Wer wissen will, wie die Volksseele tickt, der müsste nur etwas erfinden, das alle benutzen. Wo die Menschen Fragen stellen, ihre Sorgen formulieren, nach Antworten suchen. Und wenn es nur genug Menschen nutzen, weiß man Bescheid. Aber halt: Das gibt es ja längst und nennt sich Google. Deshalb ist es praktisch, dass Google uns jedes Jahr verrät, wonach wir gesucht haben.
Die jährlichen Google-Suchtrends sind zu einem kulturellen Barometer geworden. Sie spiegeln wider, was uns bewegt, erschreckt, begeistert oder verwirrt hat. Ein Rückblick auf das Jahr 2017 zeigt: Die Deutschen suchten nach Orientierung in turbulenten Zeiten.
Die Suchtrends von 2017 erzählen die Geschichte eines Jahres voller politischer Umbrüche und gesellschaftlicher Veränderungen. Manche Dinge waren vorhersehbar – etwa dass wir uns für die Bundestagswahl interessierten oder für Sportereignisse. Andere Trends überraschten selbst die Google-Experten.
Die großen Themen des Jahres
Bei den Schlagzeilen dominierten politische Ereignisse die Google-Suchtrends 2017. Die Bundestagswahl führte die Liste an, gefolgt vom G20-Gipfel in Hamburg und der Katalonienkrise. Bemerkenswert: Bitcoin schaffte es bereits 2017 auf Platz 2 der Schlagzeilen – ein Vorbote der Kryptowährungshype, der in den Folgejahren explodieren sollte.
Schlagzeilen
- Bundestagswahl
- Bitcoin
- G20
- Katalonien
- Nordkorea
- Marcel Heße
- Elbphilharmonie
- Ehe für alle
- Wahl NRW
- Wahl Frankreich
Suchbegriffe
Bei den Suchbegriffen des Jahres lagen „Bundestagswahl“ und der entsprechende „Wahlomat“ bis Anfang Dezember klar vorne. Doch kurz vor Jahresende schoss sich das Thema Fußball an die Spitze: Die „WM-Auslosung“ erzielte den größten Anstieg im Suchinteresse und wurde damit Suchbegriff des Jahres 2017.
Interessant aus heutiger Sicht: Das iPhone 8 und iPhone X standen damals noch hoch im Kurs der Suchenden. Apple konnte 2017 noch zwei Geräte gleichzeitig in die Top 10 platzieren – heute undenkbar bei der verlängerten Produktzyklen.
- WM Auslosung
- Bundestagswahl
- Wahlomat
- iPhone 8
- Dschungelcamp
- Confed Cup
- Chester Bennington
- iPhone X
- Trump
- Handball WM
Persönlichkeiten
Bei den Personen mit dem stärksten Anstieg im Suchinteresse führte „Trump“ die Liste an – ein Name, der die Suchtrends der folgenden Jahre dominieren sollte. YouTube-Star Shirin David auf Platz 2 zeigt bereits 2017 den Aufstieg der Creator-Economy. Auch Dschungelcamp-Bewohnerin Kader Loth und die Sängerinnen Lena Meyer-Landrut sowie Mireille Mathieu bewegten die Suchenden.
- Trump
- Shirin David
- Kader Loth
- Lena Meyer-Landrut
- Mireille Mathieu
- Dembele
- Peter Kraus
- Alice Weidel
- Meghan Markle
- Florian Wess
Abschiede
Wie jedes Jahr spiegelten sich auch die Abschiede von deutschen und internationalen Persönlichkeiten in den Suchtrends wider. Der Tod von Linkin-Park-Sänger Chester Bennington erschütterte Millionen Fans weltweit. Auch der Abschied von Sängerin Andrea Jürgens und Altkanzler Helmut Kohl bewegte die Menschen nachhaltig.
- Chester Bennington
- Andrea Jürgens
- Helmut Kohl
- Christine Kaufmann
- Timo Kraus
- Chris Cornell
- Hugh Hefner
- Gunter Gabriel
- Tom Petty
- Kazim Akboga
Die Fragen des Jahres
Bereits 2017 zeichnete sich ab, was heute Standard ist: Immer mehr Menschen stellen ihre Suchanfragen als vollständige Fragen. Diese Entwicklung war ein Vorbote für die heutigen KI-Assistenten wie ChatGPT oder Google Bard, die auf natürliche Spracheingaben optimiert sind.
