeme Wahrheit
Bitcoin-Befürworter argumentieren gerne mit dem Energieverbrauch traditioneller Banken oder der Goldförderung. Doch dieser Vergleich hinkt: Banken wickeln täglich Milliarden von Transaktionen ab und bieten komplexe Finanzdienstleistungen. Bitcoin schafft gerade mal 300.000 Transaktionen täglich – bei einem Vielfachen des Energiebedarfs.
Die Realität ist ernüchternd: Bitcoin wird hauptsächlich als Spekulationsobjekt genutzt, nicht als Zahlungsmittel. Für diese begrenzte Funktion einen derartigen Umweltschaden zu verursachen, ist schwer zu rechtfertigen.
Solange Bitcoin nicht auf umweltfreundlichere Technologien umstellt, bleibt es ein Klimakiller ersten Ranges – mit einer E-Schrott-Bilanz, die jeden Umweltschützer das Fürchten lehrt.