Dateien wiederherstellen wenn der PC nicht mehr startet

von | 24.02.2022 | Windows

Das Horrorszenario: Euer PC startet Windows nicht mehr und geht nach mehrfachen Versuchen in den blauen Wiederherstellungsbildschirm. Eure Dateien? Irgendwo auf der Festplatte, aber ohne laufendes Windows nicht zugreifbar. Es sei denn, ihr nehmt einen kleinen Umweg!

Der Wiederherstellungsbildschirm ist zumindest ein Zeichen dafür, dass die Festplatte noch funktioniert. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass eure Dateien noch vorhanden sind. Ihr habt zwar keinen Explorer zur Verfügung, aber ein wenig versteckt alle Möglichkeiten der Eingabeaufforderung.

Klickt im Wiederherstellungsbildschirm auf Problembehandlung > Erweiterte Optionen > Eingabeaufforderung. Die Herausforderung: Die Kommandozeile müsst ihr – wenig verwunderlich – mit Kommandos bedienen, also Befehle eintippen.

Moderne Alternativen: Windows PE-Boot-Stick

Bevor ihr mit der Kommandozeile hantiert, gibt es eine elegantere Lösung: Ein Windows PE-Boot-Stick. Das Windows Preinstallation Environment ist ein abgespecktes Windows-System, das von USB startet und euch eine vertraute grafische Oberfläche mit Explorer bietet.

Mit Tools wie Rufus könnt ihr euch einen WinPE-Stick erstellen. Microsoft stellt das Windows Assessment and Deployment Kit (ADK) kostenlos zur Verfügung. Alternativ verwenden viele IT-Profis bereits fertige Boot-Systeme wie Hiren’s BootCD PE oder das Parted Magic.

Der klassische Weg: Eingabeaufforderung

Für das Kopieren einzelner Dateien benötigt ihr nur wenige Schritte und Befehle. Als Vorbereitung formatiert ihr an einem anderen PC einen USB-Stick im exFAT-Format (nicht mehr FAT32 – das hat eine 4GB Dateibegrenzung) und schließt diesen an den nicht startenden PC an. Entfernt alle übrigen USB-Sticks, externen Festplatten oder SD-Karten.

  • An der Eingabeaufforderung müsst ihr jetzt den Laufwerksbuchstaben des Sticks herausfinden. Gebt D: ein und drückt die Eingabetaste. Wenn ihr eine Fehlermeldung bekommt, dann geht im Alphabet weiter: E:, F: etc.
  • Wechselt nun auf die Festplatte des PCs, indem ihr C: eingebt und die Eingabetaste drückt.
  • Eure Dateien findet ihr im Benutzerordner. Wechselt durch Eingabe von cd users (cd für change directory, Ordner wechseln) in das Verzeichnis, in dem sich die Benutzerordner befinden.
  • Tippt als nächsten Befehl dir ein. Ihr seht nun alle Benutzerordner.
  • Wenn euer Benutzername in Windows Joerg ist, dann heißt der Ordner auch so. Bei längeren Namen ist der Benutzerordner-Name eventuell abgekürzt. Gebt im Beispiel als nächsten Befehl cd Joerg ein.
  • Über den dir-Befehl könnt ihr euch jetzt die Verzeichnisse und Dateien ansehen, über den cd-Befehl in Unterverzeichnisse wechseln.
  • Wenn ihr die Dateien gefunden habt, könnt ihr diese durch die Eingabe von copy *.* d: (davon ausgehend, dass euer USB-Stick den Laufwerksbuchstaben D: hat) auf den USB-Stick kopieren.

Wichtige Ordner für die Datenrettung

Die wichtigsten Dateien findet ihr typischerweise in diesen Ordnern:

  • Desktop – Alle Desktop-Dateien
  • Documents – Der Ordner „Dokumente“
  • Downloads – Heruntergeladene Dateien
  • Pictures – Fotos und Bilder
  • Videos – Videodateien
  • Music – Musiksammlung

Moderne SSD-Besonderheiten

Bei neueren PCs mit NVMe-SSDs kann es vorkommen, dass Windows die Laufwerke anders einbindet. Verwendet dann den Befehl diskpart und anschließend list volume, um alle verfügbaren Laufwerke anzuzeigen. Mit exit verlasst ihr diskpart wieder.

Robocopy für Profis

Für größere Datenmengen ist das moderne Robocopy-Tool effektiver als der alte copy-Befehl. Der Syntax lautet:
robocopy C:UsersJoergDocuments D:Backup /E /COPYALL

Der Parameter /E kopiert alle Unterordner mit, /COPYALL behält alle Dateieigenschaften bei.

Was bei verschlüsselten Dateien passiert

Achtung bei BitLocker-verschlüsselten Laufwerken: Hier benötigt ihr den Wiederherstellungsschlüssel, den ihr hoffentlich in eurem Microsoft-Konto gespeichert oder anderweitig notiert habt. Ohne diesen Schlüssel sind die Daten nicht zugänglich.

Alternative: Linux-Live-System

Eine weitere Option ist ein Linux-Live-System wie Ubuntu oder Mint auf USB-Stick. Diese Systeme können problemlos auf Windows-Partitionen zugreifen und bieten eine grafische Oberfläche. Besonders praktisch, wenn ihr mit der Kommandozeile nicht vertraut seid.

Die meisten modernen Linux-Distributionen erkennen NTFS-Partitionen automatisch und binden sie ein. Ihr könnt dann bequem per Mausklick eure Dateien kopieren.

So oder so: Eine regelmäßige Datensicherung erspart euch solche Notfallaktionen. Cloud-Sync mit OneDrive, Google Drive oder automatische Backups auf externe Festplatten sind heute Standard und sollten es auch sein.

Zuletzt aktualisiert am 22.02.2026