Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ (KI): Von McCarthy bis ChatGPT

von | 28.01.2024 | KI

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ ist heute allgegenwärtig – von ChatGPT über Gemini bis zu autonomen Fahrzeugen. Doch wie entstand dieser Begriff vor 70 Jahren und warum wird er immer kritischer diskutiert?

Künstliche Intelligenz (KI) prägt heute unseren Alltag wie nie zuvor. Von generativen KI-Tools wie ChatGPT und Claude über Bildgeneratoren wie DALL-E und Midjourney bis hin zu autonomen Systemen in Autos und Fabriken – KI ist überall. Doch der Begriff selbst ist älter als das Internet und hat eine faszinierende Geschichte.

Ursprung des Begriffs „Künstliche Intelligenz“

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ wurde erstmals 1955 von dem US-amerikanischen Informatiker John McCarthy geprägt. Dies geschah im Rahmen der Vorbereitung der berühmten Dartmouth-Konferenz im Jahr 1956, die oft als Geburtsstunde der Künstlichen Intelligenz betrachtet wird. Bei dieser Konferenz stellten Forscher Ziele und Visionen für die KI vor und legten damit den Grundstein für die zukünftige Entwicklung dieses Feldes.

Interessant ist, dass McCarthy den Begriff bewusst wählte, um Aufmerksamkeit und Fördergelder zu generieren. Er wusste, dass „Künstliche Intelligenz“ provokanter und einprägsamer klang als alternative Begriffe wie „komplexe Informationsverarbeitung“ oder „maschinelles Lernen“.

Roboter sind nur eine Visualisierung von KI

Der Begriff KI wurde in den 50er Jahren geprägt

Was ist Künstliche Intelligenz heute wirklich?

Künstliche Intelligenz ist heute ein Sammelbegriff für verschiedene Technologien, die menschenähnliche Fähigkeiten simulieren. Moderne KI basiert hauptsächlich auf maschinellem Lernen und neuronalen Netzen, insbesondere auf sogenannten Transformer-Modellen, die seit 2017 die KI-Landschaft revolutioniert haben.

Die wichtigsten KI-Kategorien 2026:

Generative KI: Systeme wie GPT-4o, Claude 3.5 Sonnet oder Gemini Ultra, die Texte, Bilder, Videos und sogar Code erstellen können.

Large Language Models (LLMs): Sprachmodelle mit Milliarden von Parametern, die natürliche Sprache verstehen und produzieren.

Multimodale KI: Systeme, die gleichzeitig Text, Bilder, Audio und Video verarbeiten können – wie GPT-4 Vision oder Gemini Ultra.

Agentic AI: KI-Systeme, die eigenständig Aufgaben planen und ausführen können, ohne jeden Schritt vorgegeben zu bekommen.

Wichtig zu verstehen: Heutige KI ist „schwache KI“ oder „Narrow AI“ – sie ist hochspezialisiert, aber nicht allgemein intelligent wie Menschen. Die sogenannte „Artificial General Intelligence“ (AGI) bleibt ein Fernziel.

Auch KI kann diskriminieren: Nicht durch falsche Programmierung, sondern durch kompromittiertes Datenmaterial

Auch KI kann diskriminieren: Nicht durch falsche Programmierung, sondern durch kompromittiertes Datenmaterial

Von KI-Wintern zum KI-Boom: Die wechselvolle Geschichte

Die KI-Entwicklung verlief in Wellen. Nach dem anfänglichen Optimismus der 1950er und 60er Jahre folgten die sogenannten „KI-Winter“ – Phasen der Ernüchterung und reduzierten Finanzierung in den 1970er und 1980er Jahren, als die Versprechen nicht eingelöst wurden.

Der aktuelle KI-Boom begann 2012 mit dem Durchbruch des Deep Learning in der Bilderkennung. 2017 revolutionierte das Transformer-Modell die Sprachverarbeitung. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte der Hype mit ChatGPT im November 2022, das in nur zwei Monaten 100 Millionen Nutzer erreichte.

Warum der Begriff „Künstliche Intelligenz“ problematisch ist

Viele Experten kritisieren den Begriff „Künstliche Intelligenz“ heute als irreführend:

Übertreibung: Heutige KI ist weit von echter Intelligenz entfernt – sie folgt statistischen Mustern, versteht aber nicht wirklich.

Anthropomorphisierung: Der Begriff lässt Menschen glauben, KI denke wie ein Mensch. Tatsächlich sind es mathematische Operationen auf Daten.

Marketing-Hype: „KI“ wird inflationär für einfache Algorithmen verwendet, um Produkte aufzuwerten.

Alternative Begriffe wie „Machine Learning“, „Algorithmic Intelligence“ oder „Computational Intelligence“ würden die Realität besser treffen.

KI in der Gesellschaft 2026: Chancen und Herausforderungen

KI ist heute in fast allen Lebensbereichen präsent:

Positiv: KI hilft bei der Medikamentenentwicklung, macht Autos sicherer, übersetzt Sprachen in Echtzeit und unterstützt bei kreativen Arbeiten.

Problematisch: KI kann Arbeitsplätze gefährden, Deepfakes und Desinformation verbreiten, Vorurteile verstärken und zur Überwachung missbraucht werden.

Die EU hat mit dem AI Act 2024 das weltweit erste umfassende KI-Gesetz verabschiedet. Es klassifiziert KI-Systeme nach Risikostufen und schreibt Transparenz- und Sicherheitsanforderungen vor.

Fazit: Ein Begriff prägt eine Epoche

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ hat eine bemerkenswerte Reise hinter sich – von McCarthys Marketing-Coup 1955 bis zum gesellschaftsprägenden Phänomen 2026. Auch wenn der Begriff technisch ungenau ist, hat er eine ganze Technologie-Ära geprägt und Millionen von Menschen dazu inspiriert, an der Zukunft der Computertechnik zu arbeiten.

Die Herausforderung heute: KI realistisch einzuschätzen, weder zu verteufeln noch zu verklären, sondern verantwortungsvoll zu nutzen und zu regulieren. Denn auch wenn heutige KI nicht wirklich „intelligent“ ist – ihr Einfluss auf unser Leben ist real und wird weiter wachsen.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026