Im Zug telefonieren – oder E-Mails checken und im Netz surfen? Theoretisch möglich. Aber in der Praxis sieht es eher schlecht aus. Ständig ist der Empfang gestört. Man versteht seinen Gesprächs-Partner nicht und die Daten kriechen nur ins Handy. Ärgerlich. Aber es gibt einen erstaunlichen Grund dafür.
Forscher haben sich mal die Frage gestellt: Wieso haben wir eigentlich so schlechten Empfang im Zug. Liegt es an der Bewegung?
Klar, die Bewegung des Zugs spielt auch eine Rolle, ebenso die Tatsache, dass nicht alle Bereiche gleich gut mit Mobilfunk-Netzen versorgt sind. Forscher von Siemens haben mal gemessen: Wie hoch ist eigentlich die Erfolgs-Rate beim Aufbau von Webseiten mit einem Mobil-Gerät im Zug. Und siehe da: Sie liegt bei 41 bis 65 Prozent. Nicht sonderlich hoch also.
Haupt-Ursache sind die Fenster-Scheiben. Die sind im Zug so beschaffen, dass sie nicht nur Licht und Wärme reflektieren, sondern auch elektromagnetische Wellen, also auch die des Mobilfunks. Sie dringen nicht so gut in den Zug wie sie könnten.
Im Auto haben die meisten doch einen sehr guten Empfang mit dem Handy. Und da wäre es ja sogar wünschenswert, wenn es anders wäre, weil man ja – zumindest als Fahrer – keine Smartphones bei der Fahrt benutzen darf. Woran liegt das?
Das liegt daran, dass wir im Auto nun völlig andere Glas-Scheiben haben als im Zug. Die Scheiben im Zug sind aus einem anderen Material, sie sind mit einer hauch dünnen Metall-Beschichtung versehen, die Wärme und Licht draußen halten soll.
So etwas haben wir im Auto nicht, deshalb dringen die Funkwellen hier ungehindert ins Wagen-Innere – und auch wieder raus. Der Handy-Empfang ist im Auto daher besser als im Zug. Es liegt tatsächlich vor allem an den Fenstern.
Was hat sich inzwischen bei der Bahn getan?
Siemens hatte bereits neue Fenster-Scheiben entwickelt, die Funk-Signale in bestimmten Frequenz-Bereichen durchlassen – also vor allem die des Mobilfunks -, dafür andere Wellen aber nicht, die im Zug nur stören würden. Diese Technologie ist mittlerweile nicht nur im Rhein-Ruhr-Express (RRX), sondern auch in vielen ICE-4-Zügen im Einsatz.
Die Deutsche Bahn hat außerdem massiv in Repeater-Systeme investiert. Das sind Verstärker, die in den Waggons installiert werden und Mobilfunk-Signale aufnehmen, verstärken und im Zug weiterleiten. Dadurch verbessert sich der Empfang erheblich – auch bei 5G-Verbindungen.
Wird dann auch der Daten-Funk im Zug besser?
Absolut. Die Bahn arbeitet inzwischen eng mit allen großen Mobilfunk-Anbietern zusammen. Entlang der wichtigsten Strecken wurden die Antennen-Lösungen komplett überarbeitet. Vor allem die 5G-Abdeckung hat sich dramatisch verbessert. Telekom, Vodafone und O2 haben ihre Basisstationen entlang der Bahntrassen aufgerüstet.
Besonders interessant: Die Bahn testet bereits autonome Repeater-Drohnen, die bei längeren Tunnelfahrten die Verbindung aufrechterhalten sollen. Das ist noch Zukunftsmusik, zeigt aber die Richtung.
Aber brauchen wir das überhaupt? Gibt es nicht längst WLAN in allen Zügen?
Das hat sich massiv verbessert. Seit 2019 bietet die Deutsche Bahn kostenloses WLAN in der 2. Klasse aller ICE-Züge. Auch viele Regionalzüge sind inzwischen ausgestattet. Die ursprünglich befürchteten Volumen-Begrenzungen gibt es nicht mehr – ihr könnt unbegrenzt surfen.
Allerdings ist die Qualität nach wie vor durchwachsen. Das Bahn-WLAN nutzt dieselben Mobilfunk-Verbindungen, die auch euer Handy verwendet. Ist das Mobilfunk-Netz schwach, ist auch das WLAN lahm.
Was bringt die Zukunft?
Die Bahn arbeitet an mehreren spannenden Projekten: Satelliten-Internet über Starlink wird bereits getestet und soll ab 2027 flächendeckend verfügbar sein. Das würde endlich eine stabile Verbindung auch in entlegenen Gebieten garantieren.
Außerdem plant die Bahn sogenannte „Edge Computing“-Systeme in den Zügen. Dabei werden häufig abgerufene Inhalte direkt im Zug zwischengespeichert – Netflix-Serien, YouTube-Videos oder Nachrichten-Apps laden dann blitzschnell, auch ohne perfekte Internet-Verbindung.
Ein weiterer Ansatz: 6G-Technologie, die ab 2030 kommen soll, wurde speziell für mobile Anwendungen entwickelt. Die Frequenzen sind besser für schnell bewegende Objekte optimiert.
Was könnt ihr heute schon tun?
Checkt vor der Fahrt eure Mobilfunk-Anbieter-App – viele zeigen inzwischen die Netzabdeckung entlang der Bahnstrecken an. Ladet wichtige Inhalte vorher herunter: Spotify-Playlists, Netflix-Episoden oder Podcasts.
Und probiert verschiedene Sitzplätze aus: Am Fenster ist der Empfang oft schlechter als am Gang. In der Nähe der Türen gibt es manchmal besseren Empfang, weil dort die Abschirmung geringer ist.
Die gute Nachricht: Die Zeiten des komplett empfangslosen Bahnfahrens gehören langsam der Vergangenheit an. Es wird definitiv besser – auch wenn es noch nicht perfekt ist.
Zuletzt aktualisiert am 08.04.2026