Bei den Was-Fragen führte „Was ist G20-Gipfel?“ die Liste an – ein Zeichen dafür, dass viele Deutsche mehr über die internationalen Gipfeltreffen wissen wollten. Auch politische Grundfragen wie „Was soll ich wählen?“ und „Was ist Opposition?“ zeigten das Bedürfnis nach politischer Orientierung.
Was-Fragen
- Was ist G20 Gipfel?
- Was besteht aus Spiegel und Fahne?
- Was beginnt mit dem 1. Advent?
- Was ist Pfingsten?
- Was ist ein Schuppentier?
- Was soll ich wählen?
- Was bedeutet Twilight?
- Was ist eine Opposition?
- Was ist der Confed Cup?
- Was steht auf dem Ei?
Wo-Fragen
„Wo hat Manuel Neuer geheiratet?“ – diese Frage brannte offenbar nicht nur Fußballfans unter den Nägeln. Auch die Sorge um Hurrikan Irma („Wo ist Irma jetzt?“) und erstaunlich praktische Fragen wie „Wo befindet sich der Hubraum?“ bewegten die Suchenden.
- Wo hat Manuel Neuer geheiratet?
- Wo ist Irma jetzt?
- Wo befindet sich der Hubraum?
- Wo kann man Fidget Spinner kaufen?
- Wo kann ich wählen gehen?
- Wo liegt San Marino?
- Wo ist Fronleichnam ein Feiertag?
- Wo liegt Lotte?
- Wo liegt Aserbaidschan?
- Wo können Möwen in Krefeld kostenlos Karussell fahren?
Warum-Fragen
Die Warum-Fragen reichten von ernsten politischen Themen („Warum gegen G20?“, „Warum will Katalonien unabhängig sein?“) bis hin zu skurrilen Alltagsfragen wie dem legendären Luther-Zitat „Warum rülpset und furzet ihr nicht?“.
- Warum gegen G20?
- Warum feiern wir Pfingsten?
- Warum will Katalonien unabhängig sein?
- Warum ist Butter so teuer geworden?
- Warum rülpset und furzet ihr nicht?
- Warum AfD wählen?
- Warum klopft Sheldon dreimal?
- Warum wählen gehen?
- Warum haben Männer Brustwarzen?
- Warum fressen Hunde Gras?
Globale Suchtrends
Weltweit dominierte 2017 ein Naturereignis die Suchtrends: „Hurricane Irma“ belegte Platz 1. Die Liste der globalen Schlagzeilen liest sich wie ein Geschichtsbuch der Katastrophen – von Naturgewalten über Terroranschläge bis hin zu geopolitischen Krisen.
- Hurricane Irma
- Bitcoin
- Las Vegas Shooting
- North Korea
- Solar Eclipse
- Hurricane Harvey
- Manchester
- Hurricane Jose
- Hurricane Maria
- April the Giraffe
Was uns die Daten heute lehren
Rückblickend zeigen die Suchtrends von 2017 interessante Parallelen zu aktuellen Entwicklungen. Bitcoin war bereits damals ein Megatrend, YouTube-Creator wie Shirin David kündigten die heutige Influencer-Ökonomie an, und die Art, wie Menschen suchten, bereitete den Boden für heutige KI-Assistenten.
Die Vielfalt der Fragen – von hochpolitischen Themen bis zu skurrilen Alltagsproblemen – zeigt: Google war schon 2017 mehr als eine Suchmaschine. Es war bereits der digitale Orakel unserer Zeit geworden.
Isabelle Sonnenfeld, damalige Leiterin des Google News Lab, fasste es treffend zusammen: „Die Suchbegriffe des Jahres geben uns eine einmalige Perspektive auf die Momente, die im vergangenen Jahr die Menschen bewegt haben – in Deutschland und weltweit.“
Zuletzt aktualisiert am 30.03.2026

