BKA warnt: Enkeltrick mit KI wird immer gefährlicher

von | 04.04.2023 | Internet

Das Bundeskriminalamt schlägt erneut Alarm: Der Enkeltrick über WhatsApp, Telegram und Co. boomt weiterhin. Allein 2025 entstanden Schäden in Millionenhöhe. Messenger-Nutzer sollten bei verdächtigen Nachrichten höchste Vorsicht walten lassen.

Der Enkeltrickbetrug hat sich 2025/2026 längst vollständig ins digitale Zeitalter verlagert. Was früher klassisch per Telefon ablief, passiert heute hauptsächlich über Messenger-Dienste wie WhatsApp, Telegram, Signal oder sogar Instagram Direct Messages. Die Betrüger werden dabei immer raffinierter – und leider auch erfolgreicher.

Die neuesten BKA-Statistiken zeigen: Über 15.000 Fälle wurden allein 2025 registriert, der Gesamtschaden liegt bei über 80 Millionen Euro. Besonders perfide: Die Täter nutzen mittlerweile auch KI-generierte Profilbilder und sogar Deepfake-Sprachnachrichten, um ihre Opfer zu täuschen.

KI macht Betrüger noch gefährlicher

Der moderne Enkeltrick 2026 funktioniert so: Eine unbekannte Nummer meldet sich via WhatsApp mit „Hallo Mama/Papa/Oma, ich habe eine neue Handynummer“. Was folgt, ist eine emotionale Geschichte über finanzielle Notlagen, gesperrte Bankkonten oder dringende Rechnungen.

Neu ist: Die Betrüger nutzen ChatGPT und ähnliche KI-Tools, um authentische Nachrichten zu verfassen. Sie analysieren öffentliche Social-Media-Profile ihrer Opfer und passen Sprache und Details entsprechend an. Manche verwenden sogar KI-generierte Sprachnachrichten, die der Stimme des vermeintlichen Verwandten täuschend ähnlich klingen.

Die Täter greifen auch auf kompromittierte Kontakte zu. Haben sie erstmal Zugriff auf ein WhatsApp-Konto, können sie dessen Kontaktliste nutzen, um weitere Opfer anzuschreiben – mit dem Vorteil, dass sie bereits in der Kontaktliste stehen.

Neue Tricks: Von Krypto bis Fake-Banking

Statt nur nach klassischen Überweisungen zu fragen, haben die Betrüger 2026 ihr Arsenal erweitert:

  • Kryptowährungen: „Kannst du mir schnell Bitcoin kaufen? Ich erklär dir, wie das geht.“
  • PayPal/Revolut: Angeblich unkomplizierte Sofort-Transfers
  • Fake-Banking-Apps: Opfer werden dazu verleitet, gefälschte Banking-Apps zu installieren
  • Gift Cards: Amazon-, Apple- oder Google-Gutscheine als „temporäre Lösung“

Besonders heimtückisch: Die Betrüger bauen oft über mehrere Tage Vertrauen auf, bevor sie nach Geld fragen. Sie führen normale Unterhaltungen und nutzen dabei Informationen aus Social Media, um authentisch zu wirken.

WhatsApp TImer

So schützt ihr euch effektiv

Die wichtigste Regel bleibt: Niemals Geld aufgrund einer Messenger-Nachricht überweisen, egal wie dringend es klingt. Diese Schritte helfen:

Sofort-Check: Bei unbekannten Nummern immer über den bekannten Kontaktweg (alte Handynummer, Festnetz) nachfragen. Echte Verwandte haben kein Problem damit, ihre Identität zu bestätigen.

Sprach-Test: Besteht auf einem Telefonat. Deepfake-Audio ist zwar möglich, aber noch nicht perfekt genug für spontane Gespräche.

Zeit lassen: Betrüger erzeugen künstlichen Zeitdruck. Echte Notfälle lassen sich fast immer anders lösen als durch Geldtransfers an Fremde.

WhatsApp-Einstellungen optimieren: Stellt eure Privatsphäre-Einstellungen so ein, dass nur bekannte Kontakte euer Profilbild und den „Zuletzt online“-Status sehen können.

Technische Schutzmaßnahmen nutzen

Moderne Smartphones bieten zusätzliche Schutzfunktionen:

Spam-Filter aktivieren: WhatsApp, Telegram und andere Dienste haben mittlerweile KI-basierte Spam-Erkennung. Aktiviert diese Features in den Einstellungen.

Zwei-Faktor-Authentifizierung: Schützt eure Messenger-Konten mit zusätzlichen PIN-Codes. Bei WhatsApp findet ihr das unter „Einstellungen > Konto > Verifizierung in zwei Schritten“.

Banking-Apps sichern: Nutzt biometrische Authentifizierung und installiert niemals Banking-Apps über Links aus Nachrichten – immer nur aus den offiziellen App Stores.

Regelmäßige Updates: Hält eure Messenger-Apps und das Betriebssystem aktuell. Sicherheitslücken werden ständig geschlossen.

Was tun im Betrugsfall?

Falls ihr bereits Opfer geworden seid: Sofort zur Polizei und Anzeige erstatten. Bei Überweisungen umgehend die Bank kontaktieren – manchmal lassen sich Transaktionen noch stoppen. Screenshots der Unterhaltung sichern, bevor ihr die Nummer blockiert.

Die Aufklärungsquote ist leider niedrig, da die Täter oft aus dem Ausland agieren. Aber jede Anzeige hilft den Ermittlern, Muster zu erkennen und andere zu warnen.

Fazit: Der Enkeltrick wird durch KI und bessere technische Möglichkeiten immer raffinierter. Gesunder Menschenverstand und technische Vorsichtsmaßnahmen sind eure beste Verteidigung. Redet auch mit Verwandten über diese Betrugsmaschen – Aufklärung ist der beste Schutz.

Zuletzt aktualisiert am 19.02.2026